Newsletter 2021/01

Liebe Imkerinnen und Imker,

fast schlagartig ist in der vergangenen Woche der Frühling „ausgebrochen“. Was uns „Bienenmenschen“ freut, hinterlässt auch Eindruck bei unseren Völkern:
1. Erweiterung - Wann gibt man den Honigraum?
2. Schwarmkontrolle

1. Erweiterung - Wann gibt man den Honigraum?
„Einfache Antwort“: kurz bevor das Volk ihn braucht und in der Lage ist, ihn zu besiedeln. So einfach, wie sich das anhört ist es jedoch meistens nicht, denn der ideale Zeitpunkt hängt ganz stark vom Entwicklungsstand des Bienenvolkes und nicht von einem Kalenderdatum ab. In den letzten Wochen war ich selbst überrascht, wie gut sich einzelne Völker entwickelt haben und nun weiteren Platz benötigen, will man sie nicht vorzeitig zum Schwärmen bringen. Als kleiner Anhaltspunkt gilt die Blüte der Saalweide. Wenn sie gut eingetragene Pollen die Königin zu verstärkter Eiablage und das Volk zur Brutpflege. Drei bis vier Wochen danach schlüpfen vermehrt Bienen und suchen Beschäftigung. Im Spätsommer auf zwei Zargen eingewinterte Völker entwickeln sich in der Regel im Frühjahr schneller und brauchen den Honigraum früher.
Sind große verdeckelte Brutflächen vorhanden und die allermeisten Wabengassen bienenbesetzt, werden die Wachsbrücken der oberen Zarge entfernt, ein Absperrgitter aufgelegt und der Honigraum gegeben. Ausgestattet ist dieser im Kern mit ausgebauten hellen Waben (falls verfügbar) und mit Mittelwänden. In den wärmeren Lagen ist das jetzt mit der Kirsch- und der Ahornblüte der Fall. Bei einzargigen oder schwächeren Völkern dauert es unter Umständen etwas länger bis dieses Stadium erreicht ist. Ob dann gleich der Honigraum aufgesetzt werden soll oder erst noch ein zweiter Brutraum, darüber gehen die Meinungen auseinander und ich überlasse Ihnen diese Entscheidung.

Schwarmkontrolle


Auch wenn in den nächsten Tagen noch einmal tiefere Temperaturen den Bienenflug zum Erliegen bringen
können, die Volksentwicklung im Beuteninnern läuft weiter. Deshalb sollten Sie nicht zögern, demnächst mit der regelmäßig wiederkehrenden Schwarmkontrolle zu beginnen.
Ist das Brutnest über zwei Räume verteilt, so verschafft man sich zunächst mit einer „Kippkontrolle“ einen aktuellen Überblick. Dazu wird der Honigraum abgenommen und beiseite gestellt. Der obere Brutraum wird nun an der Hinterseite angehoben, etwas zurückgezogen und nach vorne gekippt. Mit kräftigen Rauchstößen treibt man die Bienen in die Wabengassen zurück, so dass ein Blick auf Rähmchen und Wabenunterseiten möglich ist. Von Interesse sind die „Weiselnäpfchen“.

Liegt eine kleine Larve darin wird sie gefüttert und die Zellen können schnell am weislich schimmernden Gelee Royal und an der Zellen-Verlängerung erkannt werden. Weit schwieriger ist das vorangehende „Ei-Stadium“ festzustellen.
Da lohnt sich die Verwendung einer Kopflupe und einer zusätzlichen Lichtquelle. Wird auch nur ein Ei übersehen, kann bis zur nächsten Kontrolle acht Tage später bereits ein Schwarm ausgezogen sein! Ohne Anzeichen fürs Schwärmen wird das Volk nach kurzer Zeit wieder geschlossen, andernfalls muss es eingehender untersucht und alle Schwarmzellen müssen zerstört werden. Die Kipp-Methode zieht immer wieder Kritik auf sich, weil unter Umständen versteckt angelegte Schwarmzellen übersehen werden. Diesen Nachteil nehme ich bewusst in Kauf und verliere auch mal einen Schwarm, doch mit dem Vorgehen lässt sich eine Menge Zeit einsparen.
Weit effektiver, als Zellen nur auszubrechen, ist das Schröpfen der Völker. Noch vor Erwachen des Schwarmtriebs werden die Völker durch das Herausnehmen von gut verdeckelten Brutwaben mit ansitzenden Bienen geschröpft. Die Lücke wird durch eine Mittelwand aufgefüllt und die Königin legt darauf schnell wieder Eier. Die Brutwaben werden in einer Leerzarge gesammelt, mit Boden, Deckel und einer Futterwabe ausgestattet und dann (nach Möglichkeit außerhalb des Flugkreises) aufgestellt. Ohne weiteren imkerlichen Eingriff werden die Arbeiterinnen in diesem Ableger eine Ersatzkönigin erbrüten. Ist sie geschlüpft und erfolgreich vom Begattungsflug  zurückgekehrt, bildet sie das Oberhaupt eines neuen Bienenvolkes. Allerdings könnte dieser Sammelbrutableger auch zur Königinnenzucht und zur Bildung von mehreren Ablegern dienen. Wie das geht, kann u.a. in den Mai-Ausgaben der Imkerzeitungen aus den vergangenen Jahren nachgelesen werden.