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  • Abteilung 8
    15.09.2016
    Wasserkraftwerk am Waldkircher Gewerbekanal
    Standort dient der Nutzung der Wasserkraft in unterschiedlicher Weise seit Jahrhunderten

    ​Die Stadtwerke Waldkirch bauen am Gewerbekanal derzeit ein Wasserkraftwerk, das in Zukunft ökologisch Strom erzeugen wird. Anhand von Archivalien ist belegt, dass sich an dieser Stelle bis ins frühe 20. Jahrhundert eine kleine Mühle befand. Deshalb ging man bereits vor der Baumaßnahme davon aus, dass sich im Boden Nachweise für das historische Bauwerk befinden. Der frühzeitige Kontakt mit der Archäologischen Denkmalpflege ermöglichte einen reibungslosen Ablauf der Bodeneingriffe, die von Dr. Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart begleitet wurden. Die dabei gefundenen Fundamente einer Stellfalle und eines Schusskanals konnten so ohne weitere Verzögerungen fachgerecht dokumentiert werden.

    Details lassen erkennen, dass das letzte Wasserrad einen Durchmesser von 3,6 m hatte. Die Fundamente bestehen aus Beton und dürften zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet worden sein. Die jüngsten Baumaßnahmen fanden offensichtlich im Zusammenhang mit der Bebauung des Areals um 1980 statt.

    Archivalisch ist über die Mühle nur wenig bekannt. 1860 wird sie als Schmiedeschleife bezeichnet, 1898 wurde sie als Feilenhaue genutzt. 1902 erfolgte die Einrichtung einer Edelsteinschleiferei durch die Firma Trenkle. Doch noch vor 1928 erfolgte die Einstellung der Wasserkraftnutzung. 

    Die eigentliche archäologische Überraschung war der Nachweis eines eisenverarbeitenden Betriebs, der durch Keramik in das 16. Jahrhundert datiert werden konnte. Die Wasserkraft trieb an der Stelle den Blasebalg für mindestens einen Ofen sowie einen Schmiedehammer und eine Schleife an. Die Befunde sind wohl einer urkundlich 1567 genannten Waffenschmiede zuzuordnen.

    Die Stadtwerke Waldkirch knüpfen damit an eine über 500-jährige Nutzung der Wasserkraft an. Der für den Landkreis Emmendingen zuständige Vertreter der Archäologischen Denkmalpflege, Dr. Andreas Haasis-Berner, betont die gute Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, durch die baubegleitend wichtige Informationen für die Stadtgeschichte dokumentiert werden konnten.

    Nähere Informationen zu den gewonnenen archäologischen Erkenntnissen sind den beiden Publikationen zu entnehmen:

    Andreas Haasis-Berner: Der Gewerbekanal von Waldkirch (Waldkirch 2014), 112f (UR6l) und Andreas Haasis-Berner: Stadtkataster Waldkirch (Filderstadt 2015), 107, Nr. 65.

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Katja Lumpp
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