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  • Abteilung 3
    07.02.2017
    47. Weinsberger Obstbautag- Qualität statt Masse im Kernobstmarkt – auch Regionalität und Geschmack im Aufwärtstrend
    Helwig Schwartau von der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI): „Der Konsument wünscht wieder mehr Informationen zur Herkunft, Rückverfolgbarkeit und Inhaltsstoffen“

    Auf dem 47. Weinsberger Obstbautag am 7. Februar 2017 informierten sich rund 300 Interessierte des Berufsstandes über die Besonderheiten des Apfelanbaus und seine speziellen Anforderungen. Weitere Schwerpunkte waren die Ausdünnung im Kernobstbau, Erdbeeranbau, Feigenanbau und der Pflanzenschutz im Obstbau.

    Dr. Kurt Mezger, Abteilungspräsident am Regierungspräsidium Stuttgart, begrüßte das Fachpublikum und gab einen Überblick über das vergangene Obstjahr. „Wenn man die Ernteergebnisse im Obstanbau im Jahr 2016 betrachtet, kann man bundesweit insgesamt von einer eher verhaltenen Ernte sprechen. Einzig die Apfelernte liegt mit 1.032.913 t über dem Durchschnitt“, so Mezger. Die Preise für Kernobst seien vor dem Hintergrund des hohen Aufwandes für den Pflanzenschutz im letzten Jahr auf einem zu niedrigen Niveau gewesen. Für Steinobst konnten gute Preise erzielt werden, wenn man denn die Ware auch hatte. Geringer Behang und Ausfall durch Schädlinge und Krankheiten sorgten für einen Nachfrageüberhang, führte Mezger aus.

    Feigen
    Ursula Kujal, Gartenarchitektin vom Bio-Feigenhof Wien – Am Himmelreich, erläuterte die Entstehungsgeschichte, die Produktion und den Verkaufsablauf auf dem Bio Feigenhof. „Dabei ist uns vor allem auch die Vermittlung der Produktionsweise an die Kundinnen und Kunden wichtig. Wir möchten die Pflanze durch Schmecken, Riechen und Begreifen erlebbar machen“, so Kujal.
    Feigenanbauer Ing. Harald Thiesz berichtete aus seiner zehnjährigen Kulturerfahrung auf dem Bio Feigenhof. „Wir bauen 50 Sorten an sowohl im Gewächshaus als auch im Freiland“, berichtete Thiesz.
    Auch Markus Dobler vom gleichnamigen Weingut aus dem Remstal baut unterschiedliche Feigensorten an und berichtete über seine Erfahrungen im Anbau und der Vermarktung.

    Erdbeeren
    Stefan Volgenandt von der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (LVWO) stellte Versuchsergebnisse zu verschiedenen Erdbeersorten dar. „Das „Sortenkarussell“ dreht sich bei Erdbeeren so schnell wie bei keiner anderen Obstart“ sagte Volgenandt und erklärte, dass jedes Jahr eine Vielzahl neuer Sorten auf den Markt käme. Die Hauptanbaugebiete für Erdbeeren sind Baden-Württemberg und die Rheinebene. Hier seien vor allem frühe Sorten, wie „Clery“ relevant. „Allerdings hat sie auch ein paar Nachteile, sie ist relativ anfällig für Fruchtfäule“ erläuterte Volgenandt zu der Sorte. Die Anfälligkeit und hohen Niederschläge im Jahr 2016 führten zu hohen Ertragsausfällen. Für den späteren Anbau fehlten bisher die passenden Sorten, erklärte Volgenandt. In diesem Zuge stellte er zwei neue Züchtungen vor (Susette und Faith), die sich in diesem Bereich etablieren könnten.

    Kernobst
    Herr Helwig Schwartau von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH Hamburg (AMI) legte die Schwerpunkte seines Vortrages auf den schwächelnden Binnenmarkt, die Produktqualität und auf das sich wandelnde Sortiment. Er berichtete dabei unter anderem, dass ein Überangebot den Angebots- und Preisdruck verschärft und wie man sich dem Preisdruck durch Club-Sorten entziehen kann.
    „Geschmack steht wieder im Fokus. Es zählt der Geschmack von morgen, nicht der von gestern!“ sagte Schwartau. Besonders hob er hervor, dass der Geschmack wieder mehr in den Fokus rücke und nicht nur der Preis zähle. Des Weiteren solle laut Schwartau mehr Wert auf die Qualität gelegt werden, statt auf die Masse.
    „Der Konsument wünscht mehr Informationen zu Herkunft, Rückverfolgbarkeit, Rückständen, Inhaltsstoffen, etc.“ erklärte Schwartau. Außerdem führte er aus, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine große Rolle spielten und zum Beispiel Single Haushalte durch kleinere Verpackungen besser mitberücksichtigt werden sollten.

    Ausdünnung
    „Intensiv blühende Obstanlagen sind frühzeitig und intensiv auszudünnen, um einerseits in der laufenden Saison eine hohe Fruchtqualität zu erzielen und um andererseits auch im kommenden Jahr durch Verhinderung der Alternanz akzeptable Erträge erzielen zu können.“ betonte Dr. Franz Rueß von der LVWO.
    Der Abteilungsleiter für Wein- und Obstbau referierte über die Ausdünnung im Kernobstanbau. Er gab einen Überblick über zurückliegende Praktiken und führte künftig zu erwartende Neuerungen aus. Zum Beispiel biete die Verfügbarkeit des neuen Wirkstoffes Metamitron, die Möglichkeit einer sehr guten Frucht ausdünnenden Wirkung. Er betonte jedoch, dass die Bundesrepublik Deutschland, was die Zulassungssituation an Ausdünnungsmitteln anbelangt, europaweit betrachtet ein sehr armes Land sei.
    Erfahrungen hierzu aus der Praxis liefert Herr Tobias Holderrieth, der an der Fachschule der LVWO gerade im zweiten Halbjahr seinen Staatlich geprüften Wirtschafter und Meister im Obstbau absolviert, sowie einen großen Obstbaubetrieb in Schwaigern hat.

    Pflanzenschutz
    Dr. Thomas Diehl vom Regierungspräsidium Stuttgart stellte neben einem allgemeinen Rückblick 2016 auch einen Ausblick auf das Jahr 2017 dar. Das Wasser stellte im Jahr 2016 die Obstbauern vor große Herausforderungen bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten im Kern- und Steinobst, so Diehl. Kultur- und Pflegearbeiten seien aufgrund des weichen Untergrundes oft nicht zur richtigen Zeit möglich gewesen. Kulturen standen vielerorts unter Wasser.
    Mit Ende der Süßkirschenernte habe sich wieder das ganze Schadensausmaß der Kirschessigfliege (KEF) gezeigt. Sauerkirschen, Himbeeren und Brombeeren waren dabei sehr stark betroffen. Diehl zeigte des Weiteren neue Ansätze bei der KEF-Bekämpfung auf und stellte neue Erkenntnisse der Lebensweise des Schadinsektes auf.

    Hintergrundinformationen

    Baden-Württemberg und das Alte Land sind die beiden wichtigsten Apfelanbaugebiete. Im Jahr 2016 betrug die Apfelernte in Deutschland 1 032 913 Tonnen. Davon wurden allein in  Baden-Württemberg 282 471 Tonnen geerntet.


    Anlage: Programmflyer (PDF, 668 KB)

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