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  • Abteilung 8
    09.03.2015
    Archäologische Denkmalpflege
     Buchcover

    Dr. Jörg Bofinger, Mitverantwortlicher für den Stadtkataster und Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, übergab heute im Museum im Klosterhof den neu erschienenen Archäologischen Stadtkataster der Stadt Lauffen am Neckar

    Dr. Jörg Bofinger, Mitverantwortlicher für den Stadtkataster und Referatsleiter Regionale Archäologie, Schwerpunkte und Inventarisation im Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, übergab heute im Museum der Stadt Lauffen am Neckar vor zahlreichen Gästen den neu erschienenen Archäologischen Stadtkataster für die Stadt Lauffen an Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. Auf über 400 Textseiten mit ca. 130 Abbildungen sowie auf sechs lose beigefügten farbigen Fachplänen fasst das Werk die bisherige archäologische und stadtgeschichtliche Forschung in all ihren Facetten zusammen und beschreibt auf dieser Grundlage die archäologisch relevanten Bereiche innerhalb der historischen Siedlungsquartiere von ehemals Lauffen Stadt und Dorf.

    Dr. Jörg Bofinger vertrat bei der Veranstaltung den wegen Krankheit verhinderten Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl. Schmalzl ließ ausrichten: „Mit dem Stadtkataster steht jetzt ein Instrument zur Verfügung, das bei der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, projektierten Sanierungen von Stadtquartieren und auch bei individuellen Planungsvorhaben als qualifizierte Handreichung für denkmalbezogene Stellungnahmen dient.“ Er betonte auch, dass ein solcher „Stadtkataster“ notwendige städtebauliche Veränderungen nicht blockieren wolle: „Er möchte vielmehr aufzeigen, welche Chancen es in einem tief im Mittelalter wurzelnden Siedlungsgefüge gibt, das jeweils einmalige und Identität stiftende Ensemble aus alter Bausubstanz und geschichtlicher Überlieferung im Boden als historische Quellen zu lesen, zu verstehen und zu erhalten.“

    Der Band Lauffen am Neckar erscheint als Nr. 38 in der Schriftenreihe Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Diese Reihe wird vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart zusammen mit der jeweils bearbeiteten Stadt herausgegeben. Verfasst wurde der Band von Dr. Alois Schneider, Dr. Andrea Neth und Dr. Uwe Gross vom Landesamt für Denkmalpflege sowie Dr. Norbert Hofmann, Stadtarchivar von Lauffen, unter der Mitarbeit von Dr. Birgit Kulessa.

    Regierungspräsident Schmalzl und die Autoren des Bandes sind überzeugt: Dieser Stadtkataster „dokumentiert die schon seit der Ausgrabung des römischen Gutshofes Ende der 1970er Jahre gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Archäologischen Denkmalpflege mit der Stadt Lauffen“. Diese Arbeit könne auf dem jetzt verbreiterten Fundament erfolgreich fortgesetzt werden, stets geleitet von dem Bemühen, den historischen Quellenwert der innerstädtischen Flächen zu würdigen und die sichtbaren wie auch die im Boden tradierten Geschichtsdokumente an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

    Über seine Funktion als Instrument für Denkmalschutz und Stadtplanung hinaus dürfte dieser Band auch zu weiteren historischen Forschungen anregen. Zielgruppe des Archäologischen Stadtkatasters sind deshalb auch die stadt- und landesgeschichtliche Forschung und die an diesen Themen interessierte Öffentlichkeit.

    Die Druckkosten für die 400 Bände der Auflage werden von der Stadt Lauffen und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam getragen. Die Publikation wurde vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft – Oberste Denkmalschutzbehörde gefördert. Lauffen ist – abgesehen von der kreisfreien Stadt Heilbronn – nach Weinsberg die zweite Stadt im Kreis Heilbronn, für die bisher ein Stadtkataster publiziert wurde.

    Der Band kann bei der Stadt Lauffen bzw. beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen zum Preis von 15 Euro erworben werden.

    Hintergrundinformationen

    Dr. Alois Schneider erinnerte bei der Vorstellung des Bandes daran, bereits im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von dem Lauffener Oberamtmann Johann Friedrich Seyffer erste archäologische Beobachtungen gemacht wurden. Seit den 1960er-Jahren erfuhr die archäologische Forschung nicht zuletzt durch das Engagement des heimatgeschichtlich ambitionierten Bürgers Karl Schäffer einen neuen Schub. Allein aus dem historischen Siedlungsbereich, der das Untersuchungsgebiet bildete, waren über 70 archäologische Fundstellen zu verzeichnen. Der Band enthält außerdem einen Katalog, der unter der Überschrift Historische Topographie fast 200 Objekte beschreibt und kartiert, die im Kontext der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Besiedlung in Stadt und Dorf neben den spätmittelalterlichen Befestigungswerken eine herrschaftliche, administrative, kirchliche oder wirtschaftliche Rolle gespielt haben. Wenn sich auch im engeren Umfeld um die Regiswindiskirche bis heute keine aussagefähigen Funde und Befunde dokumentieren ließen, so steht doch außer Frage, dass der in den Schriftquelle belegte fränkische Königshof in diesem Bereich zu suchen ist. Die Grubenhäuser, die in der Lange Straße/Ecke Schulstraße aufgedeckt wurden, dürften schon Teil jener Siedlung „Hlouppa“ gewesen sein, deren Martinskirche zur Ausstattung des um 742 gegründeten Bistums Würzburg zählte. Kirche und herrschaftliche Gebäude standen innerhalb einer damals angelegten Abschnittsbefestigung, die über das ganze Mittelalter in Nutzung blieb, wie Alois Schneider in seiner Einführung berichtete.

    In der Salierzeit errichteten die Grafen von Lauffen wohl um 1100 über dem rechten Neckarufer eine Burg, deren Wohnbau noch erhalten ist. Zwischen 1216 und 1219 erlosch die Familie im Mannesstamm, Burg und Siedlung rechts des Neckars fielen an den König. Den genauen Gründungszeitpunkt der 1234 erstmals genannten Stadt östlich oberhalb der Burg kennen wir nicht. Die Bedeutung der Stadt für das Königtum ergab sich nicht zuletzt aus ihrer Position in der Durchgangszone vom Mittelrhein und entlang des Neckars in das Herzogtum Schwaben, nach Ulm und an den Bodensee. Von den Staufern früh an die Markgrafen von Baden verpfändet, gelangte die Reichsstadt Lauffen über Teilbesitz verschiedener regionaler Adelsbesitz in einem langwierigen Prozess zwischen 1302 und 1434 an die Grafen von Württemberg.

    Der Band beschreibt wesentliche Elemente des Sozialgefüges in den beiden durch den Fluss geschiedenen spätmittelalterlichen Siedlungen, auch ihres Wirtschaftslebens und ihrer Verkehrslage: so etwa die Position Lauffens als ein, wie es in den Schriftquellen wiederholt heißt, „Pass- und Grenzort“ an einem alten Neckarübergang, wo seit 1474 die steinerne Brücke bis weit in das 18. Jahrhundert den einzigen festen Flussübergang zwischen Heilbronn und Cannstatt vermittelte. Die verkehrsgeographisch exponierte Lage der Stadt hatte zur Folge, wie Alois Schneider näher ausführte, dass Lauffen bis weit in das 18. Jahrhundert hinein von der Herrschaft Württemberg die Rolle einer Festung zugewiesen wurde, was auch entsprechende Baumaßnahmen unmittelbar vor der östlichen Stadtmauer zur Folge hatte.

    Auch die Grundzüge der Lauffener Kirchengeschichte werden in diesem Kataster behandelt, wobei das Hauptaugenmerk auf ihre baulichen Ausprägungen gerichtet ist, z.B. die spätmittelalterlichen Kaplaneihäuser, den teilweisen Neubau der Regiswindiskirche nach dem Brand von 1564 oder die Anlage des Dominikanerinnenklosters im Dörfle jenseits der Zaber. In seiner Einführung griff Dr. Schneider beispielhaft die nach wie vor offene Frage nach dem Ort des Grabes der seit der Mitte des 9. Jahrhunderts bis zur Reformation als Kirchpatronin verehrten Regiswindis auf.

    Nach der Auflösung des Alten Reichs am Beginn des 19. Jahrhunderts hat Lauffen innerhalb der neu geschaffenen staatlichen Ordnung im Königreich Württemberg seine bisherige Funktion als administrativer Mittelpunkt eines kleinen Oberamtes verloren. Eine Industrialisierung ist hier erst ausgangs des Jahrhunderts, beginnend mit dem Portland-Zement-Werk, und nur sehr verhalten in Gang gekommen.

    Das Kapitel Stadtbewertung unter archäologischen Gesichtspunkten stellt das Resümee der Untersuchung dar, indem es die archäologisch relevanten Bereiche für die künftige denkmalpflegerische Betreuung Lauffens charakterisiert; die einzelnen Flächen sind auf einem eigenen Plan deutlich gekennzeichnet. Trotz aller modernen Veränderungen hat Lauffen noch großenteils seine im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit grundgelegte Straßen- und Quartiersstruktur behalten, sodass auf den Grundstücken innerhalb der historischen Siedlungskerne von Stadt und Dorf insgesamt noch ein dichtes archäologisches Potenzial überliefert sein dürfte.

    Informationen zum Buch
    Lauffen am Neckar (= Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg 38)
    Hg. v. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Verbindung mit der Stadt Lauffen am Neckar, 2015
    Zu beziehen über die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e. V.
    ISBN 978-3-942227-17-9 412 S., 131 Abbildungen und 6 Kartenbeilagen
    15,00 Euro

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