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  • Abteilung 9
    20.05.2015
    Pressekonferenz des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg: Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsschutz stärken den Standortfaktor Gesundheit im Land
    Vorstellung des Jahresberichts 2014

    ​Die Themen: Schutzmaßnahmen zur Vermeidung mikrobiologischer Verunreinigungen von Trinkwasser, Untersuchungsergebnisse zum größten Q-Fieberausbruch 2014 in Baden-Württemberg, neue Wege der Gesundheitsplanung in den Stadt- und Landkreisen, Notwendigkeit eines wirksamen Impfschutzes gegen Masern, Aktuelles zur Anerkennung ausländischer Fachkräfte im Gesundheitsbereich

    Anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Jahresberichts 2014 des Landesgesundheitsamtes (LGA) verwies Regierungspräsident Johannes Schmalzl auf die wichtige Funktion der landesweit tätigen Fachbehörde in Baden-Württemberg. „Durch die Integration des LGA in das Regierungspräsidium Stuttgart sind die behörden-internen Abstimmungswege bei den vielfältigen Aufgaben mit Gesundheitsbezug einfacher und erleichtern die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und eine wirksame Gesundheitsvorsorge, -planung und -versorgung im Land.“ Viele Aufgaben des LGA werden eher im Hintergrund erledigt und sind für die Bürgerinnen und Bürger oft nicht unmittelbar erkennbar. „Ein fehlendes LGA würde bald wahrnehmbare Folgen haben. Viele Dienstleistungen der Gesundheitsämter in den Stadt- und Landkreisen wären fachlich erschwert und weniger abgestimmt oder würden sogar wegfallen müssen."

    Fünf aktuelle Gesundheitsthemen hob das LGA besonders heraus:

    Trinkwasser ist ein wichtiges Lebensmittel und dessen Qualität von hoher Bedeutung. Dies umfasst auch das Leitungssystem. Nach Bekanntwerden von mikrobiologischen Verunreinigungen bei Wasserzählern durch den das Bakterium Pseudomonas aeruginosa hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg schnell reagiert und noch im Dezember 2014 Vorgaben zur Durchführung von Gefahrerforschungs- und Gefahrenabwehrmaßnahmen erlassen. Die zuständigen Gesundheitsämter veranlassten daraufhin in ihrem Stadt- und Landkreis Probennahmen in mindestens fünf Einrichtungen, in denen sich immungeschwächte Personen aufhalten (insbesondere Krankenhäuser und Altenpflegeinrichtungen) und neue Wasserzähler eingebaut wurden. Die Probenuntersuchungen fanden zentral im Labor des LGA statt: Zehn (= knapp drei Prozent) der bisher 361 eingegangenen Proben wurden positiv getestet. Schnell reagiert haben auch die Hersteller von Wasseruhren und die Wasserversorgungsunternehmen mit eigenen Vorsorgemaßnahmen.

    Q-Fieber ist eine hoch ansteckende Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen, mitunter folgen aber auch Herzklappenentzündungen und Fehlgeburten. Landesweit haben sich 2014 wenigstens 278 Personen nachweislich mit dem Bakterium Coxiella burnetti angesteckt, davon allein 202 bei einem Hoffest an einem einzigen Junitag. Ansteckungsquellen sind Schafe und deren Ausscheidungen, über die der Erreger im direkten Kontakt oder über Staub und Atemluft verbreitet wird. Krankheitszeichen zeigen sich erst zwei bis sechs Wochen nach der Ansteckung. Deshalb wird Q-Fieber häufig spät erkannt. Bei Q-Fieber ist die beste Behandlung das Vermeiden. Das „One Health“-Konzept zielt auf die Gesundheitsvorsorge bei Tier und Mensch: Umfangreiche seuchenhygienische Maßnahmen mit der Überwachung von Schafherden zum frühzeitigen Erkennen von infizierten Beständen durch Impfung der Tiere und den Einsatz von Zeckenbekämpfungsmitteln müssen veranlasst werden.

    In den meisten Land- und Stadtkreisen sind seit 2010 Kommunale Gesundheitskonferenzen (kurz: KGK) eingerichtet, die als Steuerungsgremien vor Ort derzeit drei Handlungsfelder bearbeiten: „Gesundheitsförderung und Prävention“, „Medizinische Versorgung“ und „Stationäre und ambulante Pflege“. Analysiert werden darin Stärken und Schwächen, bevor miteinander nach bedarfsorientierten Lösungen gesucht und verbindliche Umsetzungsempfehlungen getroffen werden. In den KGK sind Institutionen der gesundheitlichen Versorgung, der Sozialversicherungsträger, der Selbsthilfe sowie aus dem Bildungs- und Sozialbereich vertreten. Seit Dezember 2014 unterstützt das Sozialministerium Baden-Württemberg mit einem Pilotvorhaben die Erstellung eines „Fachplans Gesundheit“ als Ergebnis eines Planungsprozesses in mindestens einem der drei Handlungsfelder. Daraus soll erweitert ein methodisch übertragbares Konzept für die Erarbeitung eines Fachplans Gesundheit auch für andere KGK abgeleitet werden. Pilotteilnehmer sind der Enzkreis, die Landkreise Karlsruhe, Lörrach, Rhein-Neckar und Reutlingen sowie die Landeshauptstadt Stuttgart. Das LGA begleitet und unterstützt deren Geschäftsstellen mit Rat und Tat.

    Masern sind jetzt häufiger unter Jugendlichen und Erwachsenen als unter Kindern verbreitet. Unter den seit 2013 an Masern Erkrankten sind nur noch ein Drittel Kinder (33,4 Prozent). Jugendliche ab 15 Jahren und junge Erwachsene ab 20 Jahren stellen jeweils ein weiteres Drittel. Seit Jahresbeginn 2015 erkrankten landesweit mindestens 117 Personen (2014: 14, 2013: 66), darunter sieben Erwachsene in Gesundheitsberufen. Ursache sind größere Impflücken in der Kindheit der jungen Erwachsenen und seither versäumter und nicht nachgeholter Impfschutz. Um die Masern zu stoppen, geht deshalb ein besonderer Appell gerade an junge Berufseinsteiger, die am Arbeitsplatz viel Publikumsverkehr haben oder in Gesundheitsberufen arbeiten: Bitte unbedingt den eigenen Impfschutz gegen Masern und auch gegen andere impfpräventable Krankheiten überprüfen und vervollständigen!

    Baden-Württemberg braucht Fachkräfte – auch im Gesundheitsbereich. In vielen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, aber auch in niedergelassenen Praxen fehlt es heute schon an Fachpersonal. Die Zuwanderung von Ärzten sowie von Pflege- und anderen nichtärztlichen Fachkräften aus dem Ausland ist ein Lösungsansatz. Die gezielte Anwerbung führt zu einer anhaltend hohen Nachfrage nach möglichst zeitnaher Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, die gesetzlich in der Regel innerhalb von drei Monaten garantiert sein soll. Zuständig dafür ist das Landesprüfungsamt im LGA. Ersatz für fehlende Ärzte und Pflegekräfte aus dem Ausland ist nur dann möglich, wenn die Sprachkenntnisse ausreichend sind. Doch viele sind schlecht vorbereitet und sprechen nur gebrochen Deutsch; 40 Prozent der ausländischen Ärzte haben Probleme mit der deutschen Sprache. Dies kann für Patienten gefährlich sein. In Absprache mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg verlangt das Landesprüfungsamt schon seit Jahren Grundsprachenkenntnisse auf dem Sprachniveau B 2 (Nachweis B 2-Zertifikat) plus Nachweis des Fachsprachentests „Patientenkommunikation“. Aufgrund der Initiative aus Baden-Württemberg hat die Gesundheitsministerkonferenz 2014 entsprechende einheitliche Eckpunkte zur Überprüfung der Sprachkenntnisse vereinbart.

    „Viele der Aufgaben lassen sich nur in fachlichen Netzwerken aus Experten und Institutionen bewältigen. Das LGA ist darin fachliche Leitstelle für den Öffentlichen Gesundheitsdienst in Baden-Württemberg in der Schnittstelle zwischen Gesundheitspolitik, Gesundheitsverwaltung und Gesundheitswissenschaften", so Regierungspräsident Schmalzl. „Mit Blick auf die Gesundheit der Gesamtbevölkerung leistet das LGA einen wichtigen Beitrag zum Standortfaktor Gesundheit in Baden-Württemberg. Denn Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsschutz gewinnen immer mehr an Bedeutung und ergänzen die individualmedizinische Versorgung."

    Der LGA-Jahresbericht 2014 kann im Internet unter www.gesundheitsamt-bw.de und auf der Seite des Regierungspräsidiums Stuttgart eingesehen werden.

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