Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Sie sind hier: RP Internet »Stuttgart »Pressemitteilung
Startwebsite des Internetauftritts des Regierungspräsidiums Stuttgart
  • Abteilung 8
    14.07.2015
    Mittelalterliche Bebauung auf dem Herbolzheimer Kirchberg
    Erste Ergebnisse der Ausgrabung des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in der Baugrube des Katholischen Gemeindezentrums wurden heute von Dr. Bertram Jenisch, Referent für Archäologie des Mittelalters, in Herbolzheim vorgestellt

    ​Dr. Bertram Jenisch, Referent für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, stellte heute in Herbolzheim gemeinsam mit Pfarrer Sr. Stefan Meisert von der Seelsorgeeinheit Herbolzheim-Rheinhausen die ersten Ergebnisse der archäologischen Ausgrabung auf dem Kirchberg vor.

    Im Bereich des von der katholischen Pfarrgemeinde St. Alexius in Herbolzheim geplanten Gemeindezentrums werden im Bereich des ehemaligen Friedhofs die Reste einer bislang unbekannten spätmittelalterlichen Bebauung seit dem 6. Juli 2015 im Rahmen einer baubegleitenden Rettungsgrabung untersucht.

    Im Bereich der nach 1752 angelegten Friedhoferweiterung kamen erwartungsgemäß zahlreiche Gräber zutage. Jenisch erläuterte die charakteristische spätmittelalterliche Bestattungssitte und ging auf einige der geborgenen Grabbeigaben ein. Anhand einiger anthropologisch untersuchter Schädelfragmente konnten aufschlussreiche Befunde zum Gesundheitszustand und zu den Lebensumständen der damaligen Menschen erhoben werden.
    Die eigentliche Überraschung der baubegleitenden Ausgrabung ist der Nachweis eines großen, bislang unbekannten Gebäudes. Seine 80 cm breiten Fundamente wurden auf einer Länge von 11 m erfasst. Bei dem wohl im 14. Jahrhundert errichteten und beim Neubau der Kirche 1752 niedergelegten Gebäude handelt es sich vermutlich um einen Teil des Wittumhofs (Wirtschaftshof des Pfarrers). Unmittelbar nach der Vorstellung der Baustrukturen wurden die frisch geborgenen Funde erläutert.

    Jenisch betonte ausdrücklich, dass die Grabung des Landesamtes für Denkmalpflege in enger Kooperation und Abstimmung mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Alexius durchgeführt wird. Das kleine Grabungsteam des Freiburger Dienstsitzes wird von mehreren ehrenamtlichen Mitarbeitern und zwei Bauarbeitern tatkräftig unterstützt.

    Hintergrundinformation:

    Der Herbolzheimer Kirchberg ist einer beiden alten Siedlungskerne von Herbolzheim. Das Gebiet zwischen der Abdachung des Herbolzheimer Bergs und der Landstraße war seit dem 13. Jahrhundert von einer massiven, ca. 10 m hohen Wehrmauer umgeben. Diese hat sich in der Rückwand der Gebäude am Südrand des Kirchbergs erhalten. In dem südlich vorgelagerten Geländestreifen zeichnet sich der im Tennenbacher Güerbuch genannte Kirchgraben ab. In einem Güterverzeichnis wird am 31.1.1287 das „Tor des kilchhofs“ erwähnt. Diese Kirchenburg war ursprünglich im Besitz des Straßburger Bischofs.

    Bereits beim Neubau der heute bestehenden St-Alexius-Kirche stieß man 1752 bei Planierarbeiten östlich der alten Kirche (unter dem heutigen Chor der Kirche) auf älteres Mauerwerk. Nach einer Beschreibung (durch den damaligen Pfarrer Machleid?) lagen die Fundamente dicht unter der Geländeoberfläche. Die Mauern wurden einer untergegangenen Niederlassung des Templerordens zugeschrieben. Für diese gibt es in den Archivalien jedoch keinen Beleg. Es handelt sich wohl eher um die baulichen Überreste des abgegangenen Wittumshofs. Die Abspaltung vom Herrenhof diente zur Versorgung des Pfarrers. Er wird im frühen 14. Jh. im Tennenbacher Güterbuch genannt.

    Bei der umfassenden Renovierung der Alexiuskirche im Jahr 1964 erfasste man beim Einbau einer Heizanlage im Langhaus auf die Fundamentreste der 1752 niedergelegten Vorgängerkirche. Diese wurden nicht fachgerecht dokumentiert und eingemessen, jedoch als Skizze in den Bestandsplan eingetragen. Demnach war die Mittelachse der alte Kirche abweichend vom heutigen Bau um etwa 10° nach Süden gedreht. Die Rechteckkirche mit eingezogener halbrunder Apsis war etwa 14 m breit und 25 m lang und damit etwa 1/3 kleiner als der heutige Kirchenbau.

    Kirchberghock unter dem Leitwort „Alexius schafft Zukunft“ am 19.07.2015, anlässlich des Patroziniums St. Alexius.

    Beginn ist um 10.30 Uhr mit dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, der vom Kirchenchor unter der Leitung von Martina Petzold mit gestaltet wird.

    Nach dem Gottesdienst ist ein Stehempfang auf dem Kirchberg und es besteht die Möglichkeit, unter der fachkundigen Führung von Dr. Bertram Jenisch die archäologischen Befunde auf dem Platz des zukünftigen Gemeindesaales anzuschauen. Mit der Sanierung des bisherigen Gemeindehauses und dem Bau des neuen Gemeindesaales „schafft Alexius Zukunft“.

    14:30-18:00 Uhr, Bewirtung auf dem Kirchberg

    Informationen zum Stand der Bauarbeiten des neuen Gemeindezentrums:

    14:30  und 15:30 Uhr
    Kurzvorstellung des Projekts
    (Sirka Eggers, Architekturbüro K9, Freiburg)

    danach Rundgang in zwei Gruppen

    1. Baufortschritt im ehemaligen Schulhaus (Sirka Eggers, Architekturbüro K9, Freiburg)
    2. Informationen zum Stand der Archäologischen Ausgrabung (Dr. Bertram Jenisch, Landesamt für Denkmalpflege). Fundamente und Bestattungen werden erläutert und erste Funde präsentiert.

​​Pressestelle

Ruppmannstr. 21
70565 Stuttgart
Telefon 0711 904-10002
Telefax 0711 7846940


Katja Lumpp
Pressesprecherin
EMail pressestelle@rps.bwl.de

Matthias Kreuzinger

Pressereferent
EMail pressestelle@
rps.bwl.de

Désirée Bodesheim
Pressereferentin
EMail pressestelle@rps.bwl.de