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  • Abteilung 8
    31.07.2015
    Archäologische Bodenuntersuchungen im Mittleren Schlossgarten - Grabfund sowie weitere römische und germanische Siedlungsspuren
    Für die weitere gute Zusammenarbeit stehen die Archäologen des Regierungspräsidium Stuttgart und die Deutsche Bahn in engem Austausch
    Seit nun fast einem Jahr begleiten Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart den laufenden Erdaushub zur Herstellung der Baugruben für den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Bereits im Spätsommer und Herbst 2014 waren hier in verschiedenen Baufeldern archäologische Funde der Römer- und Völkerwanderungszeit sowie der Renaissance gemacht worden (Wir haben berichtet). Weitere Teile der damals erkannten Bodenzeugnisse liegen noch in den Baufeldern, die erst in den kommenden Jahren geöffnet werden können und dann bauvorgreifend archäologisch untersucht werden sollen. Die hierzu notwendigen umfangreichen Rettungsgrabungen werden vorrausichtlich im Frühjahr 2016 beginnen.

    Momentan begleiten die Archäologen die laufenden Erdarbeiten am Düker Cannstatter Straße. Im Bauabschnitt 16 liegt der bestehende Abwasserkanal dem neuen Hauptbahnhof im Weg, weshalb dessen Verlauf unter die Bahnsteighalle verlegt werden muss. Im Norden des Baufeldes im Bereich des Düker-Unterhauptes stießen die Archäologen des Regierungspräsidiums Stuttgart in den vergangenen Tagen auf weitere Zeugnisse der Römerzeit aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus sowie auf germanische Siedlungsspuren aus der Mitte des 4. Jahrhunderts ¬– darunter Keramikscherben, Holzreste aber auch eine Gewandschließe aus Bronze. Wie schon 2014 lagen die Funde verstreut in einer Torfschicht, die einen Nebenarm oder zumindest Hochwasserbereich des damaligen Nesenbachs anzeigen dürfte. Dank der neuerlichen Untersuchungen ließ sich nun die östliche Grenze der Fundstreuung lokalisieren und damit die Ausdehnung der frühgeschichtlichen Siedelstelle abgrenzen.

    Im Süden des Baufeldes im Bereich des Düker-Oberhauptes fanden sich in einer Tiefe von etwa vier Metern unter der heutigen Oberfläche drei Skelettgräber. Die To-ten waren auf der Seite liegend mit angewinkelten Armen und Beinen beigesetzt worden. Beigaben oder sonstige Funde, die das Alter dieser isolierten Bestattung anzeigen, fanden sich nicht. Derartige, sogenannte „Hockergräber“ sind typisch für die ausgehende Jungsteinzeit ab ca. 5.500 vor Christus und blieben bis in die Frühe Bronzezeit ca. 2000 vor Christus die häufigste Bestattungsform in Süddeutschland. Derzeit werden die Knochen in der Konstanzer Arbeitsstelle des Landesamtes für Denkmalpflege naturwissenschaftlich, insbesondere anthropologisch untersucht. Die Ergebnisse werden in einer weiteren Mitteilung veröffentlicht.

    Für eine reibungslose Durchführung der weiteren archäologischen Rettungsgrabungen insbesondere in den Baufelder 15 und 18 ohne Beeinträchtigung der dort anstehenden Bauarbeiten, werden das Land und Deutsche Bahn eine Vereinbarung abschließen. Ein entsprechender Vertragsentwurf wird derzeit vorbereitet.

    Germanische Bügelfibel (Gewandschließe) aus Bronze (Foto: LAD im RPS, Y. Mühleis)
     Germanische Bügelfibel (Gewandschließe) aus Bronze (Foto: LAD im RPS, Y. Mühleis)

    Fundstelle (im Vordergrund) der Hockergräber (Foto: LAD im RPS, S. Papadopoulos)
    Fundstelle (im Vordergrund) der Hockergräber (Foto: LAD im RPS, S. Papadopoulos)

    Detailfoto eines Skelettfundes (Foto: LAD im RPS, S. Papadopoulos)
    Detailfoto eines Skelettfundes (Foto: LAD im RPS, S. Papadopoulos)

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