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  • Abteilung 5
    02.09.2015
    Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart wird wieder von Schafen beweidet
    Da die Pflege allein durch Mahd nicht bewerkstelligt werden kann, ist eine Schafbeweidung dringend notwendig
     Schafe im Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart

    Der von Wohngebieten und Straßen umgebene Eichenhain am Rand der Stadtteile Sillenbuch und Riedenberg wäre heute wahrscheinlich überbaut, hätte ihn das Regierungspräsidium Stuttgart nicht 1958 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und 1994 die Naturschutz-Verordnung neu gefasst. Unter Schutz steht hier ein ehemaliger Weidewald mit Halbtrockenrasen und charakteristischer Pflanzen- und Tierwelt. Da die Pflege allein durch Mahd nicht bewerkstelligt werden kann, ist eine Schafbeweidung dringend notwendig. Nach mehreren Jahren Unterbrechung hat das Regierungspräsidium Stuttgart wieder eine Schäferin mit ihren Tieren für diese Aufgabe gewinnen können. Ein Glücksfall, den auch die Stadt Stuttgart als Grundstückseigentümerin sehr begrüßt.

    Es ist heutzutage nicht mehr leicht, zuverlässige Schäferinnen und Schäfer zu gewinnen, da der Beruf eine hohe Arbeitsbelastung bei eher geringen Verdienstaussichten mit sich bringt. Teile des Eichenhains sind bereits so mit Gehölz und Brombeeren verwachsen, dass insbesondere in der Anfangszeit der Wiederbeweidung stark erhöhter Aufwand für die Schäfer bzw. die Schäferin entsteht.

    Nicole von Kopp Ostrowski lässt ihre beiden Schafherden an verschiedenen Stellen in dem mehr als zwei Kilometer langen Eichenhain weiden. Seltene und gefährdete Schafrassen wie das Romanov-Schaf sind darunter und auch einige Ziegen, da vor allem die Ziegen die vielen aufkommenden Gehölze abknabbern. Das ist für die Offenhaltung der Halbtrockenrasen ideal, sind sich das Regierungspräsidium Stuttgart als höhere und die Stadt Stuttgart als untere Naturschutzbehörde einig.

    Da die Schäferin die Herden täglich kontrollieren und mit Wasser versorgen muss, sind sie und ihre Mitarbeiter berechtigt, die Wege mit Fahrzeugen des Naturschutzgebietes zu befahren. Was im Naturschutzgebiet Eichenhain außerdem erlaubt und was aus welchen Gründen untersagt ist, steht auf den Informationstafeln an den Zugängen zum Naturschutzgebiet.  

    In den vergangenen Wochen kam es vor, dass die Schäferin von mehreren Besuchern wüst angegangen wurde. In einigen Fällen wurde sie nicht nur verbal, sondern auch körperlich bedroht, als sie auf ihrem Moped zu ihren Tieren unterwegs war, um diese mit Wasser zu versorgen. Ein Angriff führte gar zum Sturz der Schäferin von ihrem Fahrzeug. Das Regierungspräsidium Stuttgart und die Stadt Stuttgart verurteilen die Angriffe auf die Schäferin zu tiefst. Beide Behörden sichern  Nicole von Kopp Ostrowski ihre volle Unterstützung zu. Sie soll den Eichenhain mit ihren Herden beweiden können, mobile Zäune aufbauen und die Tiere mit Wasser versorgen können.  Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Stadt unterstützt die Schäferin mit Informationsschildern zur Notwendigkeit der Beweidung, die an vielen Stellen an die Bäume und die Weidezäune gehängt wurden. Zudem ist der Vollzugsdienst der Stadt und das Polizeirevier 4 über die Vorfälle informiert und hat Unterstützung durch den Streifendienst im Eichenhain zugesagt.  

    Vielen Besuchern ist im ersten Moment nicht verständlich, weshalb Schafe im Eichenhain weiden dürfen, Hunde jedoch an der kurzen Leine geführt werden müssen. Das Regierungspräsidium erklärt: Die Schafe fressen das Gras ab und vertilgen dabei die Pflanzen mit den Nährstoffen vor Ort. Hunde tragen dagegen mit ihrem Kot neue zusätzliche Nährstoffe ins Gebiet hinein. Gerade die Nährstoffarmut sei aber charakteristisch für einen Weidewald und die Halbtrockenrasen. Pflanzenarten wie Majoran, Golddistel und Heidekraut gedeihen auf nährstoffarmen Böden. Ohne die Schafe würden sich die Magerwiesen immer mehr zu so genannten Fettwiesen entwickeln. Sie würden die Halbtrockenrasen mit ihrer seltenen Pflanzenwelt verdrängen. Der Kot der Schafe kann dem Rasen nichts anhaben, er besteht aus der verdauten Nahrung aus dem Naturschutzgebiet.

    Ein weiteres Missverständnis will das Regierungspräsidium ebenfalls ausräumen: Gehölze müssen von Zeit zu Zeit ausgelichtet, Bäume gefällt werden. Das ist im Sinn des Naturschutzes, weil das Gebiet sonst zuwächst und zu Wald wird. Weil die Beweidung in den letzten Jahren nicht ausreichend war, müssen im kommenden Winter verstärkt Gehölze entnommen werden, kündigt die Behörde an.

    Bürgerinnen und Bürger haben ein berechtigtes Interesse, die letzten naturnahen Fleckchen zur Erholung zu nutzen. Der Eichenhain steht daher Besuchern offen. Allerdings bitten das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart darum, dass die auf den Infotafeln an den Zugängen zum Naturschutzgebiet notierten Hinweise beachtet werden. Im Hinblick auf die aktuelle Beweidung ist vor allem das Leinengebot für Hunde wichtig, um die Schafherden, in der auch kleine Lämmer sind, nicht zu gefährden. Und selbstverständlich sollte Hundekot aufgesammelt und an den eigens dafür aufgestellten Sammelstellen entsorgt werden.

    Das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart bedanken sich bei den Bürgerinnen und Bürgern für das Verständnis.


    Naturschutzgebiet Eichenhain

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