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  • Abteilung 5
    24.10.2015
    Landschaftspflegeeinsatz am Kappelberg bei Fellbach
    Regierungspräsident Johannes Schmalzl dankt Rotary Club und Naturschutzbund für beständige Partnerschaft und Patenschaft beim 111-Arten-Korb

    Heute fand zum dritten Mal die Naturschutz-Pflegeaktion des Rotary Clubs Stuttgart-Remstal zusammen mit dem Naturschutzbund (NABU), Ortsgruppe Fellbach am Kappelberg statt. Mitglieder beider Vereine legten Hand an, um die einzigartige Landschaft am „Vorderen Kappelberg“ offen zu halten. Hauptgrund des Einsatzes: Der Rotary Club und die NABU-Gruppe Fellbach haben eine gemeinsame Patenschaft im Rahmen des 111-Arten-Korbs für die Schlingnatter übernommen. Diese seltene Schlange kommt im Heidestreifen des Kappelbergs vor, während ihre Lebensräume andernorts immer mehr zurückgehen.

    Regierungspräsident Johannes Schmalzl lobte das ungebrochene Interesse der Teilnehmenden am Pflegeeinsatz: „Die Natur braucht starke, beständige Partner. Durch Ihre Patenschaft zeigen Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen und kontinuierlich solche Pflegemaßnahmen durchführen. Ihr vorbildliches Engagement motiviert hoffentlich auch viele andere, sich für die Erhaltung von Natur und Landschaft einzusetzen.“

    Die Schlingnatter ist auf trocken-warme Lebensräume angewiesen. Zum Überleben braucht sie sonnenexponierte Standorte mit etwas Bewuchs, Trockenmauern und reichlich Futtertieren wie Mäuse, Eidechsen oder Blindschleichen. Dabei lebt sie recht scheu und versteckt sich schon bei der kleinsten Störung. Ein solch reichhaltiger Lebensraum ist auch am Kappelberg nicht selbstverständlich und muss gepflegt, das heißt in erster Linie offengehalten werden. „Kappelberg und Schlingnatter sind bei Ihnen in guten Händen!“, stellte Schmalzl vor Ort fest.

    Ohne regelmäßige Pflegemaßnahmen würde sich auf dem Heidestreifen in kurzer Zeit Gebüsch ausbreiten und langsam aber sicher würde Wald aufkommen. Den auf Wärme und Licht angewiesenen Tieren und Pflanzen würde damit die Lebensgrundlage entzogen, der Artenreichtum rapide zurückgehen. Und nicht zuletzt würden auch die herrlichen Aussichtspunkte, die einen Blick über das Neckartal und die Filderebene bis zur Schwäbischen Alb erlauben, zuwachsen.

    „Uns war es wichtig ein Zeichen zu setzen und Verantwortung zu übernehmen“, so der Vorsitzende des Rotary Clubs Michael-Jörg Oesterle. „Kappelberg und 111-Artenkorb waren der ideale Einstieg. Gemeinsam mit dem NABU können wir hier auch an einem Tag viel bewegen“. In der Mittagspause genießen alle bei Vesper die Aussicht und den herbstlichen Duft der Heide. Nicht wenige beschließen, auch im Frühjahr und Sommer vorbei zu schauen. Vielleicht lässt sich dann das scheue Patenkind einmal blicken. 

    Hintergrundinformation zur Schlingnatter vom Server der LUBWDer wissenschaftliche Name der Schlingnatter Coronella („Krönchen“) austriaca weist auf das zacken- bis kronenförmige Muster am Hinterkopf und Hals hin. Häufig schließen sich daran zwei Längsstreifen an, die in ein Fleckenmuster übergehen: Die Verwechslung mit einer Kreuzotter ist dann vorprogrammiert. Und damit auch die Angst, von dieser vermeintlich gefährlichen Schlange gebissen zu werden. Als Natter ist sie aber nicht giftig. Nach dem Motto „Schau mir in die Augen, Kleines“ ist sie leicht von der Kreuzotter zu unterscheiden: Die runden Pupillen weisen sie eindeutig als Natter aus, die Kreuzotter hat eine senkrecht stehende Schlitzpupille.

    Weitere Informationen finden Sie im Artensteckbrief des „Aktionsplans Biologische Vielfalt“:

    http://www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/67646/

    Zusatzinformation zum 111-Arten-Korb des LandesDie Landesregierung von Baden-Württemberg hat im Jahr 2008 den „Aktionsplan Biologische Vielfalt“ ins Leben gerufen. Ein zentraler Baustein ist der „111-Arten-Korb“. In dem bildhaften Korb liegen 111 ausgewählte Tier- und Pflanzenarten, für die Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt. Sie stehen als Vertreter für zahlreiche weitere gefährdete Arten und ihre Lebensräume. Für diese 111 Arten werden engagierte Projektpartner und Paten aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen gesucht, um mit zahlreichen Aktionen die Lebensbedingungen dieser Arten vor Ort nachhaltig zu verbessern. Weitere Informationen zum Aktionsplan Biologische Vielfalt sind unter www.aktionsplan-biologische-vielfalt.de abrufbar.

    Kappelberg
    Während der „Hintere Kappelberg“ seit 1978 Naturschutzgebiet ist und von der Fellbacher Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins gepflegt wird, ist der „Vordere Kappelberg“ noch kein Naturschutzgebiet, aber durchaus schutzwürdig. Entlang der Hangkante zieht sich am „Vorderen Kappelberg“ zwischen Wald und Weinbergen ein waldfreier Streifen, der einst die Beschattung der Weinberge verhinderte und als Entnahmestelle für Keupermergel diente, den man als mineralischen Dünger in den Weinbergen verwendete. Auf dieser Grundlage konnte sich ein Heidestreifen, der als „Allmendland“ nie gedüngt und mehrfach im Jahr kleinflächig gemäht wurde, mit einer unglaublichen Artenvielfalt entwickeln. Die ausgesprochen mageren Bodenverhältnisse brachten eine besonders vielfältige Pflanzengemeinschaft mit Heidekraut, Johanniskraut, Ginster, Enzianen und Orchideen hervor. Auch die Tierwelt beeindruckt: Zauneidechsen, Schmetterlinge und viele andere Insektenarten finden hier Lebensraum. Auch zahlreiche Vogelarten wie der Baumpieper suchen diese Übergangszone zwischen Wald und Weinbergen zur Nahrungssuche auf.

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