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  • Abteilung 5
    21.01.2015
    Regierungspräsidium weist neues Naturschutzgebiet „Brachenleite bei Tauberbischofsheim“ im Main-Tauber-Kreis aus
    Regierungspräsident Johannes Schmalzl: „Ein ehemaliger Standortübungsplatz hat dem neuen Naturschutzgebiet den Weg gebahnt“

    Das Regierungspräsidium hat in diesen Tagen als höhere Naturschutzbehörde das rund  64,4 Hektar große Naturschutzgebiet „Brachenleite bei Tauberbischofsheim“ ausgewiesen. Regierungspräsident Johannes Schmalzl erklärte: „Nicht zuletzt aufgrund der naturräumlichen Lage ist der ehemalige Standortübungsplatz östlich von Tauberbischofsheim mit seinen wertvollen Lebensräumen für viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten ein letztes Rückzugsgebiet innerhalb landwirtschaftlich stark genutzter Bereiche.“ Der Regierungspräsident betonte zudem: „Wir setzen auch weiterhin alles daran, dem Flächenverbrauch und dem Artensterben wirksam zu begegnen. Eine sehr wirksame Form des Schutzes für vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere ist das Ausweisen von Naturschutzgebieten.“ Die Schutzgebietsverordnung wird demnächst im Gesetzblatt verkündet und tritt nach der zweiwöchigen Auslegungsfrist in Kraft.

    Dementsprechend ist das Gebiet sehr artenreich: Es konnten insgesamt über 800 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden, wovon einige in den Roten Listen bzw. in Vorwarnlisten aufgeführt sind.  Besonders hervorzuheben ist der große Bestand des Kreuzenzians mit rund 900 Stöcken. Auf dieser landesweit sehr selten gewordenen Art ist die ebenfalls stark gefährdete und streng geschützte Schmetterlingsart Kreuzenzian-Ameisenbläuling existentiell angewiesen. „Dem ehemaligen Truppenübungsplatz kommt dabei wegen seiner noch großflächig vorhandenen Trockenrasengesellschaften eine überragende Bedeutung als Reproduktionsfläche für diese und viele weitere Schmetterlingsarten zu“, so Schmalzl.

    Der Verzicht auf Spritzmittel und Kunstdünger über viele Jahrzehnte in Verbindung mit einer die Natur schonenden traditionellen Schafbeweidung waren optimale Bedingungen für die einzigartige Entwicklung der Lebensräume in diesem Gebiet. So haben sich auf vormals ackerbaulich genutzten Flächen hochwertvolle Magerstandorte entwickelt.  Um diese offene Landschaft mit all diesen Pflanzengesellschaften zu erhalten, soll die praktizierte Beweidung mit Schafen beibehalten werden.

    Der Regierungspräsident weist noch darauf hin: „Zum Erhalt dieser wunderschönen Landschaft enthält die Naturschutzgebietsverordnung Regeln, die besonders zu beachten sind. Zum Beispiel darf das Gebiet nur auf den ausgewiesenen Wegen betreten werden, auch das Fahren mit Fahrrädern und das Reiten ist hier erlaubt. Es ist u.a. nicht gestattet, Pflanzen zu entnehmen und zu zerstören, Tiere zu fangen, zu zelten sowie zu grillen und - was selbstverständlich sein sollte - Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen.“

    Als höhere Naturschutzbehörde ist das Regierungspräsidium Stuttgart dafür zuständig, Naturschutzgebiete auszuweisen und damit Lebensräume seltener Pflanzen und Tiere zu erhalten. Mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Brachenleite bei Tauberbischofsheim“ gibt es im Regierungsbezirk Stuttgart nunmehr 257 Naturschutzgebiete.

    Hintergrundinformation:

    Kreuzenzian und Kreuzenzian-Ameisenbläuling

    Da die Blattpaare, der Blütensaum, Stängel- und Wurzelmark kreuzförmig angeordnet sind, wurde der Kreuzenzian im Mittelalter als Erlösungssymbol gedeutet und war dementsprechend begehrt. Manch fromme Sage rankt sich um ihn. Sagenhaft wichtig ist er in jedem Fall für den vom Aussterben bedrohten Kreuzenzian-Ameisenbläuling.

    Die besonders große Bestandsdichte des Kreuzenzians auf der Gesamtfläche des ehemaligen Standortübungsplatzes Tauberbischofsheim ist außerhalb der Schwäbischen Alb das größte Vorkommen dieser gefährdeten Pflanzenart in Baden-Württemberg

    Der Kreuz-Enzian wächst 20 bis 30 cm hoch und trägt im Hochsommer blaue Blüten.

    Noch blauer als die Pflanze selbst ist die Oberseite des Kreuzenzian-Ameisenbläulings.

    Dieser Tagfalter zählt zu den am stärksten gefährdeten Arten Europas und ist deshalb nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

    In seinem Lebensraum müssen sowohl die Wirtspflanze – der Kreuzenzian – als auch seine spezifischen Wirtsameisen vorkommen. Die Eier des Ameisen-Bläulings finden sich dabei auf den Blättern des Kreuz-Enzians.

    Es versteht sich von selbst, dass der hochgradig gefährdete Falter nur dort leben kann, wo es auch Kreuzenzian und Wirtsameise gibt: trockenwarme Magerrasen, am liebsten mit Horn- oder Hufeisenklee als Nektarquelle. Empfindlich reagiert der Ameisen-Bläuling daher auf ein falsches Mahd- oder Beweidungsmanagement.

    Im Naturschutzgebiet „Brachenleite bei Tauberbischofsheim“ sind diese sehr speziellen Voraussetzungen für den Kreuzenzian-Bläuling in hohem Maße gegeben.

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