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  • Abteilung 1
    18.11.2015
    Regierungspräsident Johannes Schmalzl präsentiert neues Munitionstransportfahrzeug und die Jahresbilanz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes im Regierungspräsidium Stuttgart
    In diesem Jahr wurden bislang 20 Bomben mit mindestens 50 Kilogramm entschärft und mehr als 97.800 Kilogramm Munition aufgefunden

    ​Beim heutigen Pressetermin stellte Regierungspräsident Johannes Schmalzl die Jahresbilanz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg (KMBD) vor: „Auch in diesem Jahr hat der KMBD, der zum Regierungspräsidium Stuttgart gehört, bis Ende Oktober landesweit  83.640 Kilogramm Munition vernichtet. 778-mal sind in diesem Jahr Munitionsfunde gemeldet worden. 1586 Anträge von Bauherren, Baufirmen, Ingenieurbüros und Kommunen gingen bei der Luftbildauswertung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes  ein. Im Zusammenhang mit der guten konjunkturellen Entwicklung und den damit einhergehenden Planungen von Baumaßnahmen hat der KMBD in diesem Jahr eine Fläche von rund 217.900 Quadratmetern ¬– das entspricht etwa 20 Fußballfeldern ¬ – abgesucht, um eine Bebauung zu ermöglichen.“ Die Munition bestand unter anderem aus 20 gefundenen, nicht detonierten Bomben mit mindestens 50 Kilogramm Gesamtgewicht (2010: 13; 2011: 20; 2012: 17; 2013: 19; 2014: 25). Entschärft wurden 2 Sprengbomben mit mindestens 125 Kilogramm, 10 mit mindestens 250 Kilogramm, 7 mit einem Gewicht von mindestens 500 Kilogramm und 1 mit einem Gewicht von 1000 Kilogramm. Die jeweilige Explosivkraft dieser Blindgänger liegt bei etwa der Hälfte des Gesamtgewichts.

    Regierungspräsident Schmalzl ergänzte: „Diese Zahlen belegen eindrücklich, wie präsent die Erblasten der Kriege weiterhin sind. Ich habe höchsten Respekt und Hochachtung vor der lebensgefährlichen Arbeit der Mitarbeiter des KMBD, die brandgefährliche  Altlasten der Weltkriege bergen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur konjunkturellen Entwicklung des Landes, da ohne die Aufräumarbeiten meiner Mitarbeiter eine Bebauung von munitionsbelastetem Gelände durch Gewerbe und Industrie nicht möglich wäre.“

    Neben der Entschärfung von Bomben und der Vernichtung der Kriegsmunition kümmert sich der KMBD auch um die Vernichtung abgegebener Waffen. Seit dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen im Jahr 2009 hat sich das Aufkommen der zu vernichtenden Waffen massiv erhöht.

    Allein im Rekordjahr 2009 wurden durch den KMBD rund 92 Tonnen landesweit zurückgegebene Waffen und Gegenstände nach dem Waffengesetz vernichtet (im Vergleich hierzu 2007: 11 Tonnen, 2008: 18 Tonnen). Dies entspricht einer Stückzahl von ca. 55.000. Die Vernichtung wurde seitdem auf hohem Niveau fortgeführt: 2010 wurden insgesamt knapp 90 Tonnen (rund 54.000 Stück) vernichtet, 2011 waren es 35 Tonnen (rund 21.000 Stück), 2012 insgesamt 24,6 Tonnen (rund 15.000 Stück), 2013 knapp 32 Tonnen (rund 19.000 Stück) und 2014 waren es 21 Tonnen (rund 12.600 Stück). In diesem Jahr sind es nach heutigem Stand ca. 20 Tonnen (rund 12.000 Stück). Im Ergebnis wurden seit März 2009 bis heute landesweit rund 188.800 Waffen und Gegenstände nach dem Waffengesetz zurückgegeben und vernichtet, was einen Rückgang von etwa 21 Prozent der Anfang 2009 noch rund 900.000 im Land registrierten Waffen entspricht. Hinzukommt seit 2009 die Vernichtung von etwa 70.000 Kilogramm Jagd- und Sportmunition.

    Regierungspräsident Schmalzl ermutigte: „Die Reduzierung des Waffenbestandes in Baden-Württemberg ist mir weiterhin ein persönliches Anliegen. Auch nach zwischenzeitlich rund 188.800 zurückgegebenen und vernichteten Waffen und Gegenständen nach dem Waffengesetz bleibt der Aufruf zur freiwilligen Rückgabe von Waffen genau so aktuell wie die Durchführung konsequenter Kontrollen durch die Waffenbehörden. Jede vernichtete Waffen kann Menschenleben retten!“

    Im Anschluss an die Bilanz präsentierten die Kampfmittelräumer noch ihre neueste Errungenschaft: den neuen Munitionstransport-LKW der Marke Mercedes-Benz Actros erwerben. „Dieser wird für Munitionstransporte zu thermischen Vernichtungsanlagen und für größere Transporte von Räumstellen und Baustellen im Land Baden Württemberg benötigt“, erklärte Ralf Vendel, Leiter des KMBD. Der LKW habe ein zulässiges Gesamtgewicht von 26 Tonnen, eine Motorleistung von 315 kW (ca. 428 PS) und entspreche der neuesten Euro 6-Norm. Als Munitionstransportfahrzeug wurde der LKW nach ADR/GGVSEB als EX/III umgebaut.

    Regierungspräsident Johannes Schmalzl dankte für die Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel und führte aus: „Auch wenn die Weltkriege zwischenzeitlich Jahrzehnte zurückliegen, wird der KMBD tagtäglich mit den Hinterlassenschaften aus dieser Zeit konfrontiert. Es freut mich, dass es uns gelungen ist, ein modernes Transportfahrzeug zu erwerben, mit dem das nach wie vor hohe Munitionsaufkommen im Land sicher transportiert werden kann. Von großer Relevanz ist für mich die Einhaltung der Euro 6-Norm durch dieses Fahrzeug, was belegt, dass auch bei Fahrzeugen dieser Größenordnung ein Mindestmaß an Umweltfreundlichkeit gegeben seien kann.“

    Hintergrundinformation:

    Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Munition der verschiedensten Kaliber, Patronen, Granaten und Panzerfäuste in aller Eile vor dem Zugriff der nachrückenden alliierten Truppen beseitigt. Die Munition wurde in Depots oder auf Sammelplätzen – vielfach nur lose aufgehäuft – gesprengt, in Bombentrichtern vergraben, auf dem Grund von Gewässern versenkt oder einfach planlos weggeworfen. Bei Sprengversuchen war dabei der größte Teil der gefährlichen Munition ohne zu detonieren in weitem Umkreis um die Sprengstelle verstreut oder im Sprengtrichter von der Druckwelle in die Erde gepresst worden.

    Hinzukommen Bomben, die über den Industriezentren Baden-Württembergs wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Heilbronn, Friedrichshafen und Ulm abgeworfen wurden, aber nicht detoniert sind.

    All diese Kampfmittel stellten – und stellen bis heute – eine erhebliche Gefährdung für die Bevölkerung dar. Wann immer Blindgänger gemeldet  werden oder Bauvorhaben auf Geländen anstehen, die über die Luftbildauswertung als besonders gefährdet für diese Altlast gelten, kommt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) zum Einsatz.

    Die Kampfmittelbeseitigung ist eine landesweite Aufgabe des Regierungspräsidiums Stuttgart. Das dortige Referat 16 ist zuständig für alle Regierungsbezirke in Baden-Württemberg. Zurzeit sind 31 Mitarbeiter beim KMBD beschäftigt ¬– darunter sieben Feuerwerker, vier Munitionsvorarbeiter, zehn Munitionsfacharbeiter und sechs Luftbildauswerter. Die Leitung hat Ralf Vendel inne.

    Leider blieben die Sprengkommandos von schweren Unfällen mit Munition nicht verschont. So wurden seit Kriegsende bei den oftmals lebensgefährlichen Arbeiten 13 Mitarbeiter tödlich verletzt. Für das Jahr 2015 sind keine Unfälle beim KMBD zu verzeichnen.

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