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  • Abteilung 8
    24.02.2016
    Archäologische Denkmalpflege - Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, übergab den neuen Band „Waldkirch“ aus der Reihe Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg

    Heute übergab Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, vor zahlreichen Gästen im Elztalmuseum der Stadt Waldkirch den neu erschienenen Archäologischen Stadtkataster „Waldkirch“ an Oberbürgermeister Roman Götzmann.

    Auf über 130 Textseiten mit 81 Abbildungen sowie auf fünf beigefügten farbigen Fachplänen fasst das Werk die bisherige archäologische und stadtgeschichtliche Forschung in all ihren Facetten zusammen und beschreibt auf dieser Grundlage die archäologisch relevanten Bereiche innerhalb der historischen Siedlungsquartiere von Waldkirch.

    Prof. Wolf fasste zusammen: „Damit steht jetzt ein Instrument zur Verfügung, das bei der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, projektierten Sanierungen von Stadtquartieren und auch bei individuellen Planungsvorhaben als qualifizierte Handreichung für denkmalbezogene Stellungnahmen dient“ und betonte, dass ein solcher Stadtkataster notwendige städtebauliche Veränderungen nicht blockieren wolle: „Er möchte vielmehr aufzeigen, welche Chancen es in einem tief im Mittelalter wurzelnden Siedlungsgefüge gibt, und unterstreicht die Bedeutung der jeweils einmaligen und Identität stiftenden Ensembles aus alter Bausubstanz und geschichtlicher Überlieferung im Boden, die es als historische Quellen zu lesen, zu verstehen und zu erhalten gilt.“

    Der Band „Waldkirch“ erscheint als Nr. 39 in der Schriftenreihe Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg, die vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart zusammen mit der jeweils bearbeiteten Stadt herausgegeben. Verfasst wurde der Band von Dr. Andreas Haasis-Berner unter Mitarbeit von Dr. Bertram Jenisch, beide Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart – Dienstsitz Freiburg.

    Dr. Haasis-Berner erinnerte bei der Vorstellung des Buches daran, dass bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste archäologische Beobachtungen gemacht wurden. Viele Informationen wurden seit 1940 von dem verdienten Heimatforscher Hermann Rambach, in den frühen 1990er Jahren von Dieter Mainardt (Tiefbauamt Waldkirch) und seit 1995 durch den Autor selbst zusammengetragen. Allein aus dem historischen Siedlungsbereich, der das Untersuchungsgebiet bildete, waren über 80 archäologische Fundstellen zu verzeichnen. Der Band enthält außerdem einen Katalog, der unter der Überschrift Historische Topographie fast 100 Objekte beschreibt und kartiert, die im Kontext der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Besiedlung in der Oberstadt rund um das ehemalige Reichskloster St. Margarethen und in der Altstadt neben den spätmittelalterlichen Befestigungswerken eine herrschaftliche, administrative, kirchliche oder wirtschaftliche Rolle gespielt haben.

    Das Kapitel Stadtbewertung unter archäologischen Gesichtspunkten stellt das Resümee der Untersuchung dar, indem es die archäologisch relevanten Bereiche für die künftige denkmalpflegerische Betreuung Waldkirchs charakterisiert; die einzelnen Flächen sind auf einem eigenen Plan deutlich gekennzeichnet. Trotz aller modernen Veränderungen hat Waldkirch noch großenteils seine im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit festgelegte Straßen- und Quartiersstruktur behalten, sodass auf den Grundstücken innerhalb der historischen Siedlungskerne von Stadt und Dorf insgesamt noch ein dichtes archäologisches Potenzial überliefert sein dürfte.

    Prof. Wolf und der Autor des Bandes sind überzeugt: Dieser Stadtkataster „dokumentiert die schon seit langem gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Archäologischen Denkmalpflege mit der Stadt Waldkirch.“ Diese Arbeit könne auf dem jetzt verbreiterten Fundament erfolgreich fortgesetzt werden, stets geleitet von dem Bemühen, den historischen Quellenwert der innerstädtischen Flächen zu würdigen und die sichtbaren wie auch die im Boden tradierten Geschichtsdokumente an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

    Und über seine Funktion als Instrument für Denkmalschutz und Stadtplanung hinaus dürfte dieser Band auch zu weiteren historischen Forschungen anregen. Zielgruppe des Archäologischen Stadtkatasters sind deshalb auch die stadt- und landesgeschichtliche Forschung und die an diesen Themen interessierte Öffentlichkeit.

    Der Archäologische Stadtkataster „Waldkirch“ wurde mit Mitteln der Stadt und des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart finanziert und vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg – Oberste Denkmalschutzbehörde gefördert.

    Flyer (pdf, 921 KB)

    Hintergrundinformationen:

    Waldkirch. Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg 39

    Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Verbindung mit der Stadt Waldkirch 2015. 134 Seiten, 81 Abbildungen, 5 Beilagen.

    ISBN 978-3-942227-23-0, 7,50 €. Zu beziehen über die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern.

    Im Stadtgebiet von Waldkirch gibt es älteste Einzelfunde seit dem frühen 1. Jahrtausend vor Christus. Auch in der Römerzeit war das Elztal und Waldkirch besiedelt, wie Siedlungsspuren aber auch mehrere Hortfunde (Münzen, Bronzegefäße) aus dem 2. und 3. Jahrhundert erkennen lassen. Nach dem Abzug der Römer klafft derzeit eine Siedlungslücke bis in das Frühmittelalter. Damals kam es zur Gründung von zwei Kirchen im Bereich der heutigen Petershöfe. Das vielleicht wichtigste Datum der Waldkircher Geschichte war die Gründung eines Benediktinerinnenklosters durch den Herzog Burkhart I. von Schwaben und seiner Frau Reginlind im Jahre 918. Dieses Kloster erhielt als Ausstattung das gesamt Elztal und etwas später weitere Güter rund um den Kaiserstuhl. 994 fiel das Kloster schließlich an das Deutsche Reich und wurde somit Reichskloster. Die Konzentration der Herrschaftsrechte in Waldkirch sollte die bestimmende Konstante für die nächsten Jahrhunderte werden. Denn auch die Vögte des Klosters ließen sich hier nieder, erbauten um 1100 die Schwarzenburg, um 1250 die Kastelburg und bestimmten über Jahrhunderte das Geschick der Talbewohner. Wichtig ist die Gründung der Stadt Waldkirch um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Sehr früh, schon Ende des 13. Jahrhunderts, wurde die Herrschaft Schwarzenberg Teil von Vorderösterreich, wodurch ein weiteres Herrschaftselement ins Tal kam. Wirtschaftlich ist die Stadt Waldkirch für das Edelsteingewerbe bekannt, das vom späten 15. bis frühen 19. Jahrhundert florierte und die Entwicklungen maßgeblich bestimmt hat. Das Frauenkloster wurde 1431 in ein Kanonikerstift umgewandelt, das bis 1806 bestanden hat. Ab 1732 wurde in der Oberstadt durch das Stift ein Bauprogramm umgesetzt, das zu einem einzigartigen, bis heute unversehrt erhaltenen barocken Ensemble mit St. Margarethenkirche und Kanonikerbauten führte. Nach der Auflösung des Alten Reiches am Beginn des 19. Jahrhunderts hat Waldkirch durch die Schaffung des Oberamts Waldkirch seine Funktion als administrativer Mittelpunkt erhalten. Ab 1858 erfolgte die Gründung zahlreicher, sehr erfolgreicher Textilfabriken. Diese Fabriken haben nicht nur baulich die bis dahin weitgehend erhaltene mittelalterliche Prägung verändert. Der neue Wohlstand äußert sich durch die Entstehung von zahlreichen Villen und Wohngebäuden rund um die mittelalterliche Stadt.

     

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