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  • Abteilung 2
    05.04.2016
    Regierungspräsident Johannes Schmalzl überreicht Bundesverdienstkreuz an Schwester Margret Ebe in der Franziskusstube in Stuttgart
    Schmalzl: „Anerkennung Ihrer langjährigen Verdienste in der Arbeit und Betreuung von benachteiligten Menschen, insbesondere Wohnungslosen und Jugendlichen“
     Regierungspräsident Johannes Schmalzl übergibt Bundesverdienstkreuz an Schwester Margret

    Gerne bin ich heute Morgen früh in die Franziskusstube hier in Stuttgart gekommen, um Ihnen, liebe Schwester Margret, in Anerkennung Ihrer langjährigen Verdienste in der Arbeit mit und der Betreuung von benachteiligten Menschen, insbesondere Wohnungslosen und Jugendlichen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen,“ sagte Regierungspräsident Johannes Schmalzl heute in Stuttgart, als er den Orden an Schwester Margret Ebe zu Beginn des täglichen Frühstücks in der Franziskusstube übergab. „Wir sind stolz auf Ihr jahrzehntelanges unermüdliches sozial-karitatives Engagement“, betonte Schmalzl. „Ihr Einsatz für die Benachteiligten auf den Straßen Stuttgarts strahlt weit über die Grenzen des Regierungsbezirks Stuttgart hinaus. Es ist mir ein ganz persönliches Anliegen und Ehre zugleich, Ihnen heute genau an der Stätte Ihres Wirkens im Auftrag von Herrn Ministerpräsidenten Kretschmann diese höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl aushändigen zu dürfen“, so Schmalzl.

    Darüber hinaus erläutert Regierungspräsident Johannes Schmalzl: „Schwester Margret entschloss sich nach einigen Jahren der Berufstätigkeit als Hauswirtschaftsmeisterin und Dorfhelferin im Jahr 1978 in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Sießen in Saulgau einzutreten. Hier kam sie als Pfortenschwester erstmals in Kontakt mit Obdachlosen. Nach einem Einführungspraktikum wurde sie 1987 nach Stuttgart in die Caritas Tagesstätte für Obdachlose in der Olgastraße entsandt. Seit mehr als 30 Jahren hat sie sich der Arbeit mit den Benachteiligten unserer Gesellschaft verschrieben. Ihre aktive Hilfe für Obdachlose, Jugendliche und Alkoholsüchtige gleichermaßen hat ihr den Titel „Mutter Theresa aus Stuttgart“ eingebracht. Ohne Berührungsängste setzt sie sich in vorderster Reihe für die Bedürftigen ein. Als Streetworkerin sucht sie gezielt den Kontakt zu Jugendlichen, um vor den Unbilligkeiten des Lebens zu warnen und aufzuklären.

    Die anfängliche Frühstücksstube hat sich zu einer Tageseinrichtung entwickelt, die mittlerweile von hauptamtlichen Sozialarbeitern geleitet wird. Da in der Tagesstätte der Andrang zu groß wurde, richtete sie die Franziskusstube in der Paulinenstraße als zusätzliche Teestube ein.

    Diese ist inzwischen ein offener Tagestreff und Zufluchtsort der Ausgegrenzten und Notleidenden dieser Stadt. Zusammen mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und unterstützt von Seelsorgern bietet sie hier soziale Hilfe, einen Ort der Begegnungen und der praktizierten Nächstenliebe. Ausschließlich spendenfinanziert wird in der Franziskusstube für etwa 30 Personen ein Frühstück ausgegeben. Diese haben die Möglichkeit, Wunden zu versorgen oder sich die Haare schneiden zu lassen. Sie verteilt Kleidung und hört den Sorgen und Nöten der Einzelnen zu. Aufgrund Ihrer guten Vernetzung gelingt es ihr, die Betroffenen in weitergehende Hilfen zu vermitteln.

    Prävention ist einer ihrer Leitgedanken. In der Franziskusstube bietet sie Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Sozialpraktika Gelegenheit, sich mit dem Thema Obdachlosigkeit und Armut auseinanderzusetzen. Ein Angebot, das auf reges Interesse stößt. Auch für drogenabhängige Prostituierte hat sie eine Teestube, den Treff Maria, zum Ausruhen und für Gespräche eingerichtet. Über den Kontakt mit den Drogenabhängigen entstand die Initiative für eine Methadon-Ausgabestelle. Immer wieder hat sie die politisch Verantwortlichen eingeladen, um die am Anfang (1990) vorhandenen ideologischen Sperren zu überwinden.

    Neben ihrer Tätigkeit in der Franziskusstube hat sie in den vergangenen Jahren mehr als 30 Hilfstransporte mit Kleidern, Fahrrädern, Krankenbetten usw. ins Baltikum und in die Ukraine organisiert, um Krankenhäusern, Schulen und arme Kinder aus Familien mit Suchtproblematik zu unterstützen. Ihr Ziel ist immer, vor Ort Hilfen aufzubauen und zu unterstützen.

    Mit einem Hilfstransport im Jahr 2013 hat sie nicht zuletzt auch die Problematik der sexuellen Ausbeutung aufgegriffen und mit einem provokativen Werbebanner auf dem Lastwagen auf dieses Problem aufmerksam gemacht.

    Aktuell hat sie sich des Themas des sogenannten Komatrinkens unter Jugendlichen angenommen. Zusammen mit Schulen leistet sie Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Die Ergebnisse einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Alkoholkonsum wurden z.B. im Fahrgastfernsehen der Stuttgarter Straßenbahnen gezeigt. Sie selbst ist immer wieder als Streetworkerin unterwegs, um direkt mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und deren Problembewusstsein zu schärfen. So hat man sie durchaus in voller Ordenstracht in Discos angetroffen, wo sie vor den Gefahren des Komatrinkens warnt. Auf Einladung von Schulleitern berichtet sie in Schulen immer wieder von ihren Erfahrungen mit Betroffenen sowie über die Ursachen und Folgen von Drogen- und Alkoholkonsum. Sie leistet damit wertvolle Präventionsarbeit.

    Ständig neue Herausforderungen ergeben sich durch gestrandete Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die auch hier in der Franziskusstube täglich anzutreffen sind. Dies nahm sie im Jahr 2013 zum Anlass, in diese Länder zu reisen, um die Probleme und Situationen vor Ort kennen zu lernen. Sie haben Kinderfeste und Spieleaktionen angeboten. Mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und einer Ärztin konnten Kinder kostenlos untersucht werden.

    Heute ist Schwester Margret im Hilfesystem der Stadt Stuttgart eine kompetente und gefragte Ansprechperson zum Thema Armut und Wohnungslosigkeit. Ihre Arbeit in Presse, Rundfunk und Fernsehen stößt auf reges Interesse. Für viele Menschen, Wohnsitzlose und Drogenabhängige, Prostituierte und Skinheads, ist sie das menschliche Gesicht der Stadt und eine hervorragende Repräsentantin Ihrer Kirche. 

    Ihr Engagement und Ihr Zeiteinsatz für all diese Personengruppen gehen weit über das normale Maß hinaus. Sie ist mit Ihrer Franziskusstube in Stuttgart eine Institution und ein wichtiger Baustein in der niederschwelligen Versorgung von Armen und Obdachlosen und setzt ein deutliches Zeichen christlicher Nächstenliebe.“

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