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  • Abteilung 8
    08.04.2016
    Archäologische Denkmalpflege - Experten des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart begleiten seit Mitte März den Neubau eines Büro- und Geschäftshauses im Zentrum der mittelalterlichen Stadt Freiburg
    Im Baufenster sind Siedlungsreste und Handwerksspuren der bis in das frühe 12. Jahrhundert zurückreichenden Vorgängersiedlung der mittelalterlichen Gründungsstadt zu erwarten
     Spätmittelalterliche Bebauung des Hofbereichs (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege)

    Durch den Neubau eines Büro- und Geschäftshauses im Zentrum der mittelalterlichen Stadt Freiburg werden derzeit baubegleitende archäologische Maßnahmen notwendig. Experten des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sind derzeit unter der Leitung von Archäologe Dr. Bertram Jenisch vor Ort, um wissenschaftlich relevante Funde zu dokumentieren.

    Schon an den beiden zuvor an der Stelle stehenden Gebäuden wurden im Vorfeld Bauforschungen mit bemerkenswerten Ergebnissen durchgeführt, erinnert Dr. Jenisch. „Mindestens eines der Gebäude hatte einen doppelgeschossigen Keller, der im 12. Jahrhundert entstanden ist.“ Dieser älteste nachgewiesene Baukörper werde aber durch die Baumaßnahme nicht angetastet.

    Im Baufenster sind archäologische Relikte der bis in das frühe 12. Jahrhundert zurückreichenden, mittelalterlichen Bebauung zu erwarten, so der Experte. In benachbarten Grabungen beobachtete man archäologische Schichten von über 2,5 Metern Mächtigkeit. „Das heißt, dass selbst unter den Kellerböden noch Siedlungsreste und Handwerksspuren der Vorgängersiedlung der mittelalterlichen Gründungsstadt erhalten sein können“, so Jenisch.

    „Obwohl die Grabung erst seit Mitte März läuft, konnten bereits interessante Siedlungsstrukturen dokumentiert werden. Im Hinterhofbereich der beiden Häuser zeichnen sich Fundamente spätmittelalterlicher Vorgängerbauten und Nebengebäude ab.“ Mehrfach sei der Hof aufplaniert und gepflastert worden. Unter den Auffüllschichten sei jetzt eine spätmittelalterliche Latrine zum Vorschein gekommen.

    Eindrucksvoll ist ferner die über eine Länge von rund 30 Metern erhaltene offene Wasserleitung eines „Freiburger Bächle“, das vom Dillengässle überbaut war. Dieses Stadtbachsystem wurde zwischen 1170 und 1180 angelegt. Aus dieser Zeit stammt der mit Lehm abgedichtete Unterbau der Wasserführung. Die freigelegte Sandsteinrinne wurde offenbar erst im 15./16. Jahrhundert neu angelegt.

    „Bei den Arbeiten in den verbleibenden eineinhalb Monaten sind weitere spannende Erkenntnisse zur Freiburger Stadtgeschichte zu erwarten“, ist Dr. Jenisch überzeugt. Bei einem Pressetermin zum Ende der Grabung soll die Öffentlichkeit umfassend informiert werden.


    Freiburger Bächle - Ausschnitt eines offenen Steingerinnes aus dem späten Mittelalter, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege

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