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Donausanierung zwischen Hundersingen und Binzwangen ein Projekt des Regierungspräsidium Tübingen und den Landkreisen Biberach und Sigmaringen
Panorama

Monitoring zur Erfolgskontrolle

Auf einer Länge von 2,7 km erhielt die Donau ein neues, naturnahes Flussbett. Mit einer Riegelrampe wurde der Fluss bei Binzwangen um 2,50 Meter auf die frühere Höhe angehoben. Mittels Geländeabtrag wurden Wasserwechselzonen geschaffen, die vom Hochwasser überformt werden. Die Talaue wird der natürlichen Sukzession und der morphologischen Selbstentwicklung überlassen. Die Donau kann sich daher wie früher dynamisch entwickeln. Neue Lebensräume entstehen für typische Arten der Flussaue: Biber, Flussregenpfeifer, Jungfische, Störche, Kiebitze, viele Pionierpflanzen und Pflanzen der naturnahen Aue.

Um diese natürlichen Veränderungen und auch den Erfolg des Projekts zu dokumentieren wurde im Jahr 2013 ein umfangreiches Monitoringprogramm begonnen, das zunächst bis zum Jahr 2016 durchgeführt wurde.

Sie können mit den nachfolgenden Links die Zusammenfassung sowie den Gesamtbericht mit einzelnen nach Jahr und Thema aufgelisteten Berichten als pdfs herunterladen.

Monitoring 2013 - 2016: Endbericht
Monitoring Zusammenfassung (pdf, 327 KB)

Hochwasser an der Donau

Grundwasser und Hochwasser

Anhand von Grundwassermessstellen wird die Entwicklung der Grundwasserstände untersucht. Pegelmessstellen geben Auskunft über die Wasserstände und damit den Abfluss der Donau. Die Häufigkeit und Ausmaße von Hochwasserereignissen können damit dokumentiert werden. Dies ist eine Möglichkeit die wiedererlangte gestaltende Dynamik der Donau zu erfassen und zu bewerten. Durch das Anheben der Gewässersohle wird das frühere Ausufern der Donau gefördert. Auentypische Lebensräume, gewässermorphologische Prozesse und verlorener Retentionsraum werden wieder reaktiviert.

Gewässerstruktur

Gewässerstruktur

Vor der Renaturierung wies die Donau in diesem Abschnitt große strukturelle Defizite auf und wurde als „sehr stark bis vollständig verändert“ eingestuft. Einenatürliche Donau wird hingegen durch große Tiefen- und Breitenvarianz mit Prall- und Gleitufern, Kolke und Kiesbänke ausgezeichnet. Durch Strömungs- und Substratdiversität bietet sie vielfältige Lebensräume.
Wie sich die Gewässerstruktur der Donau im Vergleich zu früher verändert hat, kann - nachdem ein gewisser Entwicklungszeitraum abgewartet wurde - eine erneute Kartierung der Gewässerstruktur zeigen.

Kiesbänke/-inseln, -vegetation

Kiesbänke/-inseln, -vegetation

Die natürliche Dynamik der Donau führt bei höheren Abflüssen zur Umlagerung der Kiesbänke und -inseln. Diese zunächst vegetationsfreien Kiesflächen werden jedoch schnell von Pflanzen bewachsen. Je nach Häufigkeit und Stärke der Hochwässer kann die Vegetation die Kiesflächen dauerhaft stabilisieren. Offene Kiesflächen sind für den kiesbrütenden Flussregenpfeifer jedoch Vorraussetzung für eine erfolgreiche Fortpflanzung. Die Verlagerung der Kiesbänke und deren Vegetation werden durch das Monitoring dokumentiert.
Anhand der Vermessung von Querprofilen wird zusätzlich auch die Veränderung der Tiefen- und Breitenvarianz der Donau aufgezeichnet

Fische

Fische

Durch die Tiefenerosion der Donau wurde die Kiesauflage der Molasse größtenteils abgetragen. Damit verloren die sogenannten Kieslaicher (z.B. Äsche) ihr Laichsubstrat und Fischnährtiere ihren Lebensraum im Kieslückensystem. Zudem waren durch die Begradigung strömungsarme Bereiche selten und Altarme sowie deren typische Fischarten fehlten. Flach überströmte Kiesbänke, Rückzugsmöglichkeiten in tiefen Gumpen, strömungsberuhigte Flachwasserbereiche und der Anschluss des Altarms sind nun nach der Umgestaltung der Donau vorhanden.
Die Entwicklung der Fischartenzusammensetzung, deren Altersstruktur und Biomasse wird nun durch regelmäßige Elektrobefischungen untersucht.

Kleinlebewesen der Gewässersohle (Makrozoobenthos)

Kleinlebewesen der Gewässersohle
(Makrozoobenthos)

Genauso wie Fische haben Kleinlebewesen der Gewässersohle (Makrozoobenthos) unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum (Steine, Kies, Sand, Feinmaterial, Totholz, Blätter, hohe oder geringe Strömung…). Strukturvielfalt bedeutet daher ein Angebot an unterschiedlichen Lebensräumen und ermöglicht daher hohe Artenzahlen und Dichten. Dies wiederum bietet Fischen ein abwechslungsreiches und größeres Nahrungsangebot. Die Artenzusammensetzung und die Biomasse im neuen Gewässerbett der Donau soll durch das Monitoring untersucht werden.

Vögel

Vögel

Die Vogelfauna des Projektgebietes wurde vor der Renaturierung im Rahmen des Landschaftspflegerischen Begleitplanes dokumentiert. Vogelbegehungen sollen zeigen, ob die Attraktivität des Gebiets für rastende Vögel durch das neue Lebensraumangebot (z. B. Altwässer, häufigere Überschwemmungen) gestiegen ist und ob vermehrt auegebundene Arten vorkommen. Besonders spannend ist die Frage, ob die kiesbrütenden Vogelarten Flussregenpfeifer (das Wappentier des IDP) und Flussuferläufer erfolgreich auf den Kiesbänken/-inseln brüten und sich dauerhaft etablieren können. Eine Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Dynamik der Donau ausreicht, um immer wieder frische offene Kiesflächen zu schaffen.

Amphibien

Amphibien

Flache temporäre Kleingewässer kommen ursprünglich in Flussauen vor, wo sie sich nach jeder Überschwemmung noch eine Weile halten können. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und die fehlende Überschwemmungsdynamik gingen Lebensräume für die an diese Dynamik angepasster Amphibienarten wie die Kreuzkröte oder die Gelbbauchunke verloren.
Durch die Anhebung der Gewässersohle erhält die Donau ein Stück Dynamik zurück. Neue Still- und Temporärgewässer wurden geschaffen. Mithilfe einer Amphibienkartierung soll festgestellt werden, ob sich die Artenzusammensetzung ändert und ob die neu geschaffenen Laichgewässer angenommen werden.

Libellen

Libellen

Die Alt- und Temporärgewässer können zahlreichen Stillgewässerarten als Lebensraum dienen. Auch Fließgewässerarten können von dem Projekt profitieren. Schon vor der Umsetzung des Projekts wurden die Libellen in diesem Gebiet untersucht. Ob sich das Artenspektrum erweitert, soll eine erneute Kartierung der Libellen zeigen.

Vielfalt der Lebensräume (Biotoptypen)

Vielfalt der Lebensräume (Biotoptypen)

Im Rahmen des Landschaftspflegerischen Begleitplanes wurde vor der Renaturierungsmaßnahme eine Biotoptypenkartierung durchgeführt. Somit existiert eine gute Grundlage, die Veränderungen in der Flussaue durch eine erneute Kartierung zu dokumentieren. Innerhalb der Gewässeraue kommen jedoch auch besondere Trockenstandorte (Griesflächen, „Brenne“, „Heißgrät“) mit eigener Flora und Fauna vor. Auf diesen flachgründigen, kiesigen Grund der Griesflächen, können aufgrund der warmen, wasser- und nährstoffarmen Bedingungen nur wenige spezialisierte Pflanzen gedeihen.