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Sie sind hier: RP Internet »Themenportal »Wasser und Boden »Integriertes Rheinprogramm »1. Was ist das Integrierte Rheinprogramm (IRP)?
Projekt des Hochwasserschutzes im Bereich des Rheins am Regierungspräsidium Freiburg

1. Was ist das Integrierte Rheinprogramm (IRP)?

Abschnittsanfang 1.1 Was sind die Ziele des Integrierten Rheinprogramms?

Das IRP hat zwei grundsätzlich gleichrangige Ziele, die in den Rahmenkonzepten I und II beschrieben werden. Rahmenkonzept I (RK I) beinhaltet die Grundlagen für die Umsetzung des umweltverträglichen Hochwasserschutzes, Rahmenkonzept II (RK II) diejenigen für die Renaturierung der Auen am Oberrhein. RK I und RK II sind als Band 7 der Materialien zum Integrierten Rheinprogramm beim Regierungspräsidium Freiburg gedruckt unter info-irp@rpf.bwl.de erhältlich oder hier als Download

Abschnittsanfang 1.2 Warum werden 13 Standorte geplant und nicht 5 wie im deutsch-französischen Vertrag von 1982?

In den 1960er Jahren wurde die Hochwasserstudienkommission für den Rhein ins Leben gerufen. Experten aus allen Rheinanliegerstaaten ermittelten für eine Auswahl von Hochwassern die historischen Abflussganglinien des Rheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse. Umfangreiche Berechnungen kamen für Baden-Württemberg zu folgendem Ergebnis: Wenn es gelänge, das Hochwasser in Wehranlagen und Poldern mit ca. 10 m hohen Dämmen zurückzuhalten, könnte mit einem Rückhaltevolumen von 126 Mio. m3 der am Oberrhein ehemals vorhandenen Hochwasserschutz zwischen Iffezheim und Worms wieder erreicht werden.

Die ersten und einzigen Rückhalteräume, die nach diesen vornehmlich technisch geprägten Vorgaben gebaut wurden, waren das Kulturwehr Kehl/Straßburg und die Polder Altenheim. Bereits die Einrichtung des Dauerstaus im Kulturwehr Kehl/Straßburg und der Probestau der Polder Altenheim zeigten in den anliegenden Ortschaften Probleme mit ansteigendem Grundwasser. Erst mit der Realisierung umfangreicher Schutzmaßnahmen in den Ortslagen der Gemeinden Kehl-Marlen und Kehl-Goldscheuer sowie dem Bau des Pumpwerkes Altenheim können das Kulturwehr Kehl/Straßburg und die Polder Altenheim uneingeschränkt und erfolgreich zum Hochwasserschutz eingesetzt werden.

Aus diesen Erfahrungen heraus und in Anlehnung an die Situation in natürlichen Auensystemen wurde die alte Konzeption überarbeitet und an die neuen Erkenntnisse angepasst. Die Überflutungshöhen sollten im Mittel auf etwa 2,50 m beschränkt werden, das Wasser sollte in den Rückhalteräumen immer leicht fließen bis strömen. Mit diesen neuen Vorgaben ging zwingend einher, dass weitere, vor dem Ausbau des Oberrheins überflutete Flächen, in die Planung für ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept einbezogen werden müssen. Untersuchungen der Landschaft zwischen Basel und Mannheim zeigten, dass in Baden-Württemberg maximal 13 Standorte zur Hochwasserrückhaltung geeignet sind.

Abschnittsanfang 1.3 Warum werden 167,3 Mio. m3 benötigt und nicht nur 126 Mio. m3?

Die Wiederherstellung des damals vorhandenen Hochwasserschutzes vor einem Hochwasserereignis setzt voraus, dass unterhalb von Iffezheim die heute bestehenden Hochwasserdämme nicht überströmt werden. Der Abfluss des Rheins am Pegel Maxau darf demzufolge 5.000 m3/s, der Abfluss am Pegel Worms 6.000 m3/s nicht übersteigen. Die zunächst geplanten Rückhalteräume mit einem Volumen von 126 Mio. m3 hielten weder den technischen noch den ökologischen Erfordernissen stand (s.a. Frage „Warum werden 13 Standorte geplant und nicht 5 wie im deutsch-französischen Vertrag von 1982?“). Durch intensive Untersuchungen gelangte man zu dem Ergebnis, dass insgesamt 13 Rückhalteräume mit einem Gesamtvolumen von nunmehr rund 167,3 Mio. m3 erforderlich sind. Dies hat im Wesentlichen drei Gründe:

  • Die erforderlichen 13 Räume sind nun auf einer Strecke von rund 220 km entlang des Rheins verteilt. Die Wirkung der Rückhalteflächen auf den Abfluss ist je nach Lage und Standort unterschiedlich. Um an 13 Standorten mit geringeren Überflutungshöhen die Sicherheit der Menschen vor Hochwasser gewährleisten zu können, musste das Volumen auf 167,3 Mio. m3 erhöht werden.

  • Ein ursprünglich vorgesehener großer Rückhalteraum weit im Süden (Stauwehr bei ca. Rhein-km 220,5) stellte sich in der Planung als technisch problematisch und nicht umweltverträglich heraus. Ein Ersatz kann nur durch mehrere, kleinere Rückhalteräume für den Hochwasserschutz erreicht werden.

  • Das ursprünglich erforderliche Volumen von 126 Mio. m3 wurde von der Hochwasserstudienkommission anhand 8 unterschiedlicher Hochwasser ermittelt. Zur Erhöhung der Repräsentanz der Ergebnisse wurde dieses Kollektiv von einer deutsch-französischen Expertengruppe auf je 15 Hochwasser für die Pegel Maxau und Worms erweitert.

Abschnittsanfang

1.4 Wie wurde das erforderliche Rückhaltevolumen ermittelt?

Die Wirkungen der geplanten Rückhalteräume des IRP wurden von der Arbeitsgruppe „Nachweis der Wirkung der Hochwasserschutzmaßnahmen“ des Technischen Ausschusses der Ständigen Kommission untersucht. Der Abschlussbericht ist unter dem Link http://www.hvz.baden-wuerttemberg.de/pdf/Wirksamkeitsnachweis.pdf abrufbar.

Der Wirksamkeitsnachweis wurde mit einem eigens für den Oberrhein erstellten Synoptischen Modell erbracht. Die Berechnungen wurden von der Landesanstalt für Umweltschutz in Karlsruhe in enger Abstimmung mit den zuständigen französischen und deutschen Dienststellen durchgeführt. Es wurde der Nachweis erbracht, dass nur durch den Einsatz aller vorhandenen und geplanten Rückhalteräume das Hochwasserschutzziel – die Wiederherstellung des vor dem Ausbau des Oberrheins vorhandenen Hochwasserschutzes unterhalb der Staustufe Iffezheim – erreicht werden kann.

Abschnittsanfang

1.5 Wie belastbar sind die Berechnungen für das erforderliche Rückhaltevolumen?

Dass die mit diesem Synoptischen Modell entwickelten Ergebnisse der Praxis standhalten, wird seit Bestehen der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg (HVZ 1991) nachgewiesen, da über dieses Modell seitdem die Hochwasservorhersagen für den Oberrhein zwischen Basel und Worms berechnet werden. Die Aktualität und Leistungsfähigkeit des Synoptischen Modells wurde im operationellen Betrieb z. B. bei den beiden Hochwasserereignissen 1999 und zuletzt beim Hochwasser Juni 2013 deutlich bewiesen. Mit Unterstützung genauer Hochwasservorhersagen der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) der LUBW konnten bei den Hochwasserereignissen durch den Einsatz der verfügbaren Hochwasserschutzmaßnahmen die Hochwasserscheitel abgemindert und damit Schäden unterhalb der Ausbaustrecke verhindert werden.

Abschnittsanfang

1.6 Welcher Hochwasserschutzgrad soll am Oberrhein wiederhergestellt werden?

Vor dem Ausbau des südlichen Oberrheins für Energiegewinnung und Schifffahrt reichten die Höhen der Hochwasserdämme nördlich von Iffezheim aus, um ein damals 200-jährliches Hochwasser in Maxau und 220-jährliches Hochwasser in Worms dort schadlos abzuführen.
Auf diesen damals vorhandenen Schutz haben die Anlieger noch heute Anspruch. Daher wurde im Vertrag von 1982 zwischen Deutschland und Frankreich verbindlich festgeschrieben, „die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um unterhalb der Staustufe Iffezheim den vor dem Ausbau des Oberrheins vorhandenen Hochwasserschutz wieder herzustellen“.

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1.7 Was ist ein 200-jährliches Hochwasser?

Hierunter versteht man Hochwasser, die sich statistisch etwa alle 200 Jahre ereignen können. Es sind recht extreme Ereignisse, die sehr viel Wasser bringen.

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1.8 Warum reicht ein 100-jährlicher Schutz wie z.B. an der Donau nicht aus?

Die Menschen und die Industriebetriebe v. a. im Großraum Karlsruhe-Mannheim-Worms hatten vor dem modernen Oberrheinausbau einen 200-jährlichen Schutz und haben ein Anrecht auf die Wiederherstellung des Zustandes von 1955.

Abschnittsanfang 1.9 Welche Rückhalteräume werden bereits betrieben?

 
Mit Stand Anfang 2016 sind in Betrieb:

in Baden-Württemberg:
  • Polder Altenheim, Rückhalteraum Kulturwehr Kehl/Straßburg, Polder Söllingen/Greffern, Polder Rheinschanzinsel sowie erste Tieferlegungsflächen des Rückhalteraumes Weil-Breisach
in Frankreich:
  • Polder Moder und Polder Erstein sowie der Sonderbetrieb der Rheinkraftwerke
in Rheinland-Pfalz (mit Wirkung auf Worms):
  • Daxlander Au sowie die Polder Wörth/Jockgrim, Mechtersheim, Flotzgrün und Kollerinsel
1.10 Wie erfolgt die Umsetzung des Rahmenkonzeptes II (RK II)?Abschnittsanfang

Beim RK II handelt es sich um Maßnahmen, die primär der Auenrenaturierung im Sinne des Naturschutzes dienen. Der Schwerpunkt dieser Maßnahmen liegt im Bereich des Rheinvorlandes nördlich Iffezheims. Je nach verfügbaren Haushaltsmitteln werden hier beispielsweise Furten gebaut oder Altrheinarme wieder an den Rhein angebunden. Mit EU-Mitteln wurde eine Dammrückverlegung nördlich von Mannheim realisiert, durch die aus heutigen Maisäckern wieder Auebiotope entstehen.

Abschnittsanfang 1.11 Wer finanziert das IRP?

Die IRP-Maßnahmen zur Wiederherstellung eines umweltverträglichen Hochwasserschutzes (RK I) werden zu 58,5 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert. Die Bundesrepublik Deutschland (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) beteiligt sich mit 41,5 Prozent an den Investitionskosten des gesamten IRP. Darüber hinaus beteiligten sich die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen zusammen mit dem Bund mit 80,5 Prozent an den Investitionskosten des Polders Söllingen/Greffern. Die IRP-Maßnahmen zur Renaturierung der Auen am Oberrhein (RK II) sind aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg sowie ggf. Dritter zu finanzieren.