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Projekt des Hochwasserschutzes im Bereich des Rheins am Regierungspräsidium Freiburg

12. Wie beeinflussen die Hochwasserrückhalteräume und deren Betrieb die Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten?

Abschnittsanfang 12.1 Mindert der Betrieb eines Rückhalteraumes den Erholungswert angrenzender Gemeinden?

Nein, bei entsprechender Gestaltung kann der Betrieb eines Rückhalteraumes den Erholungswert sogar steigern. Allerdings ist die Begehbarkeit des Geländes innerhalb eines Rückhalteraumes zeitweilig eingeschränkt.

Abschnittsanfang 12.2 In welchem Umfang werden die Erholungsfunktion und der Zugang zu den Rückhalteräumen bei Hochwasserrückhaltungen eingeschränkt?

Bei Hochwassereinsatz sind die Rückhalteräume aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Betreiber kontrolliert die Flächen in den Rückhalteräumen, um zu vermeiden, dass Erholungsuchende vom Wasser überrascht oder vom Rückweg abgeschnitten werden. Diese Kontrollen können an die örtlich zuständigen Polizeibehörden übertragen werden.

Abschnittsanfang 12.3 In welchem Umfang werden die Erholungsfunktion und der Zugang zu den Rückhalteräumen bei Ökologischen Flutungen eingeschränkt?

An vielen Tagen mit Ökologischen Flutungen durchströmt das Wasser lediglich die vorhandenen Gewässer, ohne dass die Begehbarkeit eingeschränkt ist. Das Element “Wasser” wird hier sogar deutlicher erlebbar. Ökologische Flutungen sind i.d.R. über das Jahr hin auf mehrere, einzelne Ereignisse verteilt. Lange andauernde Einzelereignisse sind selten. Bei diesen seltenen, lang andauernden und i.d.R. hohen Ökologischen Flutungen mit flächenhaften Überflutungen ist aus Sicherheitsgründen und um Wildtieren die Möglichkeit zum Wechsel in die binnenseitigen Rückzugsräume zu ermöglichen eine Sperrung der Rückhalteräume notwendig. 

Abschnittsanfang 12.4 Werden diese Einschränkungen kompensiert?

Als Ersatz für die zeitweisen Einschränkungen der freien Begehbarkeit der Rückhalteräume werden an anderer Stelle Erholungsmöglichkeiten geschaffen. Diese erfolgen in Abstimmungen mit den Gemeinden.

Abschnittsanfang 12.5 Gibt es bereits Erfahrungen mit Maßnahmen zur Verbesserung der Erholungsmöglichkeiten?

Ja. Ein konkretes Beispiel dafür ist der im Frühjahr 2014 eingeweihte Auen-Wildnispfad im Polder Altenheim. Hier wurde mit Geldern der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg eine am Oberrhein einzigartige Naherholungsmöglichkeit geschaffen. Mitten in einem Polder wird eine Wildnis erlebbar gemacht, wie sie kaum noch zu finden ist. Die Gemeinde Neuried gewinnt dadurch auch für Besucher aus weiterer Entfernung an Attraktivität.

Ein weiteres Beispiel sind die IRP-Rheingärten bei Neuenburg am Rhein, die Mitte 2015 fertig gestellt wurden. Diese Freizeitanlage mit Liegewiesen, Freilichtbühne und Aussichtsplattform ermöglicht der Neuenburger Bevölkerung den unmittelbaren Zugang zum Rhein. Ab 2022 werden die IRP-Rheingärten den westlichen Ausläufer des Landesgartenschaugeländes der Stadt Neuenburg bilden.

Abschnittsanfang 12.6 Was geschieht, wenn sich Freizeitanlagen in oder nahe den geplanten Hochwasserrückhalteräumen befinden?

Befinden sich Freizeitanlagen innerhalb der geplanten Rückhalteräume, werden diese entweder geschützt oder es wird eine Verlegung nach außerhalb erforderlich.

Befinden sich Freizeiteinrichtungen (Sportanlagen wie z.B. Bogenschießplatz, Vereinsheime u. dgl.) im binnenseitigen Auswirkungsbereich der Rückhalteräume, wird von Seiten des Vorhabenträgers eine gemeinsame Lösung mit den Betroffenen angestrebt. Eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation ist grundsätzlich auszuschließen.

Abschnittsanfang 12.7 Nimmt die Schnakenplage durch Ökologische Flutungen und Retention zu? Was wird ggf. dagegen getan?

Die gesamte Rheinaue ist von Natur aus Brutgebiet von Stechmücken. Deshalb hat ein großer Teil der Rheinanliegergemeinden unabhängig vom IRP die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) mit der Stechmückenbekämpfung beauftragt. Auch das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Freiburg, ist Mitglied der KABS. Die Bekämpfung einer flutungsbedingten Verschärfung der Schnakenplage ist fester Planungsbestandteil in jedem IRP-Hochwasserrückhalteraum. Die Verpflichtung zur Bekämpfung der Schnaken wird in den jeweiligen Planfeststellungsbeschlüssen ausdrücklich verankert. Aufgrund der Erfahrungen der Schnakenbekämpfungsmaßnahmen durch die KABS insgesamt, und insbesondere auch durch die Erfolge der Schnakenbekämpfung in den bereits bestehenden IRP-Rückhalteräumen Polder Altenheim, Kulturwehr Kehl/ Straßburg und Polder Söllingen/Greffern, ist eine Verschärfung der Mückenplage durch den Betrieb der Rückhalteräume nicht zu erwarten.

Abschnittsanfang 12.8 Werden die Ausbreitung der asiatischen Tigermoskitos und der Buschmoskitos durch die Maßnahmen des Integrierten Rheinprogrammes gefördert?

Nein, das Auftreten und die Verbreitung der exotischen Stechmücken stehen nicht im Zusammenhang mit den Maßnahmen des Integrierten Rheinprogramms.

Eine Gefahr durch die asiatischen Tigermoskitos und Buschmoskitos, die verschiedene tropische Erkrankungen übertragen können, entsteht durch den globalen Güterverkehr v.a. über die Meere sowie durch den transalpinen Reise- und Güterverkehr nach Mitteleuropa. Fortpflanzungsmöglichkeiten finden diese Mücken in wassergefüllten Kleingefäßen (Autoreifen, Blumentöpfe, Eimer usw.). Eine Vermehrung der Mücken in Flussauen ist weltweit nicht beobachtet worden. Bis heute konnten entlang des Rheins keine Populationen nachgewiesen werden.

Abschnittsanfang 12.9 Wird die Ausbreitung tropischer Krankheiten (Malaria, West-Nil-Virus, Dengue-Viren u.ä.) durch die Maßnahmen des Integrierten Rheinprogrammes gefördert?

Die Lebensräume der exotischen Stechmücken, die krankheitserregende Viren (Gelbfieber-, West-Nil-, Dengue-, Chikungunya-Virus) übertragen können, werden durch die Maßnahmen des Integrierten Rheinprogramms nicht gefördert.

Andere, Dengue übertragende Stechmückenarten konnten weltweit bislang nicht in Überflutungsflächen der Auen gefunden werden. Es besteht auch hier kein Bezug zum Integrierten Rheinprogramm.