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Projekt des Hochwasserschutzes im Bereich des Rheins am Regierungspräsidium Freiburg

13. Wie wirken sich die Hochwasserrückhalteräume und deren Betrieb auf binnenseitige Ortslagen und Gebäude aus?

Abschnittsanfang 13.1 Wie reagiert das Grundwasser bei Betrieb eines Rückhalteraumes?

Durch den Betrieb der Rückhalteräume wird es zu Wechselwirkungen zwischen Rückhalteraum und Grundwasserkörper kommen, die sich im Anstieg der binnenseitigen Grundwasserstände äußern werden. Die heute vorhandenen Grundwasserverhältnisse sind die Grundlage der Planungen; sie stellen den Status quo dar. Um im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen zusätzliche, schadbringende Grundwasseranstiege innerhalb der betroffenen Ortslagen verhindern zu können, werden umfangreiche Schutzmaßnahmen (Grundwasserbewirtschaftungssysteme) im Bereich der Ortslagen vorgesehen. Für den Betrieb der Rückhalteräume gilt dabei grundsätzlich bezogen auf die Grundwasserentwicklung das Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, dass es im Vergleich zu den natürlichen Grundwasserentwicklungen (Ist-Zustand) zu keinen zusätzlichen schadbringenden Grundwasseranstiegen bei Betrieb der Rückhalteräume (Bemessungszustand) kommen darf. Gewährleistet wird beispielsweise der Schutz von Gebäuden durch Anlage von Grabensystemen, Bau von Brunnen und Pumpwerken. Je nach Lage der Ortschaften und Gebäude zum zukünftigen Rückhalteraum kann dies auch zur Verbesserung der heutigen Situation führen.

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Grundwasserhaltung mit Brunnen

Detailinformationen finden Sie in unserer kostenlosen Broschüre „Schutzmaßnahmen für Ortslagen" 

und auf unserer Download- und Bestellseite.

Abschnittsanfang 13.2 Welche Auswirkungen hat das IRP auf die städtebauliche Entwicklung einer Kommune?

Die Ausweisung neuer Bau- oder Gewerbegebiete innerhalb der Hochwasserrückhalteräume ist nicht möglich. Auch bei Planungen zu Erweiterungen oder Neuanlagen von Erholungs- und Sportanlagen haben die Belange des Hochwasserschutzes grundsätzlich einen höheren Stellenwert. Binnenseitig sind bei der Planung von neuen Baugebieten die sich flutungsbedingt einstellenden veränderten Grundwasserstände sowie die jeweiligen Schutzanlagen zur Grundwasserhaltung zu berücksichtigen. Eine Einschränkung der kommunalen Planungshoheit ist hier nicht gegeben.

Abschnittsanfang 13.3 Was ist Sinn und Zweck von Kellervermessungen?

Beim Betrieb der Hochwasserrückhalteräume kann es in den benachbarten Gemeinden u.U. zu Grundwasseranstiegen kommen. Um festzustellen, welche Gebäude davon betroffen sein können, werden die Keller eingemessen. Ist die genaue Lage der Kellersohle bekannt, können durch entsprechend dimensionierte Grundwasserhaltungen künftig zusätzliche, schadbringende Grundwasseranstiege durch den Betrieb der Rückhalteräume verhindert werden.

Abschnittsanfang 13.4 Sind die Ergebnisse der Kellervermessung für die Hausbesitzer bzw. für die Gemeinde zugänglich?

Ja, sobald die Ergebnisse vorliegen, können sie von den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern und ggf. von Gemeindevertretern beim Vorhabenträger eingesehen werden.

Abschnittsanfang 13.5 Warum ist ein Probebetrieb vorgeschrieben?

Als erstes Flutungsereignis ist entsprechend der für Rückhalteräume geltenden technischen Regeln (DIN 19700 Teil 10 und Teil 12) grundsätzlich ein Probebetrieb durchzuführen. Nach Fertigstellung aller Baumaßnahmen wird daher vor der regulären, dauerhaften Inbetriebnahme ein Probebetrieb mit rd. 75% der maximalen Einstauhöhe als erstes Flutungsereignis durchgeführt. So werden Funktionsfähigkeit, Funktionsweise und Betriebssicherheit aller Bauwerke und Steuerungsanlagen des Rückhalteraumes sowie der Schutzmaßnahmen in den Ortslagen überprüft. Grundsätzlich muss dieser Probebetrieb unabhängig von der Jahreszeit erfolgen können.

Abschnittsanfang 13.6 Können durch den Bau von Brunnen innerhalb der Ortslagen Gebäudeschäden entstehen?

Lage und Ausbau der Schutzbrunnen werden so gewählt, dass in der Nähe gelegene Gebäude nicht beeinträchtigt werden.

Abschnittsanfang 13.7 Wird es durch die Brunnen und Pumpengalerien zu Lärmbelästigungen kommen?

Nein, die Schutzbrunnen werden mit Tauchmotorpumpen ausgerüstet die tief in den Brunnen installiert sind. Die Druckleitungen werden unterirdisch verlegt. Beim Betrieb während der Grundwasserhaltungen entstehen keine Lärmbelästigungen.

Abschnittsanfang 13.8 Gibt es Erfahrungen mit Grundwasserhaltungen?

Seit 1998 werden in den nahe des Rückhalteraumes Kulturwehr Kehl/Straßburg gelegenen Ortslagen Marlen und Goldscheuer Schutzmaßnahmen betrieben. Der erstmalige Volleinsatz dieser binnenseitigen Schutzmaßnahmen war erfolgreich. Damit konnte der Nachweis erbracht werden, dass die mit dem Grundwassermodell entwickelten und bemessenen Schutzmaßnahmen den Grundwasserspiegel in den beiden Ortslagen auf einem vorgegebenen Niveau halten können und vorhabensbedingte Schäden verhindert haben.

Abschnittsanfang 13.9 Seit wann werden die Grundwasserstände gemessen?

Die ältesten Messungen datieren von 1913. Dies sind jedoch nur Einzelmessungen. Heute gibt es ein umfangreiches Grundwassermessstellennetz. Die Ablesungen erfolgen regelmäßig (sogenannte Montagswerte oder permanent mit automatischen elektronischen Datenaufzeichnungsgeräten). Die Grundwasseraufzeichnungen ausgewählter Grundwassermessstellen einzelner Rückhalteräume können auf den Internetseiten des Regierungspräsidiums Freiburg abgerufen werden.