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Projekt des Hochwasserschutzes im Bereich des Rheins am Regierungspräsidium Freiburg

7. Wie kann Hochwasser am Oberrhein zurückgehalten werden?

Abschnittsanfang 7.1 Was ist der Unterschied zwischen einem gesteuerten Rückhalteraum und einer (ungesteuerten) Dammrückverlegung?

Ein gesteuerter Rückhalteraum ist i.d.R. auf allen Seiten von Dämmen umgeben. Bei Hochwasser wird das Wasser über ein oder mehrere steuerbare Bauwerke (Einlassbauwerke) in die Flächen eingeleitet. Es durchströmt den Rückhalteraum und fließt über ein oder mehrere wiederum steuerbare Bauwerke (Auslassbauwerke) oder über einen ungesteuerten Abströmbereich zurück in den Rhein oder in den nächstfolgenden Rückhalteraum.

   
steuerbarer Rückhalteraum                   Dammverlegung


Wie bei den gesteuerten Rückhalteräumen müssen auch bei Dammrückverlegungen die bestehenden binnenseits rheinfern liegenden Dämme sowie ggf. erforderliche neue Dämme entsprechend der aktuellen Regeln der Technik saniert und gegebenenfalls erhöht werden. Die Hochwasserdämme entlang des Rheinufers werden zurückgebaut, im Idealfall gibt es dort keine Dämme mehr. Bei Hochwasser strömt das Wasser aus dem Rhein direkt ins Gelände. Geht das Hochwasser zurück, fließt auch das Wasser aus dem Gelände wieder in den Rhein zurück. Im Ergebnis wird so ein neues, vom Rhein in natürlicher Weise überflutetes, Überschwemmungsgebiet geschaffen.

Abschnittsanfang 7.2 Weshalb müssen die Rückhalteräume durchströmt werden (Fließpolder)?

Das Wasser soll in den Rückhalteräumen immer leicht fließen bis strömen. Stehendes Wasser in den Rückhalteräumen wird durch Erwärmung schnell sauerstoffarm. Dies führt bei einer Überflutung von mehreren Tagen rasch zum Absterben von Tieren und Pflanzen.

Abschnittsanfang 7.3 Wie hoch sind die maximalen Wasserstände bei Hochwasserrückhaltung in den Rückhalteräumen)?

Das ist von Rückhalteraum zu Rückhalteraum unterschiedlich.Die angestrebte Überflutungshöhe von 2,50 m über mittlere Geländehöhe ist ein statistischer Mittelwert. Aufgrund der Neigung und des bewegten Reliefs der Flächen in den Rückhalteräumen kommt es auf großen Teilen zu geringen, in Teilbereichen -insbesondere oberhalb von Querdämmen oder in tiefliegenden Schlutenbereichen - auch zu höheren Überflutungen.

Abschnittsanfang 7.4 Warum wird eine Wasserhöhe in den Rückhalteräumen bei Hochwassereinsatz von ca. 2,50 m angestrebt?

Die Beschränkung der zulässigen Überflutungshöhe auf 2,50 m über mittlerer Geländehöhe beruht im Wesentlichen auf einer aus naturschutzfachlichen und forstwirtschaftlichen Gründen getroffenen Festlegung:

  • Diese Überflutungshöhe entspricht den Verhältnissen in natürlichen Aueökosystemen entlang des Oberrheins.
  • Schäden an der Tier- und Pflanzenwelt und an den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern in den Rückhalteräumen werden vermieden bzw. stark reduziert.
Abschnittsanfang 7.5 Warum können der Rückhalteraum Kulturwehr Kehl/Straßburg und die Polder Altenheim mit Überflutungshöhen von bis zu 6 m eingesetzt werden?

Der Rückhalteraum Kulturwehr Kehl/Straßburg und die Polder Altenheim wurden bereits 1977 planfestgestellt. Die heutigen Anforderungen des Natur- und Umweltschutzrechts bestanden damals noch nicht. Die Baugenehmigung enthielt deshalb keine Vorgaben zum umweltverträglichen Bau und Betrieb.

Abschnittsanfang 7.6 Wie oft erfolgt eine Hochwasserrückhaltung in einem Hochwasserrückhalteraum?

Dies ist von Standort zu Standort unterschiedlich. Je südlicher die Rückhalteräume am Oberrhein liegen, desto früher und damit häufiger finden die Einsätze statt. Außerdem hängt die Einsatzhäufigkeit davon ab, wie viele Rückhalteräume bereits einsatzbereit sind. Statistisch werden die Rückhalteräume im Süden ca. alle 10 Jahre, die Rückhalteräume im Norden (unterhalb Iffezheims) ca. alle 20 bis 25 Jahre eingesetzt. Bei Dammrückverlegungen wird das Gelände regelmäßig schon bei kleineren Hochwassern überströmt. Die Überflutungshöhen hängen dabei direkt von der Größe des Hochwassers ab.

Abschnittsanfang 7.7 Was ist der "Sonderbetrieb der Rheinkraftwerke (Manöver)? Wozu ist er erforderlich?

Zwischen 1928 und 1959 wurde zwischen Basel (Märkt) und Breisach a.R. der Grand Canal d' Alsace gebaut. Hierzu wurde im Rhein ein Stauwehr (Ausleitungswehr) errichtet, welches das Wasser bis zu einem Abfluss von 1.400 m³/s nahezu vollständig in den Rheinseitenkanal ausleitet. In diesem Kanal befinden sich vier Wasserkraftwerke und Schiffsschleusen.

1957 bis 1970 wurden stromabwärts für vier weitere Kraftwerke und Schiffsschleusen kurze, parallel zum Rhein verlaufende Kanäle, die sogenannten Schlingen von Marckolsheim, Rhinau, Gerstheim und Straßburg, gebaut. Auch hier wurden Stauwehre im Rhein errichtet, die das Wasser in die Schlingen ausleiten.

Ist der Abfluss im Rhein größer als die Kapazität der Kraftwerke fließt das Wasser über diese Wehre in den Restrhein.

Bei einem großen Hochwasser werden der Durchfluss durch die Turbinen stark gedrosselt und gleichzeitig die Stauwehre im Rhein geöffnet, sodass das Wasser zusätzlich in das ehemalige Rheinbett fließen kann. Dieser Sonderbetrieb der Rheinkraftwerke wird auch als Manöverbetrieb bezeichnet.

Durch die Öffnung der Stauwehre steigen unterhalb die Wasserstände im Rheinbett zusätzlich an, im Bereich der Schlingen führt dies zu verstärkten Überflutungen der angrenzenden (rezenten) Überschwemmungsgebiete, den sogenannten Manöverflächen.
Das Rheinbett selbst und der Bewuchs auf den Manöverflächen wirken dabei wie eine natürliche Bremse auf das Hochwasser. Ein wesentlicher Effekt dieses Sonderbetriebes ist daher die Reduzierung der Fließgeschwindigkeit der anlaufenden Hochwasserwelle, wodurch eine ungünstige Überlagerung der Abflussspitzen mit weiter nördlich in den Rhein einmündenden Nebenflüssen vermieden wird.

Auf diese Weise wird Rückhaltevolumen genutzt, das für den Hochwasserschutz gezielt eingesetzt werden kann und international vereinbart ist.


Prinzipskizze Manöverbetrieb