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RP Freiburg, Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Veterinär- und Lebensmittelwesen
  • Abteilung 3/Abteilung 5
    05.04.2019
    Ausbruch der Krebspest im Bruggasystem bei Freiburg-Kappel/Kirchzarten
    Regierungspräsidium Freiburg koordiniert Maßnahmen zur Rettung des Bestands der geschützten Dohlenkrebse im Zartener Becken // Betroffene Gewässer sollten nicht betreten werden

    In einem Gewässer im Ortsteil Neuhäuser (zwischen Kirchzarten und Freiburg-Kappel) ist die Krebspest ausgebrochen. Bereits am 20. März hatten Kinder tote Dohlenkrebse im Krebsgraben – einem Zufluss der Brugga – gefunden. Nach der Meldung bei der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg war klar, dass es sich um einen Verdachtsfall auf Krebspest handelt, der nun bestätigt wurde. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen und andere Tiere geht von dieser Tierseuche nicht aus. Das Regierungspräsidium Freiburg hat Sofortmaßnahmen zur Eindämmung eingeleitet, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde.

    Der Krebsexperte Dr. Christoph Chucholl untersuchte das Gewässer und fand weitere tote Dohlenkrebse. Diese wurden umgehend zur Analyse an die Universität Koblenz-Landau geschickt. Das baden-württembergische Umweltministerium und das Ministerium für Ländlichen Raum wurden vorsorglich informiert. Die Untersuchungen brachten am vergangenen Montag die Bestätigung: Die Tiere waren mit dem Krebspesterreger infiziert und sind auch an ihm verendet.

    Die Krebspest ist eine bei heimischen Flusskrebsen tödlich verlaufende, hochansteckende Erkrankung, die durch einen pilzähnlichen Erreger, Aphanomyces astaci, ausgelöst wird. Nordamerikanische Flusskrebse wie Kamberkrebse und Signalkrebse sind nur wenig anfällig für die Krebspest. Sie sind jedoch die Hauptüberträger der Tierseuche und können zum Aussterben heimischer Krebsbestände führen, wenn sie im selben Gewässer vorkommen.

    Daneben können die als Sporen bezeichneten Übertragungsstadien der Krebspest auch durch jeden mit kontaminiertem Wasser in Kontakt gekommenen feuchten Gegenstand, wie Gummistiefel, Kescher und Reusen sowie theoretisch auch am feuchten Fell von Hunden oder Gefieder von Wasservögeln in ein Gewässer eingeschleppt werden.

    Dohlenkrebse sind sehr selten und in Deutschland vom Aussterben bedroht. Sie kommen bundesweit nur in wenigen Bächen im Südwesten Baden-Württembergs vor und sind gemäß der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und dem Fischereirecht geschützt. In der Brugga mit ihren Zuflüssen und in den Nachbargewässern im Zartener Becken kommt noch eine der bedeutendsten Populationen von Dohlenkrebsen vor, weshalb die Brugga auch als geschütztes FFH-Gebiet ausgewiesen ist.

    Der Krebspestausbruch im Brugga-Gewässersystem ist aus artenschutzfachlicher Sicht problematisch, denn es gibt keine wirksame Behandlung oder Impfung gegen die Tierseuche. Ohne Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der Seuche ist der gesamte Dohlenkrebsbestand auch in den benachbarten Gewässern bedroht. Das Regierungspräsidium Freiburg hat Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet, die die Tierseuche eindämmen sollen.

    Wie ist der Krebspesterreger in den Krebsgraben gelangt?

    Der Einschleppungspfad ist momentan noch ungeklärt – der spezielle Typ des nachgewiesenen Erregers stammt aber wahrscheinlich von gebietsfremden Kamberkrebsen, die im direkten Umfeld der Brugga bislang nicht nachgewiesen sind. Im Krebsgraben, der nicht fischereilich genutzt wird, wurde im Bereich des Krebssterbens eine Reuse gefunden.

    Falls diese zuvor in einem Gewässer mit Kamberkrebsbestand, wie in Baggerseen rund um Freiburg oder zur Hälterung von Kamberkrebsen verwendet wurde, könnte es dadurch zur Einschleppung der Tierseuche gekommen sein. Unter anderem deswegen ist das Ausbringen von Reusen in diesen Gewässern verboten und wird strafrechtlich als Fischwilderei verfolgt. Die Abteilung Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums Freiburg hat bereits Ermittlungen aufgenommen.

    Was kann getan werden, um die Dohlenkrebse in der Brugga oberhalb des Krebsgrabens zu schützen?

    Die Naturschutz- und Fischereibehörden beim Regierungspräsidium Freiburg koordinieren nun gemeinsam Maßnahmen zur Rettung des Krebsbestandes im Gebiet. Während der akuten Phase herrscht eine extrem hohe Sporendichte der Krebspesterreger im Gewässer – diese kann dann leicht aus Versehen oder Unachtsamkeit verschleppt werden. Die Bevölkerung wird daher gebeten, den Krebsgraben und die Brugga im Moment nicht zu betreten. Dies gilt auch für Hunde, die nicht in der Brugga oder ihren Nebenbächen baden sollten. Auch andere Freizeitaktivitäten und wasserbauliche Maßnahmen sollten im Gewässer ausgesetzt werden, so das Regierungspräsidium Freiburg.

    Erkrankte Dohlenkrebse sind auch ihre eigenen Feinde: Sie werden bei Befall vermehrt aktiv und übertragen so die Krebspestsporen auf Artgenossen. Die Seuche verbreitet sich dadurch auch gegen die Strömungsrichtung durch einen Krebsbestand. Um diese Infektionskette wirksam zu unterbrechen, sollen an mehreren Standorten Krebsschutzbleche installiert werden, die eine Aufwärtswanderung von infizierten Krebsen verhindern. Die Planungen hierfür laufen, und die Krebsbestände werden in den kommenden Monaten intensiv beobachtet.