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Referat 53.1 (Gewässer 1.Ordnung Hochwasserschutz, Planung und Bau) des Regierungspräsidium Freiburg
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Hochwasserschutz Sulz am Neckar
Ortsteil Fischingen

Ihre Fragen und unsere Antworten

Hier können Sie sich über das Projekt informieren: Hochwasserschutz am Neckar - Ortsteil Fischingen: Maßnahmen im Überblick. Haben Sie Fragen und Anregungen? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an EMail Hws.sulz@rpf.bwl.de. Ihre Fragen werden mit unseren Antworten hier anonym veröffentlicht. 

Stand: 21.07.2020

FRAGE 1:

In manchen Hochwasserjahren ist auffällig, dass der Neckar in Fischingen innerhalb von ca. 45 Minuten um 50-90 cm steigt. Die Überwachung der Pegelstände am Neckar und der Schlichem-Talsperre brachte die Erklärung. Die Einstau- und die Ablaufregelung der Talsperre erfolgt proportional. Steigt der Pegelstand in der Talsperre öffnet sich neben der Wasserturbine auch der Ablauf des Staudamms. In manchen Jahren führt dies allerdings dazu, dass bei starken oder langen Regenereignissen die Überströmung des Dammes droht und es zu einer Notöffnung kommt. Unter den Gesichtspunkten des Hochwasserschutzes ist die Regelstrategie an der Schlichem-Talsperre falsch und nachteilig für den Hochwasserschutz. Es wäre deutlich besser, bei steigendem Pegelstand in der Talsperre den Ablauf auf die maximal tolerierbare Durchflussmenge der Schlichem zu erhöhen, damit das Becken sich nicht so schnell füllt und es erst später zur Notöffnung kommt. Die  Änderung der Regelstrategie benötigt keine Investitionskosten. Es ist somit „kostenlos“ einen verbesserten Hochwasserschutz zu erreichen.

Wann ist mit einer für den Hochwasserschutz angepassten Regelstrategie an der Schlichem-Talsperre in Schömberg zu rechnen?


ANTWORT:

(aufgrund der Zuständigkeit ist die Antwort mit dem betreibenden RP Tübingen abgestimmt)

Die Talsperre wurde ursprünglich zur Brauchwassergewinnung für das nahegelegene Zementwerk geplant und gebaut. Schon vor Beginn mit Einbindung des Landes (damals Württemberg-Hohenzollern) in die Maßnahme wurde das Speichervolumen erheblich erhöht, um zusätzliche Funktionen mit erfüllen zu können. Die Talsperre erfüllt heute folgende Aufgaben mit gegensätzlichen Interessen/Anforderungen:

Brauchwassergewinnung​ ​-> ​benötigt viel Wasser in der Sperre
​Naherholung ​-> benötigt einen möglichst gleichmäßigen Wasserstand
​Hochwasserschutz ​-> ​benötigt ein großes Stauvolumen
​Niedrigwasseranreichung ​-> ​benötigt viel Wasser in der Sperre
​Wasserkraft ​-> ​benötigt viel Wasser in der Sperre
 
Die Steuerung der Anlage erfolgt nach einem planfestgestellten Betriebsplan, der einen Kompromiss zur bestmöglichen Erfüllung aller Aufgaben darstellt:

  • Dauerstau mit Stauziel 641 mNN +50 cm Schwankung, verbraucht ca. 266.000 m³ Stauvolumen. Ab 641,50 mNN setzt der planmäßige Hochwasserbetrieb ein.
  • Für den Hochwasserrückhalt stehen ca. 900.000 m³ zu Verfügung. 634.000 m³ (planmäßiger Hochwasserschutzraum) bis zum Beginn der Hochwasserentlastung und nochmal 240.000 m³ (überplanmäßiger Hochwasserschutzraum) bis zur Vollauslastung, Vollstau (Zufluss=Abfluss)
  • Die Anlage hat einen Schutzgrad von HQ25 bzw. HQ55 (bei Vollauslastung)
  • Ab einem Beckenwasserstand  von 641,50 mNN öffnet sich der Kegelstrahlschieber langsam bis auf 20 %. Ins Unterwasser werden 4-5m³/s unabhängig vom Zulauf abgegeben.
  • Ab einem Beckenwasserstand von 644,30 m öffnet sich der Kegelstrahlschieber schrittweise alle 4 cm Aufstau um weitere 2 %.
  • Bei einem Beckenwasserstand von 644,80 m ist der Kegelstrahlschieber 45% geöffnet der Abfluss beträgt ca. 10 m³/s.
  • Bis zum Beckenwasserstand 645,80 m öffnet sich der Kegelstrahlschieber auf 95 % der Abfluss erhöht
  • sich auf ca. 16m³/s.
  • Im Unterlauf sind bereits bei einem Abfluss Q 12 m³/s Schäden (auch am Gewässer und Ufer) zu erwarten.
  • Ab einem Beckenwasserstand von 645,80 m öffnet sich der Kegelstrahlschieber vollständig. Es werden ca. 17 m³/s ins Unterwasser abgegeben.
  • Bei einem Beckenwasserstand von 646,30 m springt planmäßig die Hochwasserentlastung an. Bis zum Vollstau bei 647,50 mNN steht dann noch der überplanmäßige Hochwasserschutzraum zur Verfügung.
  • Die Hochwasserentlastung erfolgt über eine Hangseitenentlastung mit festem Wehr. Mit einer Leistungsfähigkeit bis 190 m³/s ist sie mindestens für ein 10.000-jährliches Ereignis ausgelegt. Eine Überströmung des Dammes ist also sehr unwahrscheinlich.
  • Der Turbinenbypass zur Stromerzeugung hat nur einen Anteil von 0,5 m³/s am Abfluss.

Warum wird die Anlage nicht früher (vor einem Hochwasser) geleert, um zusätzlichen Stauraum zu schaffen?

Voraussetzung wäre eine Leerung mit einem für die Unterlieger schadlosen Abfluss. Bei einem schadlosen Abfluss (Regelsteuerung) 4 m³/s würde es 18-19 Stunden dauern das Becken komplett zu leeren, wenn es keinen Zufluss gäbe. Bereits bei einem Zufluss von 2 m³/s würde sich die Zeit verdoppeln auf 36-38 Stunden. Um die Anlage mit diesem Konzept steuern zu können und anschließend auch die anderen Aufgaben (Stauziel, Dauerstau) wieder erfüllen zu können, bräuchte es eine sehr weit vorausgehende und sehr genaue Vorhersage der zu erwartenden Abflussfülle, die in der Realität nicht möglich ist.
 

Warum wird die Sperre nicht viel schneller (mehr Abfluss Q) geleert?

Bereits beim Steuerwert 12 m³/s sind Schäden im Unterlauf zu erwarten. Eine weitere/schnellere Erhöhung der Abgabe ist daher nicht möglich.
 

Welchen Nutzen hat die Anlage bei Hochwasser?

Ab einem Abfluss HQ55 überlastet die Anlage, Zufluss = Abfluss. Darunter erreicht die Anlage einen Rückhalt (bis zu 900.000 m³) mit Abflachung und Verschiebung der HW-Spitze zum Nutzen der Unterlieger.
 

Fazit:

Eine Änderung des Betriebsplans ist aus den genannten Gründen und der gegebenen Voraussetzungen nicht möglich.
 

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