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Naturschutzgebiete des Regierungsbezirk Freiburg

Orchideen & Wildschweine im Naturschutzgebiet Taubergießen

Fragen und Antworten

​Das Naturschutzgebiet Taubergießen hat eine Größe von 1700 Hektar und wurde 1955 unter Landschaftsschutz und 1979 unter Naturschutz gestellt. Das Naturschutzgebiet ist geprägt von einer außergewöhnlich großen Anzahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und zählt zu den bedeutsamsten und größten Naturschutzgebieten im Land.

Um die Bevölkerung zu informieren, wie seltene Orchideen im Naturschutzgebiet Taubergießen geschützt werden, geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Freiburg Antworten auf häufig gestellte Fragen:

Abschnittsanfang 1. Was tut das Regierungspräsidium Freiburg, um die weiteren Bestände zu schützen?

Aktuell werden in enger Zusammenarbeit mit den Jägerinnen und Jägern die Aktivitäten von Wildschweinen auf den Orchideenwiesen erfasst. Außerdem wurden auf ausgewählten Flächen die Orchideenbestände erhoben. Zudemsteht das RPF in Kontakt mit der Polizei.

Abschnittsanfang 2. Wie können Besucher zum Orchideenschutz beitragen?

Bleiben Sie bitte auf den Wegen, denn Orchideen sind tritt empfindlich. Die Neubeschilderung im Naturschutzgebiet Taubergießen hilft dies umzusetzen. Nach der geltenden Schutzgebietsverordnung ist es für Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes nicht zulässig, die Wege zu verlassen.

Abschnittsanfang 3. Was plant das Regierungspräsidium Freiburg, wenn sich herausstellt, dass Wildschweine die Knollen seltener Orchideen ausgraben?

Wenn dieses Frühjahr Schäden auftreten, plant das Regierungspräsidium Freiburg in Absprache mit den jeweiligen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern den Einsatz von Wildvergrämungsmitteln auf einer Versuchsfläche zu erproben, damit die Wildschweine die Fläche meiden.

Abschnittsanfang 4. Wie wird das Schutzgebiet überhaupt vom RPF betreut und bewacht?

Das Naturschutzgebiet Taubergießen umfasst eine Fläche von fast 1.700 Hektar und ist aufgrund der nahen Anbindung an Kommunen gut zugänglich. Eine flächendeckende Überwachung ist kaum möglich. Naturschutzgebiete lassen sich nicht einzäunen, sie sollen auch der Naherholung dienen. Im Naturschutzgebiet Taubergießen werden im Rahmen der Betreuung Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt. Die Ökologische Station Taubergießen führt Projekte für ökologische Aufwertungen des Gebiets durch.

Abschnittsanfang 5. Thema Ranger: Warum gibt es keine Ranger?

Das Regierungspräsidium Freiburg bemüht sich angesichts der herausragenden Bedeutung des Gebiets und dem hohen Besucherdruck nach wie vor um die Sicherung einer Rangerstelle.

Abschnittsanfang 6. Werden es immer mehr Wildschweine?

Generell nehmen die Wildschweinbestände in vielen Regionen Baden-Württembergs zu. Im Naturschutzgebiet Taubergießen finden Wildschweine ideale Lebensbedingungen vor. Sie finden ausreichend Nahrung und profitieren von milden Wintern. Ob hier die Bestände zugenommen haben, ist schwer einzuschätzen, aber wahrscheinlich.

Abschnittsanfang 7. Welche Auswirkungen hat die Jagd auf die Wildschweine?

Im Naturschutzgebiet Taubergießen wird die fachgerechte Jagd ausgeübt, um die Wildschweinpopulation zu reduzieren und um Schäden in Maßen zu halten.

Abschnittsanfang 8. Werden im Gebiet Drückjagden auf Wildschweine abgehalten?

Im Naturschutzgebiet Taubergießen werden sowohl Drückjagden als auch Ansitzjagden vom Hochsitz aus abgehalten. Die Abschusszahlen liegen dem Regierungspräsidium Freiburg vor und bestätigen das gute Engagement und den Einsatz der Jägerinnen und Jäger.

Abschnittsanfang 9. Zweifel an polizeilichen Ermittlungsergebnissen – Waren es wirklich Wildschweine?

Nach der gründlichen polizeilichen Ermittlung, DNA-Analysen, mikroskopischen Untersuchungen, visuellen Beobachtungen und Expertenbefragungen usw. ergibt sich, dass die "Täter" zumindest in weit überwiegendem Ausmaß Wildschweine waren.

Abschnittsanfang 10. Fressen Wildschweine Orchideen-Knollen?

Wildschweine sind Allesfresser. Sie lieben besonders unterirdische Speicherorgane und fressen auch stärkehaltige Orchideenknollen. Auch aus anderen Gebieten zum Beispiel am Kaiserstuhl, in einem Naturschutzgebiet bei Efringen-Kirchen oder in Österreich ist der Verzehr von Orchideenknollen durch Wildschweine bekannt.

Abschnittsanfang 11. Wieso sind die Blütenstände und Stängel zurückgeblieben?

Wildschweine wählen ihre Nahrung sehr selektiv aus, es ist anzunehmen, dass sie es auf die stärkehaltige Knolle abgesehen haben und mit ihren Schneidezähnen den Stängel abtrennen können.

Abschnittsanfang 12. Wie kommt es, dass die Wildschweine ausgerechnet Spinnen- und Hummel-Ragwurz gefressen haben?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regierungspräsidiums haben beobachtet, dass auch die Knollen anderer Orchideenarten von Wildschweinen ausgegraben und gefressen wurden, wie z. B. Brand- und Helmknabenkraut. Auch deren abgetrennte Stängel mit Blütenständen haben die Wildschweine in den Grabungslöchern zurückgelassen.

Abschnittsanfang 13. Warum waren die Größen der Ausgrabungslöcher identisch?

Von der Polizei konnte keine identische Größe, aber eine Ähnlichkeit der Ausgrabungslöcher festgestellt werden. Das könnte daran liegen, dass Wildschweine sich zeitweise in gleichaltrigen Gruppen aufhalten mit ähnlicher Körper- und Schnauzengröße.

Abschnittsanfang 14. Was sind die Effekte und Folgen für die Orchideenbestände?

Es ist bisher nicht untersucht, ob sich das Ausgraben der Orchideenknollen durch Wildschweine maßgeblich auf die Orchideenpopulationen auswirkt. Würde es mehrere Jahre hintereinander in einem großen Umfang stattfinden, so sind negative Auswirkungen auf die Population sehr wahrscheinlich. Da Orchideen eine sehr große Zahl von Samen bilden und mit dem Wind ausbreiten, können sie sich auf geeigneten Standorten gut vermehren. Zudem bilden nicht alle Knollen einen Blütenstand, so dass wahrscheinlich ein Teil der Knollen nicht ausgegraben wird. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass die Populationen der durch Wildschweinfraß dezimierten Orchideenarten komplett aussterben. Beobachtungen im Kaiserstuhl und im Elsass zeigen, dass Jahre nach einem Wildschweinfraß wieder Individuen von Orchideen in den Flächen gefunden wurden, deren Populationen zuvor stark rückläufig waren.

Abschnittsanfang 15. Welche Strafen gäbe es für "zweibeinige" Schweine bzw. Diebstahl von Orchideenknollen durch Menschen?

Die seltenen Spinnen- und Hummelragwurze gehören nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Das vorsätzliche Entnehmen sowie das vorsätzliche Zerstören von Orchideen kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Verstöße gegen die Naturschutzgebietsverordnung können mit einer Geldbuße bis 50.000 EUR geahndet werden.

Abschnittsanfang 16. Stecken kriminelle Machenschaften von dubiosen Händlern dahinter?

Die Polizei ist vielen Hinweisen nachgegangen, unter anderem auch der Gewinnung von Salep, einem Getränk aus Orchideenknollen. In der Türkei sind einige Orchideenarten durch Gewinnung von Salep tatsächlich stark gefährdet. Die Ernte erfolgt in der Regel nach der Blütezeit, sonst sind die Knollen zu bitter. Die Vorkommnisse im Taubergießen ereigneten sich zur Blütezeit. Es spricht derzeit nichts dafür, dass die Gewinnung von Salep in Deutschland wirtschaftlich interessant sein könnte. Ein Pflanzenhandel ist unwahrscheinlich, da Orchideen auf die örtliche Bodenstruktur angewiesen sind und das Gros der Knollen sehr wahrscheinlich nicht anwachsen würde.

Abschnittsanfang 17. Sollte eine Nachzucht oder Aussaat der verlorenen Pflanzen (Spinnen-Ragwurz) erfolgen?

Derzeit gibt es noch keine Hinweise auf eine deutliche Verschlechterung der Orchideenbestände im Naturschutzgebiet Taubergießen. Viele der Orchideenwiesen befinden sich in einem guten Erhaltungszustand. Eine ressourcen- und kostenintensive "Rettungsaktion für Orchideen" in Form einer Nachzucht oder Aussaat ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angedacht.

Abschnittsanfang 18. Ist ein Rückgang der Orchideenpopulation im Frühjahr 2020 zu erwarten?

Durch natürliche Schwankung der Anzahl blühender Knollen können dieses Jahr weniger Orchideen in der Blüte stehen. Dies ist für viele Orchideenarten sehr typisch und hängt v. a. von der Witterung ab. Die Entwicklung der Orchideenbestände muss aber aufmerksam beobachtet werden.

Abschnittsanfang 19. Könnte es nach der medialen Aufmerksamkeit zu Trittbrettfahrern kommen?

Das mediale Echo im letzten Jahr könnte das Interesse möglicher Täter geweckt haben. Durch die Medien ist die Bevölkerung auch sensibilisiert worden, um deren Unterstützung das Regierungspräsidium Freiburg und die Polizei bei Auffälligkeiten bitten.