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RP Freiburg, Umwelt
  • Abteilung 5
    15.10.2020
    Kein Durchkommen mehr für Signalkrebse
    Krebsschutzblech im Merzhausener Mühlbach soll einheimische Krebse im Oberlauf vor der Krebspest bewahren
     Das Krebsschutzblech im Merzhausener Mühlbach soll einheimische Krebse im Oberlauf des Bachs vor der Krebspest bewahren. Foto: RPF

    Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) hat in den vergangenen Tagen ein Krebsschutzblech im Merzhausener Mühlbach (Breisgau-Hochschwarzwald) einbauen lassen. Dieses rutschige Hindernis, das die Firma Sulzberger aus Freiamt unter tatkräftiger Mithilfe der Naturschutzexperten im RP eingebaut hat, sollen einheimische Krebse im Oberlauf des Bachs vor der Krebspest bewahren.     

    Geschützt werden sollen die seltenen Arten Edelkrebs und Steinkrebs. Im Mühlbach und dessen Zuflüsse im Hexental gibt es noch einen sehr großen und überregional bedeutenden Steinkrebsbestand. „Es war Gefahr im Verzug. Die invasiven, gebietsfremden Signalkrebse sind im Unterlauf schon sehr stark verbreitet“, erklärt der Biologe Gabriel Rösch vom RP.   

    Mit dem Krebsschutzblech sollen nun wenigstens die Edelkrebse und Steinkrebse im Oberlauf geschützt werden. Am Ufer wurde auch ein Schild angebracht, welches Passanten über den Sinn und Zweck der Maßnahme informiert. Der Signalkrebs, man erkennt ihn an der roten Unterseite seiner Scheren sowie an weißen Flecken an der Oberseite, ist nur Überträger der Krebspest. Der Einwanderer aus Amerika erkrankt selbst nicht. Für die einheimischen Krebsarten indes verläuft die Krankheit immer tödlich. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass das Krebsschutzblech und das Gewässer nicht betreten wird und keine Krebse entnommen oder umgesetzt werden“, bittet Rösch die Bevölkerung um Mithilfe.   

    Unabhängig davon, ob der Signalkrebs mit der Krebspest infiziert ist, wird er aufgrund seiner Konkurrenzstärke und seiner hohen Ausbreitungs-geschwindigkeit den Steinkrebs aus dem gesamten Fließgewässersystem verdrängen. Aus diesem Grund wurde nun das Krebsschutzblech auf einen Absturz im Gewässer installiert.    

    Das Prinzip des Krebsschutzblechs ist einfach: Die Krebse, und dies betrifft alle Arten, finden auf dem rutschigen Blech keinen Halt und können deshalb nicht mehr in den Oberlauf des Gewässers gelangen. Eigentlich ist man für die Durchgängigkeit und gegen Sperren und Abstürze in Flussläufen, doch der Schutz der gefährdeten Arten sei hier das höherrangige Ziel, erklärt Rösch. Möglicherweise können die sprungfähigen Bachforellen das Hindernis überwinden. Die Krebsbestände im Mühlbach werden bereits seit mehreren Jahren durch einen von der Naturschutzbehörde beauftragten Experten kartiert und beobachtet. Dieser wird auch künftig die Wirksamkeit des Krebsschutzblechs beobachten und begleiten.    

    Der Steinkrebs wird als prioritäre Art der FFH-Richtlinie geführt und steht auf der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdete Art. In Deutschland kommt der Steinkrebs nur in Baden-Württemberg und Bayern vor. Schwerpunkt sind im Regierungsbezirk Freiburg der Schwarzwald und verschiedene Zuflüsse von Dreisam und Glotter. Positive Erfahrungen mit Krebsschutzblechen wurden von der Naturschutzverwaltung in der Region bereits im Wehratal und an der Kander gesammelt. Finanziert wurde das Krebsschutzblech, das inklusive Einbau 10.000 Euro gekostet hat, mit Naturschutzmitteln im Rahmen des Sonderprogramms zur Stärkung der Biologischen Vielfalt im Land Baden-Württemberg.

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