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RP Freiburg,  Schule und Bildung
  • Abteilung 7
    20.06.2018
    SCHULE: Gelungene Dienstbesprechung aller Schulleitungen des Landkreises Lörrach zum Thema „Antisemitismus und Alltagsdiskriminierung“

    ​Pressemitteilung Landratsamt, RP Freiburg, Staatliches Schulamt Lörrach

    Dienstbesprechung mit den Schulleitungen im Landkreis Lörrach zum Thema „Anti-semitismus und Alltagsdiskriminierung als Herausforderung – Pluralitätsfähigkeit entwickeln.“

    „Wir müssen uns zuständig fühlen für antisemitische und andere diskriminierende Äußerungen und Haltungen.“ Dieses klare Signal war ein Ergebnis einer ganztägigen schulartübergreifenden Dienstbesprechung der Schulleiterinnen und Schulleiter im Landkreis Lörrach, die am 14. Juni 2018 im Kreistagssaal des Landratsamtes mit Vertreterinnen und Vertretern des Landkreises sowie der Schulverwaltung stattfand. In ihrer Eröffnung betonte Landrätin Dammann, dass eine aktuelle Regionalstudie belege, dass es auch im Landkreis Lörrach „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gebe. Vizeschulpräsident Milsch betonte, dass es eine Aufgabe der Schulen sei, sich mit diesem Phänomen in reflektierender und erzieherischer Absicht auseinanderzusetzen. Deshalb, so erläuterte Frau Dr. Binder vom Regierungspräsidium Freiburg, sei auch die Dienstbesprechung in Kooperation mit dem Landkreis und dem Kultusministerium organisiert worden. 


    Der Vormittag startete mit einem Vortrag von Prof. Dr. Boschki von der Universität Tübingen, der sich mit den vielfältigen Formen des modernen Antisemitismus auseinandersetzte. Er machte deutlich, dass es in unserer Gesellschaft antisemitische Vorfälle gibt und dass es darauf ankommt, wie wir damit umgehen, also welche Reaktionen und Sprache wir als Antwort finden. Mit dem Ziel, die Pluralitätsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern zu entwickeln, plädierte Prof. Boschki für eine interreligiöse Sensibilisierung und die Förderung der Perspektivenübernahme, und er führte dabei vor, wie es gelingen kann, mit Biographien zu berühren.
    Anschließend moderierte Prof. Dr. Hermann, am Kultusministerium zuständig für Religionsangelegenheiten, ein Gespräch zwischen dem neu ernannten Landesbeauftragten gegen Antisemitismus, Dr. Blume, und dem Landesrabbiner Flomenmann. Es zeigte sich, dass nicht nur antisemitische, sondern gruppendiskriminierende Äußerungen im Allgemeinen von Menschen getätigt werden, die auch Anhänger globaler Verschwörungstheorien sind und sich eher selten zu differenzierteren Betrachtungen bemühen, sondern eher pauschal und ohne Beleg bestimmte Gruppen verurteilen.

    Wie wichtig es ist zu diskutieren, Einstellungen zu hinterfragen, Meinungen zu enttabuisieren, aufzuklären und Stereotypisierungen zu überwinden, belegten auch die Äußerungen zweier junger jüdischer Erwachsener, die von Prof. Dr. Hermann zu ihren alltäglichen Erfahrungen mit Beleidigungen und Bedrohungen interviewt wurden. Auf beeindruckende Weise schilderten sie ihr Engagement für LIKRAT (hebräisch: aufeinander zugehen), einem Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland, das es deutschlandweit ermöglicht, junge jüdische Menschen in den schulischen Unterricht einzuladen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

    In den verschiedenen Foren am Nachmittag standen Fachgespräche und Informationen im Mittelpunkt: Es ging um Antisemitismus in jugendlichen Lebenswelten, um Toleranzförderung, Extremismus- und Radikalisierungsprävention, um rechtliche Rahmenbedingungen zu Religion und Religiosität im schulischen Raum sowie um Präventionsprogramme und Empowerment-Strategien zur Abwehr von antisemitischen Äußerungen und antisemitisch konnotierter Gewalt.
    Zum Abschluss bilanzierten unter der Moderation von Schulamtsleiter Dr. Friede-mann Schulleiterinnen und Schulleiter der Schularten in ihren Stellungnahmen den Gewinn dieser themenorientierten Dienstbesprechung mit ihren konkreten Impulsen für die weitere schulische Arbeit und den Diskurs im Kollegium.

    Mit dieser Veranstaltung wurde im Landkreis Lörrach der Anfang gemacht, es sollen noch weitere Dienstbesprechungen dieser Art landesweit folgen. Denn die Erziehung zur Demokratie und die Debatten über die Wege zur Integration müssen je nach Situation in demokratisch verfassten Zivilgesellschaften immer wieder neu aufgenommen werden.