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  • Abteilung 9
    16.02.2018
    Regierungspräsidium Freiburg veröffentlicht Einschätzung zur Lage an der L 148 im Wehratal (Kreis Waldshut)

    Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) beim Regierungspräsidium Freiburg hat zur aktuellen Lage an der Wehratalstraße (L 148) im Kreis Waldshut einen Lagebericht erstellt, der auch im Internet einsehbar ist. Das Landratsamt Waldshut hat auf seiner Homepage eine Pressemitteilung herausgegeben, auf die verwiesen wird:
    http://www.landkreis-waldshut.de/aktuelles-presse/2017/07/sofortige-sperrung-der-l-148-im-wehratal-auf-unbestimmte-zeit/

    Die Sicherungsmaßnahmen können zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgenommen werden, da der Felshang zurzeit wegen Eis nicht gefahrlos zugänglich ist.
    Diese Stellungnahme ist ab Montag auch im Internet zu finden:
    https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpf/Abt9/Seiten/default.aspx; Rubrik: Aktuelles

    Für die Presse hier die Stellungnahme von Dr. Clemens Ruch zum Wehratal im Wortlaut:

    Ein während Beräumungsarbeiten der vor Weihnachten 2017 aufgetretenen Rutschung entdeckter labiler Felsblock ist unmittelbar absturzgefährdet. Auf Grund der beschriebenen Gefährdung der Wehratalstraße (Gefahr im Verzuge) hat das LGRB empfohlen, die Straße ab sofort bis zur vollständigen Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen voll zu sperren.
     
    Bereits vor Weihnachten 2017 kam es im Umfeld der aktuellen Gefahrenstelle zu einem Erdrutsch, bei dem ca. 60–80 m³ Hangschuttmaterial vermengt mit einzelnen Felsblöcken bis auf die Fahrbahn abgerutscht sind. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) hatte daraufhin dem für die Verkehrssicherheit zuständigen Straßenbauamt am Landratsamt Waldshut (LRA) empfohlen, die Rutschmassen im Hanggelände zu entfernen sowie die in der oberen Abrissnische erkennbaren labilen Felsblöcke abzutragen. Bei diesen Beräumungsarbeiten kam es am 07.02.2018 zu einem Felsabsturz, der bis in den Verkehrsraum der L 148 gelangte.
     
    Im Zuge der weiteren Beräumungsarbeiten hat die ausführende Fachfirma das Straßenbauamt über einen weiteren labilen Felsblock im Oberhang in Kenntnis gesetzt. Nach Benachrichtigung durch das Straßenbauamt hat das LGRB am 15. Februar 2018 den benannten Bereich vor Ort begutachtet.
     
    Das LGRB hat dabei festgestellt, dass im Kronenbereich der nordnordöstlich von der aktuellen Rutschung hoch aufragenden Steilwandkulisse mehrere Felsblöcke (Kluftkörper zwischen1 m³ und 6 m³ Rauminhalt, mit eingewachsenem Nadelbaum) vorhanden sind, die offensichtlich allein auf Reibung liegen und als unmittelbar absturzgefährdet zu beurteilen sind. Aufgrund der hohen Unfallgefahr hat das LGRB als Sofortmaßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr empfohlen, den labilen Abschnitt mittels einer hochscherfesten Drahtseil-Netzschürze dauerhaft gegen Absturz zu sichern. Hierzu ist eine systematische Rückverankerung der Netzschürze mittels Felsnägeln in kompaktem Mutterfels erforderlich.
     
    Auf Grund der beschriebenen Gefährdung (Gefahr im Verzuge) hat das LGRB empfohlen, die Wehratalstraße ab sofort bis zur vollständigen Umsetzung dieser Sicherungsmaßnahme voll zu sperren. Derartige Sicherungsmaßnahmen mussten in den zurückliegenden Jahren bereits mehrfach vorgenommen werden und werden auch zukünftig fallbezogen immer wieder erforderlich sein. Die Sicherungsarbeiten können jedoch erst aufgenommen werden, sobald die zu sichernden Wandflächen eisfrei und gefahrlos zugänglich sind. Bis zum Abschluss dieser Sicherungsmaßnahmen muss die Straße aus Sicherheitsgründen gesperrt bleiben.
     
    Die Landesstraße L 148 verläuft zwischen Wehr (Wehrabecken) und Au (Wehratalsäge) im Nordost-Südwest verlaufenden, teils canyonartig eingeschnittenen Wehratal. Charakteristisch für das Wehratal sind schroffe, sehr hohe Felswände, die unmittelbar am Straßenrand aufragen.
     
    Wie auch die übrigen zum Hochrhein entwässernden Südschwarzwälder Täler, ist das Wehratal durch intensive Erosionsprozesse geprägt, die aus dem großen Höhenunterschied auf kurzer Strecke des Tales resultieren. Vom Wehrabecken bis nach Au überwindet die Wehratalstraße auf 9 km Länge eine Höhendifferenz von bis zu 270 Höhenmetern.
     
    Wie alle Straßen, die an steilen Felsböschungen entlang führen, ist auch die L 148 immer wieder von Abrutschungen des Hangschutts und von Steinschlag- oder Felssturzereignissen betroffen. Diese Schadensfälle sind in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühling sowie nach lang anhaltenden Niederschlagsperioden besonders häufig. Zuweilen lösen sich auch große, in der Regel an Klüften offen oder latent abgetrennte Wandscheiben oder Schalen vom Mutterfels. Dieser Prozess hat seine Ursache in der mechanischen Auflockerung des Felsgefüges aufgrund vorwiegend physikalischer Prozesse (Kluftwasser-, Eis- und Wurzeldruck), die auch mit hohem technischem Aufwand nur verzögert, letztlich aber nicht verhindert werden können. Mit Massenbewegungen dieser Art versucht die Natur, ein durch die Taleintiefung entstandenes übersteiltes Relief abzuflachen.
     
    Hinweis für die Medien:
    Aufgrund verschiedener Nachfragen verweisen wir nochmals auf den Link zum Albtal: Die beiden „Fälle“ Albtal und Wehrtal unterscheiden sich grundsätzlich.
     
    Das ingenieurgeologische Gutachten zum Albtal aus dem Jahr 2015 finden Sie hier:
     


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