Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Sie sind hier: RP Internet »Freiburg »Pressemitteilung
Startseite des Internetauftritts des Regierungspräsidiums Freiburg

Schnellstart

  • Abteilung 4;Abteilung 9
    06.03.2019
    Regierungspräsidium Freiburg stellt der politischen Begleitgruppe zur A 98.6 in Bad Säckingen die Ergebnisse der Heilquellenuntersuchungen vor
    Heilquellenschutz allein ist kein Ausschlusskriterium bei der Variantenauswahl // Analyse zum Risiko verschiedener Varianten für die Heilquellen liefert erste Daten für die Variantenbewertung

    Das Regierungspräsidium Freiburg hat am Freitag, den 1. März die Politische Begleitgruppe zur Planung der A 98.6 über die Ergebnisse der Heilquellenuntersuchungen im Bereich Bad Säckingens informiert. Diese Gruppierung aus Abgeordneten, Behördenvertretern, Bürgermeistern, Verbänden und Bürgerinitiativen begleitet den Planungsprozess bereits seit dem Bürgerforum 2013.

    Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer: „Wir lösen unsere Zusage ein und stellen die hydrogeologischen Ergebnisse noch im ersten Quartal 2019 vor. Die Untersuchungen und Bewertungen haben sich als komplexer und langwieriger erwiesen als zunächst absehbar gewesen war. Sie liefern uns jetzt aber wertvolle Erkenntnisse für sämtliche Trassenvarianten bezüglich eines potenziellen Risikos für die Heilquellen in hydrogeologischer Hinsicht, die für die weitere Planung hilfreich sein können. Mit diesen Daten ist zwar noch keine endgültige Aussage zur abschließenden planerischen Bewertung der Varianten nach sämtlichen Gesichtspunkten möglich. Sie bieten der DEGES, die die Planungen seit 2018 übernommen hat, jedoch die erforderliche Grundlage für die Ermittlung der Vorzugsvariante.“

    Der Heilquellenschutz ist neben anderen Belangen wie etwa Lärmschutz, Natur- und Artenschutz, Geologie, Kosten und Wirtschaftlichkeit maßgebend für die Entscheidung, welche Trassenvariante weiterverfolgt werden soll. Das Geotechnische Institut Weil hat im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg die notwendigen Datengrundlagen erhoben, damit untersucht werden konnte, welche Auswirkungen mögliche Trassenvarianten auf die drei Heil¬quellen in Bad Säckingen haben können. Damit setzte das Regierungs¬präsidium Freiburg einen Wunsch aus dem Bürgerforum zur A 98 um. Die Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger sowie auch der Fachleute hatten damals gezeigt, dass dem Schutz der Heilquellen in der Region eine „hohe Bedeutung für die Variantenuntersuchung“ beigemessen wird.

    18 Bohrungen hat es gegeben, die im Anschluss zu Grundwassermessstellen ausgebaut wurden, davon fünf bis zu 200 Meter tief und weitere 13 an Referenzpunkten der verschiedenen Trassenvarianten. Im Februar 2018 lag dazu ein erster Zwischenbericht des Ingenieurbüros vor, der im Dezember 2018 abgeschlossen wurde. Die Stadt Bad Säckingen hat parallel dazu in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium 13 eigene Bohrungen zwischen Mai 2014 und Februar 2018 durch das Büro HydroGeoPlus vornehmen lassen. Auf der Grundlage aller erhobenen Daten haben die Experten des Regierungs¬präsidiums vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau dann diesen Januar und Februar die fünf derzeit in Betracht kommenden Trassenvarianten für die A 98.6 auf ihr potenzielles Risiko für die Heilquellen in Bad Säckingen bewertet.

    Das Regierungspräsidium Freiburg hat mit dieser Untersuchung detaillierte Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit im Heilquellenschutzgebiet um Bad Säckingen erhalten. Die Beschaffenheit und Herkunft der Heilquellen Bad Säckingens setzt sich im Wesentlichen aus drei Komponenten zusammen, von denen eine („Nord“) durch die Planungen zur A 98 betroffen ist. Vor allem konnten aber sogenannte „sensible Bereiche“ für eine mögliche Trassenführung der A 98 identifiziert werden. Dabei handelt es sich um für die Region Bad Säckingen in geologischer Hinsicht prägende Eigenschaften wie tiefe quartäre Rinnen mit hoher Durchlässigkeit wie zum Beispiel im Gewerbebachtal, die sogenannte Eggberg-Störung, die am östlichen Rand des Heilquellen¬schutz¬gebiets verläuft, sowie Bereiche, in welchen Grundwasser in die Tiefe sickern kann. In Säckingen selbst dient darüber hinaus der Granit als eigentlicher Leiter des Thermalwassers.

    Ausgehend von diesen Daten hat das Regierungspräsidium Freiburg eine Risikoanalyse für potenzielle Beeinträchtigungen der Heilquellen in Bad Säckingen durchgeführt. Dahinter verbergen sich sowohl quantitative Risiken wie ein Absinken des Wasserstandes an den Heilquellen als auch qualitative Risiken wie nachteilige Veränderungen der Zusammensetzung des Wassers durch den Eintrag von Schad- und Trübstoffen.

    „Die Beurteilung der Trassen erfolgte zunächst ohne die Berücksichtigung besonderer Schutzvorkehrungen und technischer Maßnahmen zur Risikominimierung. Daher gibt es derzeit für keine der Varianten ein absolutes K.O.-Kriterium, womit zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Vorab-Entscheidung für die Berg- oder Taltrasse getroffen werden kann“, so Thilo Thum vom zuständigen Referat für Landeshydrogeologie und -geothermie. „Auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kann also noch keine abschließende Aussage getroffen werden, welche Trasse besser als die andere ist. Dafür ist jetzt im nächsten Schritt eine konkrete Trassenplanung inklusive möglicher Schutzmaßnahmen erforderlich. Was wir nun aber erreicht haben, ist eine genaue Analyse, wo im Zuge der weiteren Planungen die Knackpunkte für den Heilquellenschutz liegen.“

    Die Bewertung des potentiellen Risikos wurde entlang der verschiedenen Trassen vorgenommen. Maßgebend waren Kriterien wie etwa die Höhe der Überdeckung des Geländes oder der Typ des Gesteins. Was kam dabei genau heraus? Der Trassenverlauf der Röthekopftrasse verläuft nur auf relativ kurzer Strecke in sensiblen Bereichen und gewährleistet aufgrund ihrer Höhenlage einen natürlichen Schutz des Grundwassers. Die Kombitrasse ist aus hydro¬geologischer Sicht im östlichen Bereich für den Heilquellenschutz unproblematisch, wogegen im westlichen Bereich aufgrund eines im Grundwasser verlaufenden Tunnels ein sehr hohes Risiko besteht. Die beiden Varianten, die nach Aufgabe des Pumpspeicherkraftwerks Atdorf nun ebenfalls Teil des Variantenvergleichs sind (nördliche Bergseevariante und Haselbach¬variante), liegen beide insbesondere im Osten des Heilquellenschutzgebiets in sensiblen Bereichen. Die südliche Bergseevariante weist schließlich aufgrund ihrer exponierten Lage nahe an der Stadt Bad Säckingen hohe Risiken auf.

    Wie geht es weiter? Die Planungen des Abschnitts A 98.6 wurden im April 2018 vom baden-württembergischen Verkehrsministerium an die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) übergeben. Die DEGES wird, wie bereits im vergangenen Dezember in der Waldshuter Plattform geäußert, nun die Variantenuntersuchung durchführen. Hierbei werden zunächst für alle relevanten Themenbereiche Erhebungen und Bewertungen durchgeführt. Für den Schutz der Heilquellen wird die DEGES auf Basis der jetzt vorliegenden Daten Schutzmaßnahmen zur Vermeidung oder Minimierung des potenziellen Risikos überprüfen. Darüber hinaus werden diverse weitere Untersuchungen zur Ermittlung der übrigen relevanten Belange eingeholt, wie etwa zu den verkehrlichen Auswirkungen, zu Natur- und Artenschutz, zu den geologischen Verhältnissen und zur Wirtschaftlichkeit.

    Anschließend werden die Trassenvarianten nach einem standardisierten Verfahren (sog. „RE 2012“) im Rahmen einer umfassenden Gesamtabwägung miteinander verglichen. Die nun bereits vorliegenden hydrogeologischen Ergebnisse des Regierungspräsidiums Freiburg werden hierfür ebenfalls verwendet. Sie werden der DEGES in Form eines umfangreichen Berichts zur Verfügung gestellt, der dann auch auf den Internetseiten der Behörde abrufbar sein wird. „Unser Ziel ist und bleibt, bis Ende 2020 eine Vorzugsvariante zu erarbeiten“, so der bei der DEGES zuständige Projektleiter Johannes Kuhn.

    Übersichtsplan zur "Heilquellenuntersuchung" A 98.6 Bad Säckingen

Pressestelle


Regierungspräsidium Freiburg
Pressestelle
79083 Freiburg



Heike Spannagel
Pressereferentin
Telefon 0761 208-1038
Telefax 0761 208-1006
heike.spannagel@rpf.bwl.de

Stellvertretung


Matthias Henrich
Stellv. Pressereferent
Telefon  0761 208-1039
EMail matthias.henrich@rpf.bwl.de