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RP Karlsruhe, Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Veterinär- und Lebensmittelwesen
  • Abteilung 3
    16.01.2020
    ​ Jahresbilanz am Fischpass in Iffezheim: Aufstiegsjahr 2019 zufriedenstellend - Aalbestand im Rhein erholt sich leicht

    2019 war aus Sicht der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe ein zufriedenstellendes Jahr für die Fischwanderung im Rhein. Das zeigt sich in der Jahresbilanz 2019 der Fischzählungen am Fischpass in Iffezheim. Es wurden insgesamt deutlich über 100.000 Fische von 24 Fischarten beim Aufstieg erfasst. Diese Zahl entspricht nahezu dem Dreifachen des langjährigen Durchschnitts seit der Inbetriebnahme des Fischpasses im Jahr 2000. Erfreulich ist dabei auch die Erholung des Aalbestandes im Rhein.

    Dr. Frank Hartmann, Fachmann für das Fischereiwesen im Regierungspräsidium Karlsruhe, erläuterte: „Die Bilanz bleibt nur bei den Großsalmoniden Lachs und Meerforelle sowie dem Meerneunauge unter unseren Erwartungen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und vermutlich auch auf die jeweilige Wasserführung zu Wanderzeiten zurückzuführen.“

    72 Atlantische Lachse, 33 Meerforellen, 31 Meerneunaugen sowie 32 Maifische standen 2019 auf der Beobachtungsliste der Fischereibehörde. Alle vier Arten verbringen den größten Teil ihres Lebens im Meer und ziehen im Winter beziehungsweise im Frühjahr den Rhein zum Laichen hinauf. Der Bestand der Maifische hat sich dabei leicht erholt, beim Lachs geschieht dies im Süßwasser nach wie vor nur zögerlich. Als Hauptursachen dafür wurden die weiterhin vielerorts bestehenden Wanderhindernisse und die fehlenden Fischschutzeinrichtungen an Wasserkraftanlagen identifiziert. Auch der fischfressende Kormoran, dessen Bestand am Oberrhein im Jahr 2019 abermals zugenommen hat, hat einen negativen Einfluss auf den Fischbestand. Diese noch bestehenden Störungen sind in den kommenden Jahren sukzessive zu beheben.

    Einen eindeutig positiven Trend zeigen die Zählungen beim Europäischen Aal. Im Jahr 2019 wurden rund 84.500 aufsteigende Aale in Iffezheim gezählt. Diese erfreuliche Entwicklung begann bereits 2018, als die Aufstiegszahl mit über 113.000 Aalen sogar erstmals sechsstellig war. In den Vorjahren lag der Aalaufstieg im langjährigen Mittel bei lediglich 15.000 Aalen. Gründe für diese positive Entwicklung sind nach Einschätzung des Regierungspräsidiums der bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich durchgeführte Aalbesatz im Rhein sowie das vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg erlassene Aalfangverbot am Rhein. Zudem hat der Umbau des Fischpasses Ende 2018 die Aufstiegsbedingungen für Fische grundsätzlich verbessert. Basierend auf den Auswertungen der eigenen Versuchsfischereien sowie den Berichten der Erwerbsfischerei, geht das Regierungspräsidium inzwischen von einer sichtbaren Erholungstendenz beim Aalbestand im Rhein aus. Entwarnung für den Aal gibt es jedoch noch nicht. Denn erst mit circa sieben Jahren erreichen Aale ihre Geschlechtsreife. In dieser Zeit kann viel passieren, was die Entwicklung des Aalbestandes wieder beeinträchtigen könnte.

    Häufig im Fischpass vertreten waren 2019 auch die typischen Flussfische: Unter anderem die Fischarten Ukelei (5.059 Tiere), Brachse (4.687 Tiere), Nase (rund 3.000 Tiere), Rapfen (2.116 Tiere) und Barbe (1.954 Tiere). Die Nase, eine wenig bekannte Grundfischart, kommt im Rhein vergleichsweise häufig vor. Bundesweit ist sie allerdings aus vielen Gewässern verschwunden oder hochgradig gefährdet und wurde daher als Fisch des Jahres 2020 gewählt.

    Durch den Umbau des Fischpasses 2018 und der damit verbundenen Reduzierung der Strömung wurden die Bedingungen für die schwimmschwachen Fischarten in den einzelnen Schwimmbecken des Fischpasses erleichtert. Fischarten wie Hecht, Schleie und Zander traten dadurch wieder vereinzelt im Fischpass auf.

    Hauptaufstiegszeiten für Fische in Iffezheim waren im Jahr 2019 wiederum die Monate März bis September. Mit durchschnittlich 1.800 Fischen pro Tag war der Juni der stärkste Aufstiegsmonat. Die aktualisierten Ergebnisse der Fischaufstiege in Iffezheim werden regelmäßig auf der Homepage der gemeinnützigen Gesellschaft Wanderfische Baden-Württemberg (WFBW) veröffentlicht.

    Weiterführende Informationen zum Fischpass:
    Der Fischpass am Rheinkraftwerk Iffezheim ist ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt und der unterste Rheinfischpass von derzeit vier aufeinander folgenden Fischtreppen im Rhein. Ohne ihn könnten Fische den Rhein und seine Zuläufe flussaufwärts der Staustufe Iffezheim nicht erreichen und der genetische Austausch beispielsweise zur französischen Ill oder in die badische Rench und Kinzig wäre unterbrochen. Das Stauwehr Iffezheim stellt eine unüberwindbare Barriere für aufwärtswandernde Fische dar. Der Fischpass Iffezheim ist damit eine Art Bypass für Fische, welcher einen kleinen Wanderkorridor eröffnet. Es handelt sich um ein Betonbauwerk aus 37 großen Wasserbecken, die jeweils 30 Zentimeter Höhenunterschied zueinander haben und über 45 Zentimeter breite Schlitze miteinander verbunden sind. In dem Fischpass läuft ein konstanter Abfluss von rund 1.200 Litern in der Sekunde. Wanderwillige Fische können entgegen der Strömung durch die Schlitze von einem Becken in das andere wandern. Wenn Fische das letzte Becken durchquert haben, haben sie den Höhenunterschied der Staustufe Iffezheim von rund 11 Meter überwunden. Am oberen Ende des Fischpasses befindet sich der Beobachtungskanal mit Glasscheibe, durch den die Fische schwimmen müssen. Dort werden sie von einer Videokamera gefilmt, identifiziert und gezählt. Zusätzlich können mit einer Reuse Fische für Untersuchungen gefangen werden. Die wissenschaftliche Begleitung des Fischpasses sowie die jeweiligen Fischartenschutzprogramme koordiniert die Fischereibehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe. Partner der Fischereibehörde in Iffezheim sind der Landesfischereiverband Baden-Württemberg, die Agence française pour la biodiversité der Region Grand Est, das Rheinkraftwerk Iffezheim und die Energie Baden-Württemberg (EnBW).

    Eine Besichtigung des Fischpasses Iffezheim ist in den Monaten April bis Juni wegen der dann hohen Fischaktivitäten empfehlenswert und kann für Gruppen bis zu 60 Personen beim Zentralen Besuchermanagement der EnBW angefragt werden.

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