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RP Karlsruhe, Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Veterinär- und Lebensmittelwesen
  • Abteilung 3
    12.04.2017
    Durststrecke der Murg nach 100 Jahren beendet
    Regierungspräsidium Karlsruhe erweckt Murg zum Leben

    Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat im Zusammenhang mit der ökologischen Aufwertung der Murg einen Durchbruch erzielt. An allen großen Wasserkraftanlagen der Murg (Kirschbaumwasen, Forbach, Wolfsheck, Breitwies und Schlechtau) wurden inzwischen Vereinbarungen getroffen, die bereits jetzt zu einem deutlich besseren ökologischen Zustand der Murg führen oder in absehbarer Zeit führen werden.

    Die Murg zwischen Baiersbronn und Rastatt hat eine spannende Geschichte. Sie war einst eine frei fließende, wilde Naturschönheit und zudem der bedeutendste Lachsfluss am Oberrhein. In den letzten Jahrhunderten lebten zahlreiche Familien im Tal vom Lachs und anderen Fischarten, welche aus dem Rhein einwanderten und ihnen ein bescheidenes Auskommen ermöglichten.
    „Nachweislich stiegen noch im vorletzten Jahrhundert tausende laichbereite Lachse in der Murg auf, einige sogar bis Baiersbronn“, berichtet Frank Hartmann von der zuständigen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

    Mit Inbetriebnahme der Rudolf-Fettweis-Werke in Forbach im Jahr 1918 wurde die Stromproduktion etabliert und damit die Industrialisierung im Murgtal vorangetrieben. Wo vormals Flößer, Sägewerker und Müller ihren Dienst verrichteten, wirkten zunehmend größere Holz- und Papierwerke. Die ehemaligen Mühlen wurden zu leistungsfähigeren Wasserkraftanlagen umgebaut, welche das Wasser der Murg aufstauten und in Kanälen zu den Turbinen ausleiteten. Die damit einhergehende Intensivierung der Nutzung des Murgwassers blieb nicht ohne Folgen für das Leben im und am Gewässer. Die Wasserqualität verschlechterte sich durch Einleitungen zusehends und die Zahl der für Fische unüberwindbaren Barrieren nahm ebenfalls zu. Zudem entnahmen die Wasserkraftanlagen im Sommer nahezu sämtliches Wasser, so dass viele Kilometer Gewässerstrecke über Wochen und Monate trocken fielen. In einem solchen lebensfeindlichen Umfeld starben zahlreiche Tierarten aus, nicht zuletzt auch der Atlantische Lachs. Die ehemals so prächtige Murg verkam zur unbeachteten ökologischen Einöde.

    100 Jahre lang fristete die Murg ein Dasein als Abwasserfluss und man gewöhnte sich an das Bild des trockenen oder mit Algen zugewachsenen, stinkenden Flussbettes. Nur vereinzelt wurden Ende des letzten Jahrhunderts kleinere Vorstöße unternommen, an der Situation der Murg etwas zu verbessern – meist vergeblich. Petra Neff vom Rechtsreferat der Umweltabteilung im Regierungspräsidium bestätigt: „Erst  Änderungen des Wasserhaushaltsgesetzes und die damit verbundene Stärkung des Gewässerschutzes eröffneten Möglichkeiten, den Lebensraum Murg angemessen und nachhaltig zu verbessern“. Dennoch war es noch ein langer und mühsamer Weg bis zur Schaffung der Voraussetzung für die Wiederherstellung eines lebendigen Flusses. An über 20 Wasserkraft- und Industrieanlagen mussten teilweise in langen Abstimmungen und Rechtsverfahren die Fischtreppen und Fischschutzanlagen, günstige Einleitwerte sowie Mindestabflüsse angeordnet und auch erstritten werden. Noch Anfang dieses Jahrtausends wurde von den Nutzern gefordert, die Murg als Industrie-
    fluss zu belassen und ökologische Maßnahmen überhaupt nicht umzusetzen. Die Widerstände gegen eine Wiederherstellung wenigstens eines kleinen Abbildes des ehemals stolzen Flusses waren sehr groß.

    Dieses Jahr ist es dem Regierungspräsidium Karlsruhe im Zusammenwirken der beiden Abteilungen Landwirtschaft und Umwelt gelungen, an allen bedeutenden Wasserkraftanlagen der Murg zwischen Rastatt und Baiersbronn angemessene Lösungen zur ökologischen Modernisierung zu vereinbaren. Zahlreiche Standorte belassen bereits heute ausreichend Wasser in der Murg und viele Fischpässe sind in Betrieb. An anderen Standorten wird gebaut, derzeit laufen die Planungen und die Umsetzungen sollen bis spätestens 2020 abgeschlossen sein.
    „Die Erfolge dieser Maßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen“, bekräftigt Hartmann. Das Regierungspräsidium geht davon aus, dass sich das Leben im Fluss dann rasch erholen wird. Um die Wiederbelebung der Murg zu dokumentieren werden regelmäßig Untersuchungen durchgeführt, auch bei der Fischfauna. Wenn alle Gewässerfunktionen zumindest im kleinen Rahmen wieder hergestellt sind, dann finden auch die 31 heimischen Fischarten einen angemessenen Lebensraum wieder. Aktuell besteht noch ein hohes Artendefizit, insbesondere in jenen Abschnitten, die bislang regelmäßig trocken fielen.

    „Mit der Umsetzung der ökologischen Anforderungen werden Nutzung und Schutz des Flusses besser in Einklang gebracht“, so Neff und Hartmann. Nach wie vor kann der Großteil des Wassers der Murg von der Industrie bzw. der Wasserkraft genutzt werden. Durch verbesserte Schutzmaßnahmen erfolgt dies jedoch künftig so, dass auch Flora und Fauna eine Chance bekommen. Der Lachs laicht bereits seit 2005 im Unterlauf der Murg. In absehbarer Zeit kann er auch Laichplätze weiter flussaufwärts erreichen. Das Murgtal zählt vor allem flussaufwärts von Weisenbach zu den schönsten Flusstälern Baden-Württembergs. Genau in diesem Abschnitt wurde der Fluss wieder zum Leben erweckt.

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