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  • Abteilung 3
    04.05.2015
    PFC auf landwirtschaftlichen Flächen
    Vorstellung des Projektes „Vorerntemonitoring“ und erste Ergebnisse

    „Das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Qualität und Unbedenklichkeit heimischer Erzeugnisse ist für die landwirtschaftlichen Betriebe entscheidend“, so Dr. Ulrich Roßwag, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Veterinär- und Lebensmittelwesen im Regierungspräsidium Karlsruhe, heute (Montag, 4. Mai 2015) in Rastatt. Mit diesen Worten unterstrich der Abteilungsleiter den hohen Stellenwert und die damit aber auch einhergehende Marktempfindlichkeit der heimischen Landwirtschaft im Jahr. Im Landratsamt Rastatt stellte die Landwirtschaftsverwaltung das inzwischen vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) genehmigte Projekt „Vorerntemonitoring“ mit seinen Zielen und Inhalten vor und teilte erste Ergebnisse mit.

    Die ersten Ergebnisse zeigen, dass auf stärker belasteten Böden die Erzeugung von Spargel sehr kritisch zu sehen ist. So mussten von einer Fläche die Erzeugnisse als „nicht vermarktungsfähig“ erklärt werden. Dieser Spargel darf nicht in den Verkehr gelangen, wodurch dem betroffenen Landwirt ein hoher Verlust entsteht. Ob sich während der Wachstumsphase Änderungen ergeben, wird sich durch das Monitoring zeigen. Erste Erdbeer- und Gemüseproben waren dagegen bisher unauffällig.

    Die Diskussion um die Auswirkung der Bodenbelastung durch PFC, welche durch verunreinigten Kompost erfolgte, beschäftigt die Landwirtschaft bereits seit Mitte des letzten Jahres. Die Stoffe zeichnen sich durch eine hohe Persistenz gegen Umwelteinflüsse aus und zersetzen sich in der Natur kaum. Deshalb musste für die Landwirte im Raum Rastatt/Baden-Baden nach Lösungswegen gesucht werden, damit die zum Großteil direktvermarktenden Betriebe mit Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren auch in der Zukunft Lebensmittel erzeugen und vermarkten können.

    Erste Untersuchungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden hatten gezeigt, dass langkettige PFC kaum, kurzkettige jedoch in geringem Umfang von den Pflanzen aufgenommen werden. Eine Zuordnung zu den jeweiligen Böden ist aber erst durch das jetzt vom MLR bewilligte und finanzierte Vorerntemonitoring möglich. Dabei werden sowohl Bodenproben als auch Proben des Beregnungswassers genommen und den jeweiligen Pflanzenproben gegenübergestellt. Dies geschieht rechtzeitig vor der Ernte, so dass zur Ernte die Untersuchungsergebnisse vorliegen. 

    „Damit haben die Landwirte Gewissheit, dass die von ihnen erzeugten Lebensmittel von einwandfreier Qualität sind und keine Belastungen von PFC aufweisen. Dem Ministerium ist es ein wichtiges Anliegen, einen vorsorgenden Verbraucherschutz zu gewährleisten“, so Joachim Hauck, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das die erforderlichen Mittel für die Umsetzung des Projektes bereitstellt. Gemeinsam mit dem zur Durchführung des Projektes betrauten Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Karlsruhe, und dem zuständigen Landwirtschaftsamt Rastatt wurde ein Beprobungsplan entwickelt, um die umfangreichen und sehr aufwändigen Proben zeitgerecht zu analysieren. Derzeit erfolgt die Probenahme, bei der die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe mitwirken. Die Untersuchungsergebnisse werden sowohl den Betrieben für die Vermarktungsentscheidung als auch den Lebensmittelüberwachungsbehörden zur Überprüfung weiterer Schritte mitgeteilt.

    Hintergrundinformationen:

    Im Raum Rastatt/Baden-Baden sowie neuerdings im Norden der Stadt Mannheim sorgt die Belastung landwirtschaftlicher Böden mit PFC für Beunruhigung der Verbraucher. Als Quelle der Verunreinigung der Flächen wurde aufgebrachter Kompost identifiziert. Im Rahmen umfangreicher Bodenuntersuchungen wurde bestätigt, dass der bis zum Jahr 2008 aufgebrachte Kompost bzw. darin enthaltene Komponenten für die Beeinträchtigung verantwortlich sind. Untersuchungen von auf diesen Flächen erzeugten Lebensmitteln ergaben, dass langkettige PFCs kaum, jedoch kurzkettige PFCs im geringen Umfang von Pflanzen aufgenommen werden. Hierdurch sind die dort wirtschaftenden Landwirte stark betroffen, da sie möglicherweise ihre Erzeugnisse nicht vermarkten können und große finanzielle Einbußen erleiden könnten.

    Von der PFC-Problematik besonders betroffen ist ein Gebiet zwischen Hügelsheim, Iffezheim, Niederbühl, Kuppenheim und Haueneberstein sowie Sandweier. In dem überwiegend von Böden mit hohem Sandanteil geprägten Bereich werden circa 700 Hektar ackerbaulich genutzt. Auf rund einem Drittel der Flächen wachsen Sonderkulturen wie Erdbeeren, Beerenobst, Spargel, Gemüse und Saatmais. Auf den übrigen Flächen werden vor allem aufgrund des auch bei Sonderkulturen jährlich oder regelmäßig notwendigen Fruchtwechsels verschiedene Ackerkulturen angebaut. Nahezu das gesamte Gebiet ist beregnungsfähig. Vor allem in trockenen Jahren bzw. in Jahren mit längeren Trockenphasen ist eine Beregnung der Sonderkulturen insbesondere aufgrund der geringen Wasserspeicherkapazität der Sandböden unabdingbar.

    In Wahrnehmung seiner Koordinierungs- und Bündelungsfunktion leitete das Regierungspräsidium Fachgespräche zwischen den zuständigen Vor-Ort-Behörden (Untere Lebensmittelbehörden des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden und der für den Land- und Stadtkreis zuständigen Landwirtschaftsbehörde) und den betroffenen Landwirten. Gemeinsam wurde nach Lösungswegen gesucht, um einerseits die Bewirtschaftung der Flächen zu gewährleisten, aber auch den Verbraucherschutz umfassend zu berücksichtigen.

    Nachdem das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Interesse eines größtmöglichen Verbraucherschutzes im Februar Vorsorgewerte für pflanzliche Erzeugnisse festgelegt hatte, wurde parallel dazu ein Untersuchungsprojekt durch das Regierungspräsidium Karlsruhe vorbereitet, welches als einen wesentlichen Punkt das sogenannte Vorerntemonitoring (Pflanzenuntersuchungen vor der Ernte) beinhaltet.

    In diesen Tagen wurde das Projekt vom Ministerium genehmigt und die erforderlichen Mittel wurden bereitgestellt. Mit Rücksicht auf die einsetzende Erntesaison für Spargel und Erdbeeren wurden bereits im Vorgriff erste Proben gezogen, deren Ergebnisse nunmehr vorliegen.

    Antworten auf die häufigsten Fragen zu PFC finden Sie auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

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