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  • Abteilung 3
    12.02.2015
    PFC auf landwirtschaftlichen Flächen
    Gespräch mit den Landwirten im Landratsamt Rastatt

    ​Im Zusammenhang mit der PFC-Problematik hatten das Regierungspräsidium Karlsruhe und das Landratsamt Rastatt in der vergangenen Woche die Landwirte der wirtschaftenden Betriebe im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden zu einer Informationsveranstaltung in das Landratsamt eingeladen.

    Dem größten Wunsch der Landwirte nach festen Grenzwerten konnte Dr. Roßwag vom Regierungspräsidium Karlsruhe, der die ca. 2 ½ stündige Veranstaltung leitete, leider nicht entsprechen. Aufgrund der großen Anzahl an Einzelstoffen der Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) konnte das hierfür zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bislang noch keine abschließende Risikobewertung vornehmen.

    Dr. Ulrich Roßwag wies darauf hin, dass der vorbeugende Verbraucherschutz im Rahmen der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel auf jeden Fall im Vordergrund stehe, weshalb die Vermeidung bzw. weitgehende Minimierung von Einträgen das oberste Ziel der Bewirtschafter sein müsse.

    Neben der Erläuterung des unterschiedlichen Verhaltens der kurz- und langkettigen PFC’s und den daraus für den Anbau zu ziehenden Schlüssen stand die Frage der Beregnung an zentraler Stelle der Besprechung. Gerade für die Betriebe mit Sonderkulturen ist die Möglichkeit zu beregnen von entscheidender Bedeutung. Einigkeit herrschte nach einer sehr sachlichen Diskussion und Beantwortung offener Fragen, dass für die weitere Bewirtschaftung ein System der kontrollierten Beregnung möglich sein müsse. Dazu soll das Beregnungswasser regelmäßig untersucht werden, um sicherzustellen, dass die Standards für Grundwasserneubildung und der Geringfügigkeitsschwellenwert für Grundwasser eingehalten werden. Die zu beregnende Wassermenge wird außerdem durch die Auswahl geeigneter Bewässerungsverfahren, z.B. Tröpfchenbewässerung, so weit wie möglich minimiert und streng am Bedarf der Pflanzen ausgerichtet.

    Darüber hinaus sollen vor der Ernte Pflanzen untersucht werden. Hierdurch sollen die Betriebe wertvolle Hinweise zu ihren Erzeugnissen erhalten sowie die Frage möglicher PFC-Gehalte beantwortet werden. Die Bewirtschaftung von Flächen mit PFC-Belastung muss mittel- und langfristig besonders gehandhabt werden. Dazu gehört auch, belastete Flächen ggf. stillzulegen oder den Anbau von Kulturen, die nicht der Erzeugung von Lebensmitteln oder Futtermitteln dienen, vorzusehen.

    Hintergrundinformationen:

    Nach Funden von PFC im Trinkwasser wurden als Quelle der Verunreinigung landwirtschaftliche Flächen im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden identifiziert, auf die Kompost aufgebracht worden war. Im Rahmen umfangreicher Bodenuntersuchungen wurde bestätigt, dass der bis zum Jahr 2008 aufgebrachte Kompost bzw. darin enthaltene Komponenten für die Beeinträchtigung verantwortlich sind. Untersuchungen von auf diesen Flächen erzeugten Lebensmitteln ergaben, dass langkettige PFC’s kaum, jedoch kurzkettige PFC’s im geringen Umfang von Pflanzen aufgenommen werden.

    Im Rahmen umfangreicher Untersuchungen sowohl der Umwelt- als auch der Landwirtschafts- und Lebensmittelüberwachungsbehörden wurden eine Vielzahl von Daten gesammelt. Derzeit wird im Rahmen einer Modellstudie die Frage der Fließrichtung des Grundwassers und damit auch der künftigen Entwicklung ermittelt, hieraus werden dann Abwehr- und Sanierungsmaßnahmen abgeleitet.
    Die Untersuchungsergebnisse von Lebensmitteln wurden über das zuständige Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz an das für die Risikobewertung zuständige Bundesinstitut geleitet. Aufgrund der Komplexität konnte eine entsprechende Bewertung bisher noch nicht erfolgen.

    Von der PFC-Problematik betroffen ist ein Gebiet zwischen Hügelsheim, Iffezheim, Niederbühl, Kuppenheim und Haueneberstein sowie Sandweier. In dem überwiegend von Böden mit hohem Sandanteil geprägten Bereich werden circa 700 ha ackerbaulich genutzt. Auf rund einem Drittel der Flächen wachsen Sonderkulturen wie Erdbeeren, Beerenobst, Spargel, Gemüse oder Saatmais. Auf den übrigen Flächen werden vor allem aufgrund des auch bei Sonderkulturen jährlich oder regelmäßig notwendigen Fruchtwechsels verschiedene Ackerkulturen angebaut. Nahezu das gesamte Gebiet ist beregnungsfähig. Vor allem in trockenen Jahren bzw. in Jahren mit längeren Trockenphasen ist eine Beregnung der Sonderkulturen insbesondere aufgrund der geringen Wasserspeicherkapazität der Sandböden unabdingbar.

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