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  • Abteilung 2
    29.01.2016
    Straßenbahn im Neuenheimer Feld in Heidelberg: Regierungspräsidium genehmigt Änderungen am geplanten Neubau

    ​Das Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständige Planfeststellungsbehörde hat jetzt Änderungen am geplanten Neubau der so genannten Universitätslinie in Heidelberg zugelassen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Entlastung des Botanischen Gartens, zusätzlichen stromlosen Betrieb und um eine Neuordnung der Parkplätze im Bereich des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

    Mit diesen Änderungen greift die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) Vorstellungen auf, die die Universität, das DKFZ und andere Gegner des Projekts im Zuge von Einigungsgesprächen eingebracht hatten. Diese waren im Spätsommer 2014 aufgenommen worden, nachdem das Regierungspräsidium der Straßenbahn im Juni 2014 „grünes Licht“ gegeben hatte. Gegen diesen Planfeststellungsbeschluss hatten jedoch die Universität Heidelberg, der Unterländer Studienfonds, die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das DKFZ geklagt. Die Gespräche endeten vor einem möglichen einvernehmlichen Abschluss, als der Verwaltungsgerichtshof Mannheim (VGH) im Dezember 2014 einen vorläufigen Baustopp verhängte.

    Mit den jetzt genehmigten Änderungen will die RNV den Forschungseinrichtungen und insbesondere der Universität noch stärker entgegenkommen. Insbesondere soll der bisherige Eingriff in den Botanischen Garten dadurch weitgehend vermieden werden, dass die Trasse in diesem Bereich nach Süden verschoben wird. Möglich wurde diese Verschiebung dadurch, dass die bisherige Nutzung eines in der neuen Trasse stehenden Gebäudes in der zweiten Jahreshälfte 2014 endgültig aufgegeben und die benötigten Flächen der RNV zur Verfügung gestellt wurden. Darüber hinaus ist es dem rasanten technischen Fortschritt zu verdanken, dass die auf der Neubaustrecke zum Einsatz kommenden Straßenbahnen mit „SuperCap-Technik“ nunmehr in drei statt bisher zwei Streckenabschnitten gänzlich stromlos verkehren können. Bei den Änderungen im Bereich des DKFZ geht es um die Lösung von Detailfragen, die sich aus zwischenzeitlich dort erfolgten baulichen Veränderungen ergeben hatten.

    Bisher schon war das Projekt ein Meilenstein eines zeitgemäßen, komfortablen und behindertenfreundlichen öffentlichen Nahverkehrs, so das Regierungspräsidium Karlsruhe. Nun könne man es mit den aktuellen Änderungen nur als nahezu maßgeschneiderte Erschließung des Neuenheimer Feldes bezeichnen. Wer sich die Trassenführung unvoreingenommen anschaue, werde sich keine schnellere, zentralere und bedarfsorientiertere Lösung vorstellen können. Denn die rund 15.000 Beschäftigten, die über 14.000 Studierenden sowie die jährlich knapp 93.000 Patienten des Universitätsklinikums Heidelberg, die knapp 69.000 Übernachtungsgäste der Jugendherberge und über 600.000 Zoobesucher könnten mit dieser Erschließung das Neuenheimer Feld schon in Bälde mit attraktiven öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

    Das Regierungspräsidium setzt seine Hoffnung darauf, dass die Beteiligten nun Hand in Hand an einer bestmöglichen Umsetzung des Projekts mitwirken. Das wäre nach Auffassung des Regierungspräsidiums ein starkes Signal für einen prosperierenden Forschungsstandort in der Metropolregion Rhein-Neckar und für die Menschen, die ihn nutzen wollen.


    Anmerkung: Die grundsätzliche Idee der „SuperCap-Technik“ ist es, die entstehende Bremsenergie der Straßenbahnen noch effizienter als bisher zu nutzen. Heutzutage wird Bremsenergie in das Leitungsnetz zurückgespeist und kann dort nur genutzt werden, wenn gleichzeitig Strom benötigende Bahnen in der Nähe sind. 70 Prozent des Bremsstromes bleiben dabei ungenutzt. Das neue System ermöglicht die Speicherung des Stromes direkt im Fahrzeug. Der Speicher arbeitet dabei auf Basis von sehr leistungsfähigen Superkondensatoren (Supercaps).

     
    Hintergrund:

    Der Bau einer Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld ist bereits seit Anfang der 90-er Jahre des vergangenen Jahrtausends Gegenstand kontroverser Diskussionen.

    Das Planfeststellungsverfahren für das Gesamtvorhaben wurde Anfang Mai 2011 auf Antrag der RNV als Vorhabenträger durch die Stadt Heidelberg als zuständige Anhörungsbehörde eingeleitet. Vorangegangen waren zahlreiche Abstimmungsgespräche der RNV mit den Anliegern, insbesondere mit der Universität und dem DKFZ. Nach Durchführung des Anhörungsverfahrens durch die Stadt Heidelberg, einschließlich eines Erörterungstermins im März 2012, hat das Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständige Planfeststellungsbehörde die eingegangenen Einwendungen, Anregungen und Stellungnahmen einer eingehenden Prüfung unterzogen, ehe es im Juni 2014 den Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der sog. Universitätslinie erlassen hat.

    Das Vorhaben erstreckt sich auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometer. Die zweigleisige Strecke beginnt im Süden an der Haltestelle Jahnstraße, biegt nach Westen ab, verläuft parallel zur Fahrbahn der Kirschnerstraße an der Pathologie vorbei bis in Höhe des DKFZ und führt dann vor dem Gästehaus der Universität durch eine Grünfläche zum Botanischen Garten. In Randlage des Botanischen Gartens, parallel zum Hofmeisterweg, verläuft die Gleistrasse sodann östlich der Tiergartenstraße am Zoologischen Garten und der Kinderklinik vorbei, bevor sie in Richtung Osten in die Straße Im Neuenheimer Feld abbiegt. Dort führt die Gleistrasse in südlicher Randlage der Straße Im Neuenheimer Feld am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und der Kopfklinik vorbei, kreuzt eine in Nord-Südrichtung verlaufende Erschließungsstraße und schwenkt rund 200 Meter östlich in die Nordlage der Straße Im Neuenheimer Feld. An der Pädagogischen Hochschule und dem Max-Planck-Institut vorbei erreicht die Straßenbahnlinie in Höhe des Instituts für Geowissenschaften die Berliner Straße. Dabei sieht die Planung den Neubau von fünf Haltestellen vor. Die Strecke ist das Herzstück des Heidelberger Mobilitätsnetzes, mit dem das Straßenbahnnetz umfassend ausgebaut werden soll.

    Durch den Einsatz von Straßenbahnen, die mit der neuen „SuperCap-Technik“ ausgerüstet werden und durch einen abschnittsweisen stromlosen Betrieb soll den Belangen des Forschungsstandorts mit seinen hochsensiblen Gerätschaften Rechnung getragen werden.

    Darüber hinaus beinhaltet der Planfeststellungsbeschluss neben verschiedenen verbindlichen Zusagen des Vorhabenträgers Nebenbestimmungen insbesondere zur Straßenbahntechnik, zu Natur-, Arten,- Lärm-, Erschütterungs-, Gewässer-, Boden- und Denkmalschutz sowie zum Schutz vor schädlichen Wirkungen durch elektromagnetische Felder.

    Das Änderungsplanfeststellungsverfahren wurde im April 2015 auf Antrag der RNV wiederum durch die Stadt Heidelberg als zuständige Anhörungsbehörde eingeleitet. Nach Durchführung des Anhörungsverfahrens durch die Stadt Heidelberg, einschließlich eines Erörterungstermins im August 2015, hat das Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständige Planfeststellungsbehörde die eingegangenen Einwendungen, Anregungen und Stellungnahmen sowohl hinsichtlich der aktuellen Änderungen als auch hinsichtlich des Gesamtprojekts nochmals einer eingehenden Prüfung unterzogen, ehe es nun im Januar 2016 den Änderungsplanfeststellungsbeschluss erlassen hat. Dieser enthält zusätzliche verbindliche Zusagen des Vorhabenträgers.

    Auf die Rechtsmittel der Universität Heidelberg, der Max-Planck-Gesellschaft, des Unterländer Studienfonds und des DKFZ hin hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg das Projekt im Dezember 2014 vorläufig gestoppt. Die mündliche Verhandlung in der Hauptsache, in der der Planfeststellungsbeschluss in seiner geänderten Fassung auf dem Prüfstand stehen wird, ist auf den 09.03.2016 beim VGH in Mannheim terminiert.

    Weiteres Vorgehen:

    Der Planfeststellungsbeschluss wird demnächst bei der Stadt Heidelberg während der Dienstzeit zur Einsichtnahme ausliegen. Er wird dann auch auf der Internetseite des Regierungspräsidiums zu finden sein. Einzelheiten hierzu werden noch bekannt gegeben.

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