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  • Abteilung 3
    20.02.2015
    Neue Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Bezug auf kurzkettige perfluorierte Verbindungen (PFC)
    Land setzt Vorsorgewerte für Lebensmittel fest

    Im Fall der mit kurzkettigen perfluorierten Verbindungen (PFC) kontaminierten Böden in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden hatte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) den Bund um eine Risikobewertung der in Lebensmitteln gefundene PFC-Gehalte gebeten. Hintergrund ist, dass es für Lebensmittel bislang keine Grenzwerte für PFC gibt.

    Aufgrund der jetzt erfolgten Rückmeldung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat das MLR nun Vorsorgewerte für PFC-Gehalte in Lebensmitteln festgelegt.

    Vorsorgewerte sind wissenschaftlich errechnet und tragen nicht nur der lückenhaften Datenbasis, sondern auch der Möglichkeit Rechnung, dass derzeit noch nicht alle Belastungen durch weitere kürzer- oder längerkettige PFC erkannt sind. Auch deshalb sind sie niedriger als rein wissenschaftlich begründbar. Sobald diese Werte überschritten werden, ist das entsprechende Erzeugnis nicht mehr verkehrsfähig.

    Diese Werte sind vom MLR vorsorglich sehr niedrig angesetzt, um ein hohes Gesundheitsschutzniveau zu gewährleisten. Bei der gesundheitlichen Bewertung der Stoffe steht dabei die mögliche Besorgnis bei einer langfristigen Aufnahme gegenüber einer möglichen kurzfristigen, akuten Auswirkung im Vordergrund. Laut BfR ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch einen langfristigen Verzehr unwahrscheinlich, da es sich um ein lokal begrenztes Kontaminationsgeschehen handelt und weil nicht von einem langfristigen, regelmäßigen Verzehr von nur kontaminierten Lebensmitteln auszugehen ist, da der Verbraucher Alternativen nutzen kann.

    Im Zusammenhang mit der PFC-Problematik hatten das Regierungspräsidium Karlsruhe und das Landratsamt Rastatt die Landwirte der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden eingeladen, um nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Dabei ging es insbesondere um Fragen der Beregnung und Anpassungsstrategien beim Anbau der Kulturen.
    Ergebnis war die Vereinbarung eines kontrollierten Beregnungssystems in Verbindung mit einem vorgesehenen Vorerntemonitoring, um den Betrieben Hinweise zu ihren Erzeugnissen sowie zur Frage möglicher PFC-Gehalte zu geben. Unter dem Aspekt der jetzt ergangenen Einschätzung des BfR sind diese Regelungen noch wichtiger.
    Da konkrete Grenzwerte für kurzkettige PFCs in Lebensmitteln nicht existieren, ist aus Sicht der Landwirtschaftsverwaltung zur Begrenzung der Kontamination an sich und zur Vermeidung eines langfristigen regelmäßigen Verzehrs kontaminierter Lebensmittel ein Minimierungskonzept erforderlich. Dabei wird unter Berücksichtigung der Einschätzung des BfR für jede kurzkettige PFC-Gruppe ein jährlich abnehmender Beurteilungswert festgelegt, bei dessen Überschreitung ein Lebensmittel als nicht verkehrsfähig einzustufen ist. Ausgangsbasis sind unter Berücksichtigung der Verzehrgewohnheiten errechnete Ausgangswerte. Für das Jahr 2015 wird dann unter Zugrundelegung eines hohen Gesundheitsschutzniveaus als Beurteilungswerte zunächst die Hälfte dieser Werte festgelegt.

    Hintergrundinformationen:

    Nach Funden von PFC im Trinkwasser wurden als Quelle der Verunreinigung landwirtschaftliche Flächen im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden identifiziert. Als Ergebnis der umfangreichen Bodenuntersuchungen wird vermutet, dass bis zum Jahr 2008 u.a. aufgebrachter Kompost bzw. darin enthaltene Komponenten für die Beeinträchtigung verantwortlich sind. Untersuchungen von auf diesen Flächen erzeugten Lebensmitteln ergaben, dass langkettige PFC kaum, jedoch kurzkettige PFC in geringem Umfang von Pflanzen aufgenommen werden.

    Von der PFC-Problematik betroffen sind bisher die Gebiete Kuppenheim-Rauental, Niederbühl-Förch, Hügelsheim, Rheinmünster-Stollhofen und Bühl-Vimbuch, sowie in der Stadt Baden-Baden die Gebiete Haueneberstein, Sandweier und Steinbach Die Gebiete werden überwiegend ackerbaulich genutzt. Auf rund einem Drittel der Flächen wachsen Sonderkulturen wie Erdbeeren, Beerenobst, Spargel, Gemüse oder Saatmais. Auf den übrigen Flächen werden vor allem aufgrund des auch bei Sonderkulturen jährlich oder regelmäßig notwendigen Fruchtwechsels verschiedene Ackerkulturen angebaut. Nahezu das gesamte Gebiet ist beregnungsfähig. Vor allem in trockenen Jahren bzw. in Jahren mit längeren Trockenphasen ist eine Beregnung der Sonderkulturen insbesondere aufgrund der geringen Wasserspeicherkapazität der Sandböden unabdingbar.

    Da konkrete Grenzwerte für kurzkettige PFCs in Lebensmitteln nicht existieren, ist aus Sicht des MLR zur Begrenzung der Kontamination und zur Vermeidung eines langfristigen regelmäßigen Verzehrs kontaminierter Lebensmittel ein Minimierungskonzept erforderlich. Daher werden für das Jahr 2015 unter Zugrundelegung eines hohen Gesundheitsschutzniveaus auf der Basis der Verzehrgewohnheiten Ausgangswerte ermittelt und als Beurteilungswerte zunächst die Hälfte dieser Werte festgelegt. Die Beurteilungswerte der nachfolgenden Jahre ergeben sich durch Halbierung der entsprechenden Vorjahreswerte. Lebensmittel, deren Gehalte an kurzkettigen PFCs analytisch gesichert über den jeweils geltenden Beurteilungswerten liegen, sind nicht verkehrsfähig.

    Für die Bewirtschafter der betroffenen Flächen ergeben sich zwangsläufige Konsequenzen hinsichtlich des Anbaus. Es gilt abzuschätzen, welche Kulturen auf Grund ihres spezifischen Aufnahmevermögens keine oder nur sehr geringe PFC-Werte aufweisen werden und die Auswahl dementsprechend zu treffen. Die heterogene Verteilung der belasteten Flächen wird die Bewirtschaftung zusätzlich erschweren. Im Zweifel gilt es auf diesen Flächen Pflanzen für den Nichtlebensmittelbereich anzubauen. Damit gewinnt die mit den Landwirten besprochene Verfahrensweise zusätzlich Bedeutung, da zusätzliche Erkenntnisse über die PFC-Stoffgruppe und deren Verhalten im Boden und Übergang in Pflanzen gewonnen werden.

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