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  • Abteilung 5
    01.06.2017
    Regierungspräsidium Karlsruhe weist das Naturschutzgebiet „Ziegelhäule“ aus: Elf Hektar artenreichster Landschaft stehen nun unter Naturschutz

    ​Kurze Zeit nach Aufgabe der Nutzung der ehemaligen Tongrube „Ziegelhäule“ als Erdzwischenlager bei Mühlacker-Lienzingen befasste sich das Regierungspräsidium Karlsruhe mit der Ausweisung eines Naturschutzgebietes auf dieser Fläche. Im Zuge der Planungen erfolgte im Jahr 2014 die einstweilige Sicherstellung dieses Gebietes durch das Regierungspräsidium, um den vorgefundenen Zustand für einen Übergangszeitraum zu bewahren. Seit diesem Zeitpunkt wurde an einer dauerhaften Sicherung in Form der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Ziegelhäule“ gearbeitet. Nun ist es soweit:
    Nachdem Regierungspräsidentin Nicolette Kressl bereits im April 2017 in Karlsruhe ihre Unterschrift unter die Verordnung setzte, tritt diese nun nach Beendigung des förmlichen Verfahrens mit dem heutigen Tage in Kraft. Damit werden elf Hektar ehemalige Tongrube und Erdzwischenlager, wertvolle angrenzende Wiesen sowie das flächenhafte Naturdenkmal Trinkweiher auf der Gemarkung Lienzingen (Stadt Mühlacker) Naturschutzgebiet.

    Vorangegangen waren insbesondere die intensive Kommunikation mit dem Eigentümer der ehemaligen Tongrube und Erdzwischenlager sowie der Stadt Mühlacker, zur Verhinderung einer Verfüllung der stillgelegten Grube. Für die Durchführung und im Hinblick auf einen Abschluss des Verordnungsverfahrens, wurde insbesondere die Änderung eines über dem Gebiet liegenden Teilflächennutzungsplans erforderlich. Im Anschluss fand das öffentliche Beteiligungsverfahren seinen Abschluss in einer vierwöchigen Offenlage im Rathaus der Stadt Mühlacker und dem Landratsamt Pforzheim im Spätjahr letzten Jahres.

    Die jetzt unterschriebene Fassung berücksichtigt soweit wie möglich die Belange und Interessen der Träger öffentlicher Belange, der vor Ort Tätigen und der Verantwortlichen.

    Das Regierungspräsidium freut sich sehr, dass der Gemeinderat Mühlacker dem Vorschlag des Regierungspräsidiums zur Ausweisung des Naturschutzgebietes in Mühlacker-Lienzingen zustimmte. Die Akzeptanz des Gebietes als neues Naturschutzgebiet zeigt sich auch in dem Erwerb der ehemaligen Tongruben- und Erdzwischenlagerfläche seitens der Stadt Mühlacker.

    Auch nach der Ausweisung des Naturschutzgebietes genießen bisherige rechtmäßige Nutzungen und Einrichtungen grundsätzlich Bestandsschutz. Dies beinhaltet die Nutzung und Unterhaltung von Grundstücken, Gewässern, Straßen und Wegen in ihrer bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Die Errichtung „baulicher Anlagen“ ist allerdings untersagt. Eine Bewirtschaftung der Wiesen ist im Rahmen der Naturschutzgebietsverordnung „Ziegelhäule“ mit geringen Einschränkungen weiterhin möglich.

    Das Naturschutzgebiet „Ziegelhäule“ stellt ab sofort wertvolle Naturbestandteile unter einen besonderen Schutz. Die Besonderheit und die Naturschätze des Gebietes wurden hierbei in einer 26-seitigen Würdigung zusammengestellt. Nach Aufgabe der Nutzung hat sich in dem jetzigen Naturschutzgebiet eine Vielfalt verschiedener Biotoptypen und Lebensräume eingestellt, die in unserer praktisch vollständig genutzten Landschaft selten geworden sind: Rohböden, Ruderalvegetation trockener und frisch-feuchter Standorte, Schilffelder, Lösswände und Tümpel bilden hierbei ein Mosaik von Lebensräumen für eine beeindruckende Vielzahl gefährdeter Tierarten. So konnten in diesem kleinen Gebiet fast 400 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden, darunter unter anderem 170 Arten aus der Gruppe der Gefäßpflanzen, 29 Vogel-, drei Reptilien-, acht Amphibien-, 17 Heuschrecken-, elf Libellen-, 73 Laufkäfer- und 71 Stechimmenarten, welche hierbei 20 verschiedene Hauptbiotoptypen besiedeln. Viele Arten davon sind selten, gefährdet, und in ihrer Ausbreitung im Verschwinden begriffen. Darunter finden sich auch Raritäten, wie der vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Deutsche Sandlaufkäfer sowie ein bedeutendes Vorkommen der stark gefährdeten Gelbbauchunke.

    Durch die Unberührtheit des Grubengeländes sowie die anliegenden, als Wanderkorridor und Fortpflanzungsbiotope geeigneten Wiesenflächen entsteht ein, für eine Vielzahl von Arten attraktiver Lebensraum, welcher in Baden-Württemberg selten geworden ist. Beides kann nun durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet erhalten werden.

    Der gesamte Text der Rechtsverordnung und eine Karte des Naturschutzgebietes „Ziegelhäule“ sind auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Karlsruhe abrufbar:

    https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt5/Ref55/Seiten/Naturschutzgebiete.aspx

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