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  • Abteilung 5
    27.07.2017
    Zwei Naturschutzgebiete im Neckar-Odenwald-Kreis feiern ihren Geburtstag

    ​Seit einem viertel Jahrhundert gibt es sie nun, die beiden Naturschutzgebiete „Hochhausener Weinberge“ bei Haßmersheim-Hochhausen und „Seckachtal“ westlich von Seckach. Ihre Unterschutzstellung im Jahr 1992 war ein wichtiger Impuls, um diese besonders strukturreichen Landschaftsausschnitte zu erhalten und damit die Lebensbedingungen für viele Tier- und Pflanzenarten zu sichern.

    Naturschutzgebiet Hochhauser Weinberge
    An dem steilen und südexponierten Hang bei Hochhausen am Neckar zeugen Steinriegel und Reste von Trockenmauern noch heute von einer jahrhundertelangen Weinbaunutzung. Erst die aus Amerika eingeschleppte Reblaus machte dem Weinbau im 19. Jahrhundert ein Ende. Da sich der Ackerbau auf den mageren Böden kaum lohnte, wurden die Terrassen als Grasland genutzt und zum Teil mit Obstbäumen bepflanzt. Diese vielfältige Nutzung durch den Menschen hat in Verbindung mit den trockenwarmen Standortbedingungen eine besonders hohe Strukturvielfalt hervorgebracht. Nach Aufgabe der Bewirtschaftung in großen Teilen des heutigen Schutzgebiets war diese Vielfalt durch eine immer schneller voranschreitende Verbuschung bedroht. Seit der Unterschutzstellung wurden die zuwachsenden Grundstücke daher wieder geöffnet, naturfremde Nadelbaumbestände entnommen, Steinriegel von Vegetation befreit und Trockenmauern aufgerichtet.

    Noch immer ist das Bild des Naturschutzgebiets vor allem von den mächtigen Steinriegeln geprägt. Sie bestehen aus losen Steinen, die über Jahrhunderte aus den Muschelkalk-Hängen abgelesen und an den Flurstücksgrenzen aufgeschichtet wurden. Dort speichern sie die Sonnenwärme und halten den Wind ab, sorgen so für ein besonderes Kleinklima und bieten darüber hinaus Rückzugsmöglichkeiten für Tiere, insbesondere wärmeliebende Reptilien. Zwischen den Steinriegeln wechselt mageres Grünland mit artenreichen Säumen und trockenen Gebüschen. Geschützte Orchideen wie das Purpur-Knabenkraut oder die Bocks-Riemenzunge finden hier ebenso Lebensraum wie zahlreiche Insekten, darunter mehrere gefährdete Tagfalterarten. Und nicht zuletzt profitiert auch die Vogelwelt in besonderem Maße von dem reichhaltigen Nutzungsmosaik, das durch den naturnahen Laubwaldbestand im Norden des Schutzgebiets ergänzt wird.

    Naturschutzgebiet Seckachtal
    Einen ganz anderen Charakter besitzt das Naturschutzgebiet „Seckachtal“. Die namensgebende Seckach hat sich hier über Abertausende von Jahren in die Landschaft eingeschnitten. Schlängelnd bewegt sie sich nun durch den wechselnd breiten Talgrund, der aufgrund seiner fruchtbaren Böden schon früh landwirtschaftlich genutzt wurde. Ihr Bachbett ist in diesem Abschnitt größtenteils unverbaut, das Wasser ist sauber, kalt und sauerstoffreich: Eine perfekte Grundlage für zahlreiche Bachbewohner, von verschiedensten Insektenarten über Fische wie die gefährdete Groppe bis hin zu geschützten Vogelarten, die hier Brut- und Lebensraum finden. Mit etwas Glück kann man nicht nur die Gebirgsstelze oder die Wasseramsel, sondern auch den Eisvogel entdecken. Die Reste des ehemals ausgedehnten Auwalds, die das Gewässer säumen, bieten Lebensraum für den gefährdeten Pirol sowie weitere Vogelarten. Gleichzeitig sind sie auch wichtige Leitlinien für Fledermäuse, wenn diese auf Nahrungssuche gehen. Das Wirtschaftsgrünland in der Talaue wird an den Talflanken von strukturreichen Laub- oder Mischwäldern abgelöst, insbesondere im Süden des Naturschutzgebiets, wo das Tal steiler eingeschnitten ist. Hier kommt auch artenreiches Grünland vor, dessen Ausprägung von seggenreichen Nasswiesen bis hin zu trockenwarmen Magerrasen und Säumen reicht.

    Die hohe Vielfalt an unterschiedlichen Lebensbedingungen zeichnet beide Naturschutzgebiete aus und verleiht ihnen in einer ansonsten häufig strukturarmen Umgebung eine besondere Bedeutung. Die Gebiete sind daher auch Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“, mit dem nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit gefährdete Lebensraumtypen und Arten unter einen besonderen Schutz gestellt wurden. Besonderer Aufmerksamkeit bedarf dabei an der Seckach der Steinkrebs. Diese stark gefährdete heimische Flusskrebsart kommt nur in sehr sauberen Gewässern vor, ihr Lebensraum ist daher von Gewässerverschmutzungen besonders bedroht. Eine noch größere Gefahr geht aber durch die Ausbreitung der aus Nordamerika eingeschleppten Krebspest aus. Infolge derer wird der Steinkrebs zunehmend vom ebenfalls aus Amerika stammenden Signalkrebs verdrängt, der gegen die Krankheit resistent ist. In den letzten 20 Jahren ist der Steinkrebs-Bestand daher auch in der Seckach extrem zurückgegangen.

    In Zeiten, in denen die heimische Tier- und Pflanzenwelt zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt ist, bieten die Naturschutzgebiete im Neckar-Odenwald-Kreis einen unersetzbaren Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, den es auch in Zukunft zu schützen gilt. Weitere Informationen zu den Naturschutzgebieten sowie zum Thema „Natura 2000“ erhalten Sie auf der Internetseite der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg unter
     http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/2910/

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