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  • Abteilung 5
    15.04.2015
    Geplantes Naturschutzgebiet „Pfinzquellen“:
    Regierungspräsidium lädt zu Naturschutz-Sprechstunden und naturkundlichen Spaziergängen ein

    Anlage:Termine_Pfinzquellen.pdfTermine_Pfinzquellen.pdf

    Ein neues Naturschutzgebiet wirft viele Fragen auf: Wo genau liegt das geplante Gebiet? Was soll da geschützt werden? Was bedeutet ein Naturschutzgebiet für Eigentümer, Besucher, Hundebesitzer, Reiter und Landwirte? Wie läuft das Verfahren ab, und wie kann ich meine Anregungen und Bedenken einbringen?

    Diesen Fragen stellen sich die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Dr. Silke Schweitzer, Dr. Daniel Baumgärtner und Dr. Christoph Aly im Sommer 2015 vor der Einleitung des offiziellen Unterschutzstellungsverfahrens und laden zu Naturschutzsprechstunden, Naturerlebnistagen und naturkundlichen Spaziergängen vor Ort ein (Termine siehe Anlage).

    Wir bitten Sie darum, die Veranstaltungen in geeigneter Form bekannt zu geben; wir würden uns sehr freuen, wenn Sie an den Veranstaltungen teilnehmen und darüber berichten können.


    I. Naturschutzsprechstunden

    Hier ist jedermann eingeladen, seine Fragen zu stellen und seine Anregungen oder Bedenken vorzutragen. Man muss nicht wie beim Arzt vor der Tür warten, bis man dran ist, sondern kann jederzeit eintreten und zuhören, bis man an der Reihe ist. Selbstverständlich kann man in die Sprechstunde kommen, die einem terminlich am besten passt, also auch im Nachbarort. Und man darf auch mehrfach kommen.


    II. Naturkundliche Spaziergänge

    Hier steht die Natur im Mittelpunkt: wir treffen uns am angegebenen Ort und halten auf einem etwa zweistündigen Spaziergang fest, was wir an Lebensräumen, Tieren und Pflanzen beobachten, welche Verbesserungsmöglichkeiten für die Tier- und Pflanzenwelt bestehen, wie sich die gegenwärtige Nutzung auswirkt, und was ein Naturschutzgebiet hier bringen oder verändern würde.

    Die Spaziergänge finden bei jedem Wetter statt, denken Sie bitte an geeignete Kleidung und geeignetes Schuhwerk. Leider sind die Wege nicht für Rollstühle und Kinderwagen geeignet.


    III. Naturerlebnistage

    Wir haben vier Schulklassen der Gemeinden Straubenhardt und Karlsbad für je einen Naturschutz-Vormittag ins Ökomobil des Regierungspräsidiums eingeladen . Als Termine sind Freitag, der 17. April, und Dienstag, der 19. Mai im Fahrplan des Ökomobils reserviert. Das Thema und den Treffpunkt vereinbaren die Schulen aktuell mit dem Betreuer des Ökomobils, Dr. Daniel Baumgärtner (daniel.baumgärtner@rpk.bwl.de, 0721-926-4347). Auch zu diesen Veranstaltungen ist die Presse herzlich eingeladen; bei Interesse erfragen Sie den Treffpunkt bitte bei Dr. Baumgärtner.

    Hintergrundinformation:

    Das geplante Naturschutzgebiet liegt als landschaftlich sehr reizvolle Wiesenlandschaft des Nordschwarzwaldes rund um den Ort Pfinzweiler und zwischen den Ortsteilen Ittersbach, Langenalb und Feldrennach der beiden Gemeinden Karlsbad und Straubenhardt. Ein kleines Stück des Wiesentals (3 ha) gehört zur Gemarkung Pfaffenrot der Gemeinde Marxzell.

    Aus landesweit-naturschutzfachlicher Sicht, also aus Gründen der vorkommenden Arten und Lebensräume und ihres notwendigen Schutzes, ist das Gebiet von großer Bedeutung. Insgesamt konnten bisher 833 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden. Im Laufe des Sommers 2015 werden die Vorkommen einiger bisher noch nicht kartierter Tiergruppen (Fledermäuse, Wildbienen, Spitz- und Zwergmäuse und die im Totholz der Obstbäume lebenden Käferarten) von Fachleuten erhoben. Gleichzeitig wird erhoben, welche der bekannterweise im Gebiet vorkommenden Wiesenbrüter 2015 tatsächlich Bruterfolg haben: solche Daten sind wichtig, um die Entwicklung der Populationen einschätzen und gezielte Vorschläge für Verbesserungen begründen zu können.

    Die Wiesen des Gebietes sind äußerst vielfältig. Es gibt Nasswiesen, blütenreiche Magerwiesen, seltene Pfeifengras-Streuwiesen sowie Fettwiesen. Dazwischen finden sich Gebüsche, Hecken, Hochstaudenfluren und naturnahe Bächlein und Gewässer. Mit Ausnahme der Fettwiesen sind diese Lebensräume in Baden-Württemberg so selten geworden, dass sie als gefährdet oder sogar als  stark gefährdet auf die Rote Liste der Lebensräume des Landes gesetzt werden mussten.

    Die Wiesen sind Standort seltener und gefährdeter Pflanzenarten, wie z.B. das Pfeifengras, der Teufelsabbiss, der Große Wiesenknopf und der Heilziest. In den feuchten bis sumpfigen Bereichen kommen in schönen Beständen Arznei-Baldrian, Mädesüß, Waldengelwurz und Waldsimse hinzu.

    Nicht weniger als 114 Vogelarten wurden bisher nachgewiesen, 71 davon brüten im Gebiet erfolgreich. Unter den Brutvögeln sind die vom Aussterben bedrohten Arten Braunkehlchen und Bekassine. Nicht weniger wertvoll sind die Brutnachweise von Baumfalke, Baumpiper, Wiesenpiper, Feldschwirl, Feldlerche, Grauammer, Schwarzkehlchen und vielen weiteren Arten, die uns vorliegen. Die Vielzahl der vorhandenen Arten aus allen Tiergruppen und ihre Möglichkeit zur ökologischen Interaktion machen das Gebiet für den Naturschutz so wertvoll: dies gilt es zu erhalten! Die Nachweise der Vogelarten verdanken wir den Kartierungen ehrenamtlich tätiger Naturfreunde, denen wir dafür sehr dankbar sind.

    Bei den Heuschrecken fanden wir unter (beeindruckenden) 19 Arten die in Baden-Württemberg stark gefährdeten Arten Warzenbeißer und Sumpfschrecke. Bei den Schmetterlingen waren der hier nachgewiesene, in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und der stark gefährdete Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling besondere „Highlights“. Aber auch hier geht der Wert des Gebietes über die seltensten Arten hinaus: Gerade die Vielfalt, hier durch 46 Tagfalterarten und 204 Nachtfalterarten eindrucksvoll gegeben, machen das Gebiet wertvoll. Auch die Kartierungen der Schmetterlinge wurden von ehrenamtlich tätigen Naturfreunden durchgeführt, denen wir hierfür sehr zu Dank verpflichtet sind.

    Frühestens ab September 2015 rechnen wir damit, genügend Informationen gesammelt und vermittelt zu haben, um ein förmliches Unterschutzstellungsverfahren beginnen zu können. Im Rahmen Verfahrens, welches wir ohne jeden Zeitdruck führen wollen, hat dann jedermann wiederum Gelegenheit, die Planung in Ruhe in Augenschein zu nehmen und Anregungen und Bedenken vorzutragen.

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