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  • Abteilung 5
    29.08.2017
    Besuch der „Mausohr-Wochenstube“ in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Horb-Dießen mit Umweltminister

    ​„Public Viewing“ einmal anders: Bei einer Live-Videoübertragung an der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Horb-Dießen konnten Zuschauerinnen und Zuschauer heute (29.08.) einen Einblick in das sonst heimliche Leben der Fledermäuse bekommen. Schon seit vielen Jahren nutzen etwa 600 „Große Mausohren“ den Dachstuhl der Kirche, um über den Sommer ihre Jungen aufzuziehen. Mit einer Spannweite von über 40 Zentimeter zählt das Große Mausohr zu den größten heimischen Fledermausarten. Zu der Veranstaltung eingeladen hatten die Römisch-katholische Kirchengemeinde Dießen-Empfinger Tal und das Regierungspräsidium Karlsruhe.

    Zu den Gästen zählten auch Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller und Regierungspräsidentin Nicolette Kressl. Untersteller betonte die große Bedeutung der Kirchen für den Natur- und Artenschutz: „Fast die Hälfte unserer 21 heimischen Fledermausarten gilt inzwischen als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Kirchen stellen für viele dieser Arten einen enorm wertvollen Lebensraum dar.“ Untersteller dankte der Kirchengemeinde, die bei vergangenen Sanierungen der Kirche vorbildlich Rücksicht auf das Fledermausvorkommen genommen hatte. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass sowohl bei der Sanierung von Gebäuden als auch beim Neubau der Natur- und Artenschutz gut zu integrieren ist.“

    Auch private Hauseigentümerinnen und Eigentümer könnten etwas dafür tun, Haus und Garten attraktiver für Fledermäuse zu gestalten, sagte der Naturschutzminister weiter. „Unsere heimischen Fledermausarten sind reine Insektenfresser. Schon ein kleines Stück des eigenen Gartens als insektenfreundliche Wiese zu gestalten, kommt den Fledermäusen zu Gute “.
    Regierungspräsidentin Nicolette Kressl hob die Bedeutung der im Fledermausschutz ehrenamtlich Tätigen hervor: „Bei Wochenstubenvorkommen stark gefährdeter Fledermausarten wollen wir die ehrenamtlichen Quartierbetreuer als erste Ansprechpartner der Kirchengemeinden für den Artenschutz fördern und in 2018 eine Quartierbetreuerschulung anbieten.“ „Ein ganz besonders wichtiger Baustein ist für uns der regelmäßige Austausch mit den Kirchen zum Thema Artenschutz an Kirchen. Wir freuen uns deswegen sehr, dass wir diese Veranstaltung gemeinsam mit der Kirchengemeinde organisieren konnten“, so Kressl zu der heutigen Veranstaltung.

    Hintergrund:
    Die Pfarrkirche St. Martin beherbergt eine der zehn größten Kolonien der Fledermausart „Großes Mausohr“ in Baden-Württemberg. Die Tiere können mehr als 20 Jahre alt werden. In großen Dachstühlen ist die Art von April bis in den Herbst zu finden. Hier, in den sogenannten Wochenstuben, bringen die weiblichen Tiere im Juni oder Juli jeweils nur ein Jungtier zur Welt, das sechs Wochen gesäugt wird. Zur Deckung des hohen Energiebedarfs gehen die Mausohren nachts in einem Umkreis von rund zehn Kilometern auf die Jagd nach Bodeninsekten. Dafür sind sie vor allem auf insektenreiche Laubwälder sowie Streuobstwiesen und anderes Grünland angewiesen. In der nahrungsarmen Zeit halten die Mausohren Winterschlaf in Höhlen, Stollen oder Kellern. Mit hoher Quartiertreue kehren die Mausohr-Weibchen jährlich und über viele Generationen in ihre Geburtswochenstuben zurück. Durch Quartierverluste, Lebensraumzerschneidung und ein zurückgehendes Nahrungsangebot ist das Große Mausohr nach der Roten Liste in Baden-Württemberg stark gefährdet.

    Nicht nur Kirchengebäude bieten Quartiermöglichkeiten für gefährdete Fledermäuse und Vögel. Die Internetseite
    www.artenschutz-am-haus.de
    bietet viele Tipps und Tricks, wie jeder Haus und Garten attraktiver für Zwergfledermaus, Mehlschwalbe und Co gestalten kann.

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