Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Sie sind hier: RP Internet »Karlsruhe »Pressemitteilung
Startwebsite des Internetauftritts des Regierungspräsidiums Karlsruhe
  • Abteilung 5
    20.04.2015
    Geplantes Naturschutzgebiet „Pfinzquellen“: Naturkundlicher Spaziergang

    Am vergangenen Freitag, den 17. April, trafen sich 26 interessierte Bürgerinnen und Bürger, um am zweiten naturkundlichen Spaziergang teilzunehmen, die das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe im Zusammenhang mit der Ausweisung des neuen Naturschutzgebietes „Pfinzquellen“ anbietet.

    Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Christoph Aly vom RP begaben sich die Exkursionsteilnehmer in das Ökomobil des Regierungspräsidiums, wo dessen Leiter Dr. Daniel Baumgärtner kurz erklärte, welche Aufgabe das „rollende Naturschutzlabor des Regierungspräsidiums“ hat: In beinahe täglichen Veranstaltungen zwischen März und Oktober lernen Gruppen von Kindern, Jugendliche und Erwachsenen Lebensräume ihrer Heimat kennen. So hatten Viertklässler der Grundschule Ittersbach am Vormittag Gelegenheit gehabt, das Leben in und an der jungen Pfinz zu erforschen. Daniel Baumgärtner berichtete von der großen Begeisterung, mit der die Kinder gemeinsam Frösche und Molche, Napfschnecken und Bodengetier gesammelt und bestimmt sowie Blumen gesucht und gefunden hatten. „Erleben, Kennenlernen, Schützen“ ist das Motto des Ökomobils, und darum ging es auch im Nachmittagsspaziergang mit Dr. Christoph Aly, der mit den Teilnehmern die Wiesen und andere Lebensräume zwischen Langenalb und Ittersbach „unter die Lupe“ nehmen wollte.

    Vom Schulzentrum in Langenalb ausgehend führte der Weg durch die Wiesen Richtung Ittersbach, entlang der Grenze des geplanten Naturschutzgebiets „Pfinzquellen“. An einer ersten Station sammelten die Teilnehmer Kräuter auf Wiesen, die auf den ersten Blick ähnlich, beim genaueren Hinsehen aber höchst verschieden waren: die eine mager, die andere reich an Nährstoffen. Die Anzahl der gefundenen Arten war auf beiden Grünflächen ähnlich hoch, so dass Dr. Aly das Augenmerk auf die Unterschiede in der Artenzusammensetzung lenkte. Hasenbrot, auch Feld-Hainsimse genannt, Knolliger Hahnenfuß , Ruchgras und Wiesen-Bocksbart hob er als selten gewordene und daher schützenswerte Arten  hervor, die eben nur auf mageren, wenig oder gar nicht gedüngten Standorten wachsen können. Wiesenbärenklau und Löwenzahn zeigen dagegen  die „fette“ Wiese an, die zwar viel Futter produziert, aber weitaus weniger Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet.

    „Die bisherige Nutzung, zum Beispiel als Garten oder Acker, genießt in einem Naturschutzgebiet  Bestandsschutz“, betonte Dr. Aly, als der Weg an einem kleinen Gärtchen vorbeiführt. Auch das Vorhandensein von Brombeerhecken oder Stellen mit dichtem Brennesselbewuchs habe seine Berechtigung, es muss gerade nicht alles super-gepflegt sein: „Im Schutz des dornigen Gebüschs können Dorn- und Mönchsgrasmücke brüten, und am Rand der Hecke bauen Goldammern und Baumpieper ihr bodennahes Nest“. Letztere haben es dem Biologen besonders angetan; begeistert spielt er den Fluggesang vom Band ab, den der kleine Sänger bei wärmerem Wetter noch am Vortag hatte hören lassen. Viele der Exkursionsteilnehmer bestätigten, dass sie diesen Vogel von Kindesbeinen aus dem Pfinzquellgebiet an kennen, wo er heute noch mit mehreren Paaren brütet. Anderswo ist er vielfach bereits verschwunden. Nach Schätzungen soll der Bestand in Baden-Württemberg in den letzten 25 Jahren um über 50 Prozent zurück gegangen sein.
     
    Unter den Kirschbäumen auf den Wiesen fanden sich einige sehr alte Bäume, deren Krone zum Teil schon abgestorben war. „Solche Bäume sind aus Artenschutzgründen wertvoll; sie sind unverzichtbar für Käfer, deren Larven auf Totholz angewiesen sind; diese wiederum hinterlassen nach ihrem Ausflug Löcher, in denen Wildbienen ihren Nachwuchs unterbringen können.“ Höhlen, wie sie durch Astabbrüche oder Spechte entstehen, bieten Steinkäuzen, Hornissenvölkern,  Fledermäusen  und Meisen eine Behausung. Der Gartenbaumläufer brütet hier hinter loser Rinde oder in Baumspalten. Wo bleiben diese Arten, wenn alle alten Bäume umgesägt werden und nichts nachgepflanzt wird?

    Auf dem weiteren Weg zur Pfinz erzählt Walter Schuhmacher vom Verein „Lebendige Wiese“ von seinen Beobachtungen vom Vormittag. Neben einem kreisenden Schwarzmilan konnte er Dorngrasmücken, Gartengrasmücken und Feldlerchen beobachten. Teilnehmer der Exkursion wussten zu ergänzen, dass ziehende Kraniche die Wiesen als Rastplatz nutzten, und welch beeindruckendes Erlebnis der Trupp von 50 rufendenden Tieren gewesen war. Diese imposanten Vögel rasten nur auf großen Wiesenflächen, wie sie im geplanten Naturschutzgebiet erhalten sind.

    An der auf den ersten Kilometern natürlich fließenden, jungen Pfinz angekommen genoss die Gruppe den Blick auf den von einem Wäldchen umgebenen Bachlauf, gesäumt von Schlüsselblumen, Scharbockskraut  und Buschwindröschen. Ein hoher Alt- und Totholz-Anteil trägt hier sehr zum naturschutzfachlichen Wert bei.  Am Rande des Baumbestands  zeugten Krokusse, alte Ziegel und Haselsträucher von früherer Nutzung als Garten, der von der Natur fast gänzlich zurückerobert worden war.

    Der weitere Weg führte entlang der Grenze zum bestehenden Naturschutzgebiet „Mistwiesen“, das bereits 1998 verordnet wurde und als eines der wertvollsten und besterhaltenen Wiesengebiete des Regierungsbezirks bekannt ist.  Gleiches gilt, wie sich die Teilnehmer überzeugen konnten, auf der anderen Wegseite für die Wiesen des geplanten Naturschutzgebietes „Pfinzquellen“.

    Während des Spaziergangs wurden Antworten zu konkreten Einzelfragen gegeben, die sich meist um Nutzungen drehten.  Darf erst nach einem bestimmten Datum gemäht werden? Darf ein zweites Mal gemäht werden?  Dr. Aly führte aus, dass die konkreten Vorgaben zur Wiesenbewirtschaftung noch mit den vor Ort tätigen Landwirten besprochen werden, also noch nicht bestimmt sind. Einen vorgeschriebenen Zeitpunkt für die erste Mahd und das Verbot einer zweiten Mahd wird es aber nicht geben.  „Für das Braunkehlchen und anderen Bodenbrüter ist es natürlich unverzichtbar, dass ihre Nester nicht ausgemäht werden. Es muss daher im Gebiet spät gemähte Flächen geben, die wie bisher  über den Vertragsnaturschutz gesichert werden sollen.  Das soll aber nicht für das ganze Gebiet gelten: blumenbunte Wiesen sind durch traditionelle Heumahd entstanden, und die findet Anfang Juni statt. Es wird eher darum gehen, die heutige Düngung und Nutzungsintensität im Wesentlichen festzuschreiben, denn Aufdüngung und Silofutter-Werbung hat artenarme Wiesen zur Folge“.  Die Jagd, die Anlage von Pferdekoppeln oder die Lagerung von  Siloballen oder Brennholz waren weitere Themen. „Das sind Themen, die während der Entstehung aller meine Naturschutzgebiete breit diskutiert wurden“, führte Christoph Aly aus. „Wenn das  private Interesse das  öffentliche Interesse am Naturschutz verletzt, gibt es Einschränkungen. Bisher haben wir aber in den allermeisten Fällen Lösungen gefunden, mit denen alle Beteiligten leben konnten“. 

    Der nächste naturkundliche Spaziergang findet am kommenden Sonntag, den 26. April ab 15:00 Uhr statt. Er findet bei jedem Wetter statt und führt auch über sehr feuchte Wege, wasserfestes Schuhwerk ist daher angezeigt, für Kinderwägen und Rollstühle ist der Weg leider nicht geeignet. Treffpunkt ist der Friedhof in Pfinzweiler.​

​​​Pressestelle

Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
Pressestelle@rpk.bwl.de


Pressesprecher

Uwe Herzel, Pressesprecher
Uwe Herzel
0721 926-4051

Stellvertretung


Irene Feilhauer
0721 926-6266 ​​​​​​​