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  • Abteilung 5
    22.04.2015
    LIFE+-Projekt „Rheinauen bei Rastatt“ / Einweihung der Tomateninseln
    Regierungspräsidentin Nicolette Kressl: Mit dieser Maßnahme tragen wir dazu bei, das Schutzgebietsnetz Natura 2000 zu stärken
     Die Tomateninseln sind zu echten Inseln umgestaltet.

    "Im Rahmen des LIFE+-Projektes „Rheinauen bei Rastatt“ wurden bei Au am Rhein erstmals wieder Inseln am Oberrhein geschaffen, um europaweit gefährdete Wasservögel wie beispielsweise den Flussuferläufer und den Flussregenpfeifer zu fördern. In den stark durchströmten wellenschlaggeschützten Rheinseitenarmen können künftig Maifisch und Lachs ihren Laich ablegen. Durch eine vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit aller Beteiligten ist es gelungen, dieses beispielhafte Naturschutzprojekt umzusetzen“, so Regierungspräsidentin Nicolette Kressl heute (22. April 2015) bei der feierlichen Einweihung der Tomateninseln in Au am Rhein.

    Finanziell beteiligen sich an dieser rund zwei Millionen Euro teuren Baumaßnahme die Europäische Union, das Land Baden-Württemberg sowie mit kleineren Beträgen der ASV Rastatt, der NABU Kreisverband Rastatt und der BUND Südhardt.

    Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe wurden erstmalig drei Kies- und Sandinseln bei Au am Rhein geschaffen, um Tier- und Pflanzenarten zu schützen, die auf diese Flächen angewiesen sind. Die Bauarbeiten starteten im Oktober 2014 und sind nach einem halben Jahr abgeschlossen.

    Noch vor 200 Jahren gab es am Rhein zahlreiche Flächen, die sich bei Hochwasser immer wieder verändert haben. Mit der Regulierung des Rheins gingen diese jedoch weitgehend verloren. Vogelarten wie der Flussseeschwalbe und dem Flussregenpfeifer, die auf ungestörten Kiesinseln brüten, fehlen am Rhein geeignete Brutinseln, wodurch der Bestand merklich abgenommen hat.

    Zunächst wurde an der Spitze der Landzunge „Kohlkopf“, die den Rhein vom Illinger Altrhein trennt, ein Verbindungsgraben angelegt. Dadurch ist eine große Insel entstanden, auf der sich Wasservögel ungestört aufhalten können. Das in den Illinger Altrhein fließende Rheinwasser sorgt dafür, dass überflüssiger Schlamm und Sand heraustransportiert wird. Zusätzlich entstehen stellenweise kiesige Bereiche, in denen Fische und Neunaugen ablaichen können. Zwischen Verbindungsgraben und Kohlkopfspitze wurde auf einer Länge von 400 Metern die Uferbefestigung herausgenommen, sodass sich das Ufer künftig natürlich entwickeln kann. Die neu geschaffene Insel mit ihrem Naturufer bietet Wasservögeln sowohl Nahrung als auch Stellen, die nur bei Hochwasser überschwemmt werden. Die Kohlkopfspitze wurde ökologisch aufgewertet, indem einzelne Gehölze entfernt und Kies aufgetragen wurde. So besteht die Chance, dass sich der in Baden-Württemberg vermutlich ausgestorbene Flussuferläufer hier ansiedelt und die Flächen als Bruthabitat annimmt.

    Im Innenbogen des Rheins hat sich eine große kiesige Uferbank gebildet, die sogenannten „Tomateninseln“. Diese wird vor allem vor dem Winter von durchziehenden Wasservögeln als Rastplatz und zur Nahrungssuche genutzt. Bei Störungen fliegen die Vögel immer wieder auf und verbrauchen viel Energie, die sie eigentlich für die Überwinterung brauchen. Um dies zu vermeiden und den Lebensraum der Vögel zu verbessern, wurde auf den Kiesflächen eine auch bei niedrigen Wasserständen durchflossene Rinne gebaggert und die Buhnen in diesem Bereich umgebaut. Aus der bisherigen Uferbank ist so überhaupt erst eine richtige Insel entstanden.

    Durch die große Strömungsgeschwindigkeit in der neuen Rinne hat dieses eine kiesige Sohle und wird gut mit Sauerstoff versorgt. Dadurch finden dort nun Fischarten wie der Lachs und der Maifisch geeignete Laichplätze, die durch die vorgelagerten Inseln vor Wellenschlag der querenden Schiffe geschützt sind, die den Laich ansonsten fortreißen würden.

    Über die Baumaßnahme informiert bis zum 26. April 215 vor Ort das Mobile LIFE+-Informationszentrum. Wann das Mobile Informationszentrum besetzt ist und weitere Details zu der Maßnahme gibt es im Internet unter www.rheinauen-rastatt.de.

    Die Maßnahme wurde von der Arbeitsgemeinschaft Ingenieurbüro kauppert, Arcadis und IUS Weibel & Ness geplant und vom Landratsamt Rastatt wasserrechtlich genehmigt. Für die Bauausführung war die Firma Johann Bunte aus Kelsterbach beauftragt.

    Mit dem LIFE+-Projekt „Rheinauen bei Rastatt setzt das Regierungspräsidium Karlsruhe gemeinsam mit zahlreichen Partnern in den Jahren 2011 bis 2015 eines der größten deutschen Naturschutzprojekte um. Das Projekt wird von der Europäischen Union mit rund 4,7 Millionen Euro gefördert. Neben dem Land Baden-Württemberg unterstützen die Städte Rastatt und Baden-Baden, die Gemeinden Durmersheim, Elchesheim-Illingen und Steinmauern, der Riedkanal-Zweckverband, die Umweltstiftung Rastatt, die Stiftung Naturschutzfonds, der Angelsportverein Rastatt, der BUND Südhardt sowie der NABU Kreisverband Rastatt das Projekt finanziell.

    LIFE+ ist ein Förderprogramm der Europäischen Union zur Unterstützung von Projekten im Umwelt- und Naturschutz und steht als Abkürzung für L’Instrument Financier pour l’Environnement (das Finanzierungsinstrument für die Umwelt).

    Mit dem Naturschutzkonzept Natura 2000 haben sich die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten zur Aufgabe gemacht, in Europa charakteristische Lebensräume sowie gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Herzstück von Natura 2000 ist ein Netzwerk von Gebieten, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie geschützt sind.

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