Wehr Schnellermühle Pfinztal-Berghausen

BW 223 Wehr Schnellermühle in Pfinztal-
Berg​hausen​

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Ausgangssituation

Nach den Hochwasserereignissen an der Pfinz im Mai und im Juni 2016, wurden an der Wehranlage zunehmende Verformungen festgestellt. Bei einer daraufhin veranlassten Bauwerksprüfung stellte man einen sehr schlechten Zustand der Wehrklappe fest. Aufgrund der vorgefundenen Schäden wurde eine statische Nachberechnung der Stahlbauteile vorgenommen. Diese ergab, dass bereits im Normalstau die Standsicherheit der Klappe nicht mehr gewährleistet war. Aus Sicherheitsgründen wurde daher die Vollabsenkung der Wehrklappe veranlasst.

Ein Rückbau der kompletten Wehranlage war nicht möglich. Aufgrund der großen Stauhöhe von insgesamt 4,30 m hätte ein Rückbau den Grundwasserstand gesenkt, wodurch sowohl die Vegetation als auch die im Umkreis liegende Bebauung hätte geschädigt werden können. Auch wäre der Wasserabfluss nicht mehr zur Energieerzeugung nutzbar gewesen.

Eine Reparatur der Wehrklappe war nicht möglich, da die neueren DIN Vorschriften deutlich höhere Anforderungen an die Konstruktion stellten. Deswegen wurde die Wehrklappe vollständig ersetzt. Bis zur Instandsetzung war keine Stauhaltung in dem betroffenen Gewässerabschnitt möglich.

Durchgeführte Maßnah​men

Die alte einteilige Wehrklappe wurde durch zwei neue Klappen ersetzt. Dazu wurde in der Mitte der Wehranlage ein Pfeiler aus Stahlbeton errichtet.

Die Klappen wurden als einseitig angetriebene, sogenannte „Fischbauchklappen“ ausgeführt. Sie bestehen im Wesentlichen aus der gekrümmten und ausgesteiften vorderen Stauwand, der an einen Fischbauch erinnernden Rückwand sowie der Anschlusskonstruktion für den Elektrohubzylinder.

Die Bodenplatte und die Seitenwände, die sogenannten „Wehrwangen“ blieben erhalten. Sie mussten jedoch an den neuen Wehrverschluss angepasst werden. An den Wehrwangen wurden im Zuge der Instandsetzung Risse und Hohlstellen verpresst und zuvor der Korrosionsschutz der Bewehrung wieder hergestellt.

Das alte Antriebshaus wurde abgerissen und durch ein neues Fertigteilgebäude ersetzt.

Die Konstruktion mit zwei Klappen hat den Vorteil der Feinregulierbarkeit.

Der Ausfall eines Wehrfeldes – zum Beispiel während einer Revision – hat keine Auswirkungen auf Natur und Umwelt, da der Wasserstand der Pfinz weiterhin mit der zweiten Klappe reguliert und Hochwasser abgeführt werden kann.

Auch das Kraftwerk kann während der Revision weiter betrieben werden.

Der Elektrohubzylinder ist besonders umweltverträglich, da er ohne Öle oder Ersatzstoffe betrieben wird. ​

​Zahlen und Fakten​​

Lage: Gemeinde Pfinztal - Ortsteil Berghausen an der Pfinz, Nähe des ehemaligen Sägewerks Carl Stuhlmüller GmbH

Fertigstellung: September 2019

Gesamtkosten des Projektes: ca. 2,5 Millionen €​

​Kontakt

Andreas Heuser
  0721 926-7552
andreas.heuser@rpk.bwl.de​​​​