Das Projekt „MooReKa – Renaturierung der Hochmoore am Kaltenbronn“

Die Moore am Kaltenbronn sind in zunehmend ungünstigem Zustand. Es herrscht Wassermangel! Dieser ist Folge von Entwässerung durch ein in historischer Zeit angelegtes Drainagesystem, gepaart mit im Zuge des Klimawandels vermehrt auftretender sommerlicher Niederschlagsarmut. Das Drainagesystem hat beispiellose Ausmaße: Mit einer Gesamtlänge von rund 520 Kilometern durchziehen die Entwässerungsstrukturen in systematischer und dichter Anordnung die insgesamt rund 520 ha innere Moorfläche von Wildseemoor und Hohlohmoor. Angelegt wurde das System im 18. und 19. Jh., um die Moore wirtschaftlich nutzbar zu machen, vor allem für den Waldbau. Mitte des 19. Jh. erkannte man jedoch, dass der forstwirtschaftliche Erfolg trotz großer Anstrengung nur mäßig war, und stellte die Bauarbeiten ein. Die Entwässerungsstrukturen und Gräben aber bestanden fort und entziehen den Mooren noch heute – 250 Jahre später – lebensnotwendiges Wasser.

Moore sind Kinder des Wassers! Der Entzug des Wassers bringt wesentliche ökologische Prozesse zum Erliegen. Torfwachstum ist nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt und nur lokal noch möglich. Vielerorts mit dem bloßen Auge erkennbar ist sogar Torfabbau, z.B. an freigelegten Wurzelanläufen von Bäumen. Auf nasse Wuchsbedingungen angewiesene Moorpflanzen wie die Torfmoose darben und verschwinden. Weiterhin trocknen Moorpfützen (Schlenken) und Moortümpel (Kolke) aus. Als Zeiger der Trockenheit überziehen zusehends Gehölze die einstmals offenen Moorweiten. Im Wildseemoor sind nur noch rund 6 %, im Hohlohmoor nur noch rund 3,5 % der ursprünglichen Fläche mehr oder minder offen. Dichtes und hochwüchsiges Kiefern-Krummholzgebüsch erstreckt sich mittlerweile bis in die Zentren der Moore hinein. In den wenigen noch erhaltenen Freiflächen dazwischen macht sich mehr und mehr das ebenfalls von Trockenheit geförderte Heidekraut breit.

Der LIFE Natur-Antrag wurde von vier Projektpartnern gestellt:

  • dem Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 (RPK; Antragsteller),
  • der Anstalt des Öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW),
  • der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg, vertreten durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), und
  • dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord (NP).

Weiterhin unterstützen die Landkreise Rastatt und Calw den LIFE Natur-Antrag inhaltlich und finanziell. Unterstützung zugesagt haben außerdem, u.a.: beratend die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und ideell die drei Kommunen Bad Wildbad, Gernsbach und Enzklösterle.

Um das komplexe Vorhaben realisieren zu können, werden Finanzmittel in beträchtlicher Höhe benötigt.

25% davon können im Land Baden-Württemberg aufgebracht werden.

Als maßgebliche finanzierende Projektbeteiligte unterstützen zwei Ministerien das Projekt mit Mitteln aus dem Landeshaushalt: das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) sowie das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), vertreten durch die Abteilung 5 Landesforstverwaltung. Der damit bestehende Finanzsockel wird aufgestockt mit Mitteln aus den Haushalten der beiden Landkreise Calw und Rastatt.

75 % der Finanzierungsmittel wurden bei der EU beantragt.

Ziel der Moorrenaturierung und damit auch des LIFE Natur-Antrages ist die Erhaltung und Entwicklung zentraler Teile der beiden Moorökosysteme des Wildsee- und des Hohlohmoores in ihren Funktionen als Wasser- und Torf- bzw. Kohlenstoffspeicher (Boden- und Klimaschutz) sowie als Lebensraum für an Nässe angepasste Pflanzen- und Tierarten (Artenschutz) in ihren charakteristischen Lebensräumen (Habitatschutz).

Nur durch ein hohes und möglichst gleichmäßiges Angebot an Wasser können Moore, deren Torfe, Lebensräume und charakteristischen Arten fortbestehen. Die geplante Moorrenaturierung soll dafür sorgen, dass auf die Moore am Kaltenbronn fallender Niederschlag wieder länger im Moor verbleibt und dort zu einer Förderung der natürlichen Ökosystemfunktionen beitragen kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Projekt eine Reihe begleitender Aktivitäten notwendig sein: eine vertiefende Renaturierungsplanung, Zulassungsverfahren, eine verfeinerte Zustandserfassung als Grundlage für diese Planung sowie eine spätere Wirkungskontrolle, ein Rück- und ein Ersatzneubau der beiden bestehenden Bohlenwege sowie eine begleitende, intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Gemeinsam mit dem Flächeneigentümer Forst Baden-Württemberg (Forst BW), der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg und den Fachbehörden der Landratsämter, der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) und der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) entwickelt die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe ein Konzept zur Renaturierung der Moore am Kaltenbronn. In die Konzeptentwicklung eingebunden waren außerdem die Kommunen, die Landkreise sowie die Verbände und die örtlichen Vereine. 2020 und 2021 fanden dazu jeweils mehrere Sitzungen des Projektbeirates und der Fach-Arbeitsgruppen statt. Weiterhin wurden bilaterale Gespräche geführt und die Situation der Moore, die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Renaturierung besprochen.

Zentrales Vorhaben ist die Rückhaltung (Retention) von Wasser. Wasser ist der wesentliche Faktor für die Erhaltung der Moore, deren Torfe sowie der vorkommenden Lebensraumtypen (LRT) mit ihren charakteristischen Arten im sich verändernden klimatischen Umfeld.

Im LIFE Natur-Antrag wurden Versperrung zur Wasserretention im Bereich des Wildeseemoores und des Hohlohseemoores von rund 110 km Entwässerungsstrukturen auf einer Fläche von 1,63 km2 beantragt. Um wirkungsvoll das Wasser zurückzuhalten sind eine sehr große Anzahl von unterschiedlich großen Versperrungen nötig. Die genaue Lage, exakte Größe und konkrete Bauweise wird mit der Genehmigungsplanung bautechnisch detailliert untersucht und geplant.

Die bereits vor Ort bestehenden Angebote der Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit sollen im Rahmen des Projekts erweitert und verstärkt werden. Für Naturinteressierte und Erholungssuchende bleibt die Möglichkeiten für das Naturerlebnis weiterhin bestehen. Die besonders wichtigen Möglichkeiten zum eigenständigen Naturerleben – die Bohlenstege und das winterliche Loipennetz – sollen erhalten bleiben und im Falle der Bohlenwege durch ergänzende Ausstattungen sogar aufgewertet werden.

Geplante wesentliche Arbeitsschritte

  • Grund- und spätere Vergleichsuntersuchungen zur Wirkungskontrolle der Projektmaßnahmen (Abiotik, Biotik, Besucherverhalten und Wirkung Öffentlichkeitsarbeit);
  • Vertiefung der vorhandenen Renaturierungsplanung einschließlich hydrologischer Modellierungen und Einholen der wasserrechtlichen Zulassung durch das Landratsamt;
  • Rückbau und Ersatzneubau der Bohlenwege im Wildseemoor und im Hohlohmoor, die derzeit in großen Entwässerungsgräben verlaufen und hier die Wasserretention behindern;
  • Gehölzrückschnitt zum Freimachen der Bauorte für die Errichtung von Sperren zur Wasserretention;
  • Errichtung der Sperren zur Wasserretention;
    hierdurch:
    - Anhebung der Moorwassersstände auf ganzjährig oberflächennahe Bereiche,
    - Rückhaltung und (Zwischen-) Speicherung von Wasser,
    - Erzeugung flächenhafter Sickerwasserströme im Torfbildungshorizont,
    - Anhebung von Seespiegeln (Wildsee ca. 80 cm, Hohlosee ca. 40 cm) und Vergrößerung deren Wasserspeichervolumens,
    - Wiederherstellung trockengelegter Moortümpel;
  • Durchführung der Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Moorrenaturierung soll mit Finanzmitteln aus dem Förderprogramm LIFE Natur der EU gefördert werden. Ende November 2021 wurde mit einem über 300 Seiten starken Antrag eine Kofinanzierung bei der EU beantragt. Die Entscheidung der Europäischen Kommission über die Förderung erfolgt voraussichtlich im Frühsommer 2022.

Soweit die EU-Kommission dem Projektantrag zustimmt, soll die Umsetzung im Januar 2023 starten. Als Laufzeit sind 8 Jahre vorgesehen, mit einem Projektende im Dezember 2030.

Bevor die Renaturierung vor Ort erfolgen kann, sind weitere Untersuchungen und Abstimmungen nötig. Weiterhin ist eine wasserrechtliche Zulassung beim Landratsamt erforderlich. Wichtige Aspekte der Planung und Prüfung beziehen sich nicht nur auf hydrologische, naturschutz- und weitere umweltfachliche Belange, sondern auch auf das Interesse am Kaltenbronn als ganzjährigem Sport- und Erholungsraum. Erste Baumaßnahmen am Kaltenbronn sind somit frühestens ab der Jahresmitte 2024 denkbar. Mit der Öffentlichkeitsarbeit in Form der Herausgabe von Druckmedien und der Veranstaltung von Exkursionen sollen jedoch bereits 2023 begonnen werden.

Sie haben weitere Fragen?

Dann schicken Sie uns eine E-Mail an moorschutz-kaltenbronn@rpk.bwl.de.
Das Projektteam im Referat Naturschutz am Regierungspräsidium Karlsruhe meldet sich zeitnah bei Ihnen.