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RP Stuttgart, Umwelt
  • Abteilung 5
    21.12.2018
    Der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart setzt Renaturierungsmaßnahme an der Rems bei Plüderhausen um
    Auf zu neuen Ufern
     Rems in Plüderhausen bei der Zinßermühle vor der Maßnahme, Foto: RPS

    Seit je her gestalten Flüsse unsere Landschaften und Lebensbedingungen. Und seit alten Zeiten gestalten wir Menschen die Gewässer, um unsere Lebensbedingungen zu verbessern. Früher galt die einfache Regel: Ohne Wasser kein Leben, ohne Gewässer keine Kultur. Gewässergestaltung ist aber nicht nur historisch Quelle und Ausdruck menschlicher Kultur. Im Zuge der Technisierung sind im vergangenen Jahrhundert weiträumige und tiefgreifende Überformungen der Landschaft und der Gewässer nötig geworden. Die Gewässer wurden begradigt, eingeengt, verbaut, eingetieft. Wichtige Zusammenhänge des Wasser- und Naturhaushalts waren damals nachrangig oder wurden nicht erkannt. 

    Auch die Rems wurde aufgrund von Gewässerkorrekturen stark verändert. Naturferne Strukturen besonders im Bereich von Gewässersohle und -ufer beeinflussten Fauna und Flora so erheblich, dass viele Arten ihren natürlichen Lebensraum verloren. Eine geringere Artenvielfalt war die Folge. Da es sich bei der Rems um ein bedeutendes Gewässer der sogenannten 1. Ordnung handelt, ist das Land Baden-Württemberg, hier vertreten durch das Regierungspräsidium Stuttgart, für die Unterhaltung des Flussbettes und der Ufer sowie für die ökologische Entwicklung zuständig. Nachdem bereits die Rems in Winterbach auf einer Länge von 1,1 km renaturiert wurde, ist ein weiterer Abschnitt in Plüderhausen fertiggestellt. Start der Baumaßnahme war am 10. September. Auf etwa 400 m Länge wurde die Rems umgestaltet und ihr zu neuen Ufern verholfen. Zuvor floss das Gewässer bisher in einem starren Korsett mit steilen Ufern.

    Die Gesamtkosten der Maßnahme mit einer Bauzeit von vier Wochen betragen etwa 400.000 €.

    Eine Gewässerentwicklung tangiert immer verschiedene Bereiche. So ist im umgestalteten Abschnitt die rechte Seite als Biotop ausgewiesen. Daher blieben sowohl Böschung als auch Uferbewuchs rechtseitig der Rems erhalten. Durch Bermvorschüttungen im Bereich der steilen Böschungen wurde dennoch für einen gegliederten Abflussquerschnitt gesorgt. 

    Doch anders auf der linken Seite: hier war mehr Platz, um die steilen Ufer abzuflachen und der Rems wieder mehr Raum zu geben. Immerhin wurden etwa 4000 m3 Kies ausgebaggert und zwischengelagert, der der Rems aber wieder zugeführt werden soll. Geschiebe ist wertvoll für den Fluss und soll daher im Fluss verbleiben oder wieder eingebracht werden. Gerade Kiesflächen bieten optimale Habitatbedingungen für Kleinlebewesen und Fische. Doch Kiesbänke gibt es mittlerweile selten. Oftmals verschlammen die Gewässer aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeiten (bedingt z.B. durch Querbauwerke zur Wasserkraftnutzung) und setzen das für die Kleinlebewesen so wichtige Lückensystem im Kieskörper zu. Weitere Ursachen sind Mangel an Geschiebenachschub, fehlende Umlagerungen und eine geringe Gewässerbettdynamik. Doch das soll zumindest im umgestalteten Abschnitt anders werden: hier hat man der Rems wieder mehr Platz gegeben, um den Kies umzulagern und auch mal wieder über die Ufer zu treten. Die vorhandene Gewässerbefestigung aus Draht und Steinen wurde ausgebaut, Ufer abgeflacht und verschiedene Strukturelemente wie Inseln und Buhnen eingebaut. 

    Der Erfolg lässt sich schon nach kurzer Zeit sehen, wenn man die beiden Fotos während der Baumaßnahme und danach vergleicht. Aus einem langweilig dahinfließenden Fluss ist bereits jetzt schon wertvoller neuer Lebensraum entstanden. Nun kann die Rems selbst entscheiden, was sie daraus macht, Platz genug hat sie jetzt. 


    Bermvorschüttungen rechtsseitig, Foto: RPS


    Während der Baumaßnahme, Foto: RPS


    Kurze Zeit nach der Fertigstellung, Foto: RPS


    Rems, Foto: RPS