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RP Stuttgart, Umwelt
  • Abteilung 5
    22.05.2019
    Naturschutzgebiet Eichenhain (Stuttgart): Die Schafe sind zurück
    Regierungspräsident Wolfgang Reimer: „Es ist unsere ureigene Aufgabe Schätze der biologischen Vielfalt wie den Eichenhain für zukünftige Generationen zu erhalten“
     Schafbeweidung im Eichenhain, Quelle: Dr. Ulrike Schuckert

    ​Seit Kurzem ist zwischen Vogelgesang und Zirpen der Grillen wieder das Blöken von Schafen zu hören. Die Herde des neuen Schäfers Tibor Wodetzky ist vom Stall in Nellingen nach Riedenberg gewandert und weidet nun zunächst in der Südspitze des Eichenhains. Der Weg zum Eichenhain wurde in zwei Etappen zurückgelegt, da viele junge Lämmer dabei sind, die weite Wegstrecken noch nicht an einem Stück zurücklegen können.

    Alle paar Tage wechselt die Herde nun der Standort ihres Pferchs, bis die gesamten Heideflächen im Eichenhain abgeweidet sind. Ein zweiter Weidegang ist für den Hochsommer geplant. Dies entspricht ganz den Planungen des für Naturschutzgebiete zuständigen Regierungspräsidiums. „Wir müssen auf vielfältigen Wegen versuchen, die biologische Vielfalt zu stärken und einzigartige Naturschutzgebiete wie den Eichenhain zu schützen – für uns und für künftige Generationen“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

    Die Bedeutung des Eichenhains für Natur und Artenvielfalt ist für den Stuttgarter Raum enorm. Dies zeigt schon ein Blick auf seine Historie: In Stuttgart sind 1947 die Trümmerbeseitigungen nach dem zweiten Weltkrieg noch Alltag, da wird der Eichenhain bereits durch die Stadt Stuttgart als Naturschutzgebiet einstweilig sichergestellt. Angelegt als Waldweide für den herrschaftlichen Sitz auf Schloss Hohenheim, entwickelte sich das Gebiet über die vergangenen 300 bis 400 Jahre zu einem einzigartigen Mosaik aus imposanten Eichen und artenreichem Magerrasen, dessen Erhalt für künftige Generationen selbst unter den Ausnahmebedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit von der Stadtverwaltung Priorität eingeräumt wurde.

    Zwar nahmen in den vergangenen Jahren Beeinträchtigungen – insbesondere durch die zunehmende Freizeitnutzung der Heideflächen – zu. Jedoch konnte nach großflächigen Pflegearbeiten im Winter 2017/2018 bereits im ersten Sommer eine deutliche Verbesserung für die seltene Tier- und Pflanzenwelt, des Eichenhains, beispielsweise für den Kleinen Heidegrashüpfer, verzeichnet werden. Dem Regierungspräsidium obliegt hierbei die Aufgabe über die Schutzziele des Gebietes zu wachen, sei es in konzeptioneller Hinsicht durch Ausarbeitung von Pflege- und Entwicklungsplänen, durch Besucherlenkung, durch die Zuweisung von Fördergeldern für Pflegemaßnahmen oder durch die Inventarisierung des vorkommenden Artbestandes.

    Die Planung und Umsetzung der aktuellen Pflegemaßnahmen im Eichenhain führt das Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart aus. Es wird wiederum von der Ludwigsburger Landschaftsplanerin Dr. Ulrike Schuckert unterstützt. Bei den aktuellen Pflegemaßnahmen gilt es vorrangig eine Bewirtschaftung zu etablieren, die der Nutzung eines sogenannten Hutewalds, wie Waldweiden historisch bezeichnet werden, möglichst nahekommt. Mit der Vergabe der Schafbeweidung an Schäfer Tibor Wodetzky scheint dies gelungen. Ergänzend zum Schäfer mit seinen Schafen konnte zudem der auf Landschaftspflege in schwierigen Lagen spezialisierte Landwirt Erich Renz aus Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb gewonnen werden. Er soll dafür sorgen, dass Brombeeren, Gehölzschösslinge oder invasive Arten wie die Goldrute aus den Flächen verschwinden und auch in Zukunft keine Chance mehr bekommen, die schützenswerten Arten der Magerrasen zu bedrängen.

    Nachdem die aufwendigen Gehölzmaßnahmen weitgehend abgeschlossen sind, gilt es nun auf den hieraus entstandenen vegetationsfreien Stellen rasch Magerrasen zu entwickeln sowie die durch zunehmende Freizeitnutzung entstanden Schäden an den verbliebenen Magerrasen zu beheben. Hierzu erfolgt im Sommer die Übertragung von Pflanzensamen aus den artenreichsten Beständen des Eichenhains über das Mahdgut. Die Mahdgut-Übertragung ist ein bewährtes Verfahren zur Schaffung von artenreichen Wiesen und Magerrasen. Mangels ausreichendem Mahdgut aus dem Eichenhain kann dies immer nur in Teilabschnitten erfolgen. In Zukunft soll die Übertragung dann auch wieder – wie in früheren Zeiten – durch Weidetiere erfolgen, in deren Fell und Klauen eine Vielzahl von Samen und Kleintieren als blinde Passagiere mitwandern. 

    Naturschutzgebiet Eichenhain, Quelle: Dr. Ulrike Schuckert