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RP Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege
  • Abteilung 8
    23.06.2020
    Archäologische Denkmalpflege: Rettungsgrabung in Freiburg-Tiengen
    Zeugnisse der Besiedlung am Tuniberg – von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter

    Über lange Zeiten hinweg bot das Gebiet am östlichen Abhang des Tunibergs optimale Voraussetzungen für den Ackerbau und damit hervorragende Siedlungsbedingungen. Dies illustrieren auch die Ergebnisse der aktuellen bauvorgreifenden Rettungsgrabung im heutigen Freiburger Stadtteil Tiengen für das neue Wohngebiet „Hinter den Gärten“. Sie werden unter Aufsicht des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart durchgeführt. Am Dienstag gaben Vertreterinnen und Vertreter der Rüdiger Kunst KommunalKonzept GmbH, der beauftragten Grabungsfirma ABS-iS sowie Mitarbeiter des LAD bei einem Pressetermin Auskunft über die Funde.

    Die städtebaulichen Planungen erforderten bereits im Jahr 2018 archäologische Voruntersuchungen des LAD, bei denen die östlichen Ausläufer der jungsteinzeitlichen und spätbronzezeitlichen Siedlung im Baugebiet „Sechzehn Jauchert“ ermittelt wurden. Zusätzlich gab es Hinweise auf einen römischen Gutshof, darunter Gräben, Gebäudefundamente und Brunnen sowie auf eine mittelalterliche Hofanlage mit Erdkellern und Grubenhäusern. Aufgrund dieser Hinweise war die vollflächige Ausgrabung zumindest eines Teils des zu bebauenden Areals notwendig geworden.

    Die bereits 2019 begonnen Rettungsgrabungen, mit deren Durchführung die Grabungsfirma ABS-iS aus Freiburg beauftragt ist, werden seit wenigen Wochen wieder fortgesetzt und fördern umfangreiche Erkenntnisse zur Siedlungsarchäologie am östlichen Tuniberg zutage.

    Eine Besonderheit der Fundstelle in Tiengen ist, dass sich die Siedlungsreste der unterschiedlichen Epochen unter bis zu 1,50 Meter mächtigen Schichten verbergen, die über die Zeiten hinweg am Hangfuß abgelagert wurden. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Niveaus, auf denen die archäologischen Befunde zutage treten. Neben den bereits durch die Voruntersuchungen erwarteten jungsteinzeitlichen Siedlungsbefunden wurden erstmals mehrere Grubenhäuser einer keltischen Siedlung aufgedeckt, die möglicherweise mit einem bereits 1968 im Gewann „Am Kirchpfad/Hummelbühl“ ausgegrabenen Gräberfeld in Verbindung steht.

    Bemerkenswert sind mehrere Skelette von Pferden, die vermutlich in römischer Zeit innerhalb der Siedlung niedergelegt wurden. Der Grund hierfür ist nicht erkennbar. Zudem geben ausgedehnte Grabensysteme bislang Rätsel auf, die im Fortgang der Grabung weiter untersucht werden sollen. Die jüngsten Ausgrabungen in Tiengen illustrieren eindrucksvoll, dass das Gebiet zu allen Zeiten als Gunstgebiet über ein hohes archäologisches Potential verfügte.