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  • Abteilung 2
    16.04.2018
    Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart - Arbeitskreis Heimatpflege zeichnet ehrenamtliches Engagement aus
    Vorsitzender Paul Nemeth MdL: „Heimat stiftet Identität in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.“

    Der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatpflege, Paul Nemeth MdL, und der Geschäftsführer des Arbeitskreises, Leitender Regierungsdirektor Axel Wörner vom Regierungspräsidium Stuttgart, haben am heutigen Montagabend, 16. April, gemeinsam die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart verliehen. Regierungspräsident Reimer war aufgrund der Teilnahme an einer Delegationsreise der Landesregierung verhindert. Geehrt wurden Personen, die sich in besonderer Weise auf lokaler oder regionaler Ebene um die Heimatpflege verdient gemacht haben. Die Veranstaltung fand in der Hospitalkirche in Schwäbisch Hall statt.

    „Sie alle, die wir heute auszeichnen, haben für die Gesellschaft etwas außeror-dentlich Sinnvolles und Wichtiges geleistet. Ihr Engagement stiftet Identität in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und dient der Vermittlung dessen, was für uns Heimat bedeuten kann“, führte der Landtagsabgeordnete Paul Nemeth aus. „Die Pflege kultureller Traditionen beugt Orientierungslosigkeit vor. Doch auch die Bereitschaft zum kulturellen Austausch hält unsere plurale Gesellschaft zusammen, macht sie menschlich und lebenswert.“ 

    Vonseiten des Arbeitskreises Heimatpflege wurden auch diejenigen Personen, die in diesem Jahr nicht ausgezeichnet werden konnten, ausdrücklich ermutigt, mit ihrem ehrenamtlichen Engagement fortzufahren: „Jedes Jahr wird eine große Anzahl an Personen vorgeschlagen, die für die Auszeichnung mit der Ehrennadel des Arbeitskreises in Frage kommen, und die Auswahl ist immer sehr schwer“, betonte Geschäftsführer Axel Wörner. 

    Die in diesem Jahr verliehene Auszeichnung erhielten Frau Bianca Stöker (Schwä-bisch Hall), Herr Tobias Rieger (Rosengarten-Raibach), Frau Hedwig Ernsperger, (Rosenberg), Frau Christine Kalbantner (Herbrechtingen), Herr Wolfgang Haug (Leinfelden-Echterdingen). 

    Informationen zu den Preisträgern 

    Bianca Stöker und Tobias Rieger

    Frau Bianca Stöker wurde 1974 in Schwäbisch Hall geboren. Sie ist seit 1988 Mitglied des Großen Siederhofes.

    Herr Tobias Rieger wurde 1971 in Schwäbisch Hall geboren und gehört der Familie des Stammsieders Sebastian Vogelmann an, einer alten Siedersfamilie, deren Ursprünge bis auf das Jahr 1466 zurückgehen. 

    Bianca Stöker ist seit 1998 die Erste Hofdame und führt zusammen mit Tobias Rieger, der seit 2002 Erster Hofbursche ist, als „Erstes Hofpaar“ den Großen Siedershof Schwäbisch Hall an. 

    Der Große Siedershof Schwäbisch Hall ist das lebendige Zeugnis einer vielschichtigen Vergangenheit. Seine Wurzeln reichen zurück bis in das frühe Mittelalter, als die Sieder nicht nur das Salz aus der schon in keltischer Zeit genutzten Salzquelle am Kocher gesotten haben, sondern auch als Feuerwehr fungierten oder der alten Reichsstadt als Bürgerwache dienten. 

    Durch die Auftritte des 1950 wiedergegründeten Haller Siedershofes lebt die Geschichte der Stadt Schwäbisch Hall und des Salzes wieder auf. Waren früher nur ledige Siederssöhne und –töchter im Siedershof geduldet, so können seit 1985 auch Schwäbisch Haller Bürger, die nicht Erbsieder sind, und Mitglieder aus umliegenden Gemeinden und Städten in den Siedershof aufgenommen werden. Neben den alljährlich stattfindenden Terminen wie das „Hoolgaschtfest“, das Sommernachtsfest, der Haller Herbst und der Tag des Salzes, verleiht vor allem das Kuchen und Brunnenfest zu Pfingsten der Tradition Ausdruck. 

    Heutzutage hat der Große Siedershof die Aufgabe, das überlieferte Brauchtum zu pflegen und zu wahren, die Erinnerung an die alte Reichsstadt Herrlichkeit wachzuhalten und die jahrhundertealte Tradition des Siederwesens in Schwäbisch Hall fortzusetzen. Er vertritt die Stadt Schwäbisch Hall national und international: Regelmäßige Auftritte finden in den Partnerstädten Zammość (Polen), Balikesir (Türkei), Epinal (Frankreich) und Lappeenranta (Finnland) statt. Seit dem Jahre 2002 wurden so über 450 Auftritte und zahlreiche öffentliche Repräsentationsaufgaben durch den Großen Siedershof wahrgenommen. Der Große Siedershof hat gegenwärtig über 100 Mitgliedern, die sich der Schwäbisch Haller Geschichte und der Geschichte des Salzes eng verbunden fühlen. Der Hof besteht aus 4 Sparten: Fahne, Kannen, Kuchen/Spielmannszug/Tanzpaare, Schützenkompanie. Alle Siederinnen/Sieder tragen bei öffentlichen Auftritten ihre Tracht, bei der die Farben rot (Feuer), grün (Sole) und weiß (Salz) vorherrschen.

    Bei offiziellen Anlässen - als Beispiel sei die Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz durch den Bundespräsidenten im Jahre 2009 genannt - heißt das Erste Hofpaar zusammen mit dem Oberbürgermeister Gäste in Schwäbisch Hall willkommen. Auch bei Eintragungen in das Goldene Buch der Stadt hält das Erste Hofpaar die Tradition gegenüber Ehrenbürgern und internationalen Gästen lebendig. Hinzu kommen viele Sitzungen und Versammlungen. 

    Frau Bianca Stöker hat ihr Amt im Januar 2018 als Erste Hofdame nach 20 Jahren weitergegeben, Tobias Rieger wird im Jahr 2018 seine letzte Saison als Erster Hofbursche bestreiten. Aus diesem Anlass wird heute das ehrenamtliche Engagement des Ersten Hofpaars, stellvertretend für den Großen Siedershof mit der Verleihung der Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege gewürdigt. 

    Hedwig Ernsperger 

    Frau Hedwig Ernsperger, Jahrgang 1950, brachte sich mit großem Engagement in der Vermittlung von lokalem und regionalem Wissen im kulturellen Bereich innerhalb des LandFrauenvereins Hohenberg und im Ostalbkreis mit 1.210 Mitgliedern in 16 Ortsvereinen ein. 

    Seit über 15 Jahren ist sie als Gästeführerin im Raum Ellwangen aktiv und bringt Besuchern dabei vor allem das Leben und künstlerische Schaffen des Pfarrers und Malers Sieger Köder näher. Zentrale Bedeutung hat dabei die Jakobuskirche in Rosenberg-Hohenberg mit der Neugestaltung aus den Jahren 1975 bis 1995.

    Als Ortsvorsitzende setzte Hedwig Ernsperger ein ansprechendes und breit gefächertes Bildungsprogramm um, in dem immer wieder kulturgeschichtliche Themen berücksichtigt wurden. So bot der LandFrauenverein Hohenberg beispielsweise zum Thema „Zivilcourage - sozialer Mut tut allen gut“ einen Vortrag über „Die weiße Rose - Sophie und Hans Scholl“ an. 

    Über dieses Engagement hinaus begründete Hedwig Ernsperger 2013 als Kreisvorsitzende den Kreisfrauenrat Ostalbkreis mit und brachte dabei ihre langjährigen Erfahrungen aus dem Arbeitskreis „Frau, Familie und Gesellschaft“ ein. 

    Seit 2 Jahren bringt sie sich in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen ein und trägt dazu bei, dass sich auch andere LandFrauen für Flüchtlingsfamilien engagieren. Bei einem interkulturellen Aktionstag im vergangenen Jahr ist es ihr gelungen über 300 Gäste aus 21 Nationen im Rahmen eines multikulturellen Programmes zusammen zu bringen. Über die Aktion hinaus bringt sich Hedwig Ernsperger seither wöchentlich in der LEA ein, um in der Nachmittagsbetreuung mit den Flüchtlingen spielerisch die deutsche Sprache zu erlernen. 

    Die von Frau Ernsperger angestoßenen Initiativen haben Vorbildwirkung, weshalb ihr herausragender Einsatz nun mit der Verleihung der Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege anerkannt wird. 

    Christine Kalbantner

    Frau Christine Kalbantner, geboren 1957, ist überregional seit 1992 in der Kultur-arbeit des Schwäbischen Albvereins aktiv und vor allem für den Bereich „traditionelle Musik“ zuständig. Zu den traditionellen schwäbischen Musikinstrumenten gehört der schwäbische Dudelsack (Sackpfeife), der früher sowohl bei der Arbeit der Hirten als auch bei allen Festen und Feiern unverzichtbar war. 

    Frau Kalbantner trägt viel dazu bei, dass möglichst viele Volkstanzgruppen eine eigene Volkstanzmusikgruppe haben, die live bei Auftritten aufspielen können. Dadurch wird die Tradition lebendig. Sie berät und unterstützt die Musikgruppen bei der Auswahl der Titel und weiß, wo es Noten für die verschiedenen Stimmen, Literatur und sonstiges Material zu finden gibt. Sie ist selbst Musikantin und spielt verschiedene Instrumente. 

    Außerdem ist sie seit mindestens 20 Jahren als Referentin im Seminarprogramm des Kulturrats bei Kursen aktiv.

    Ihr Einsatz in der Dudelsackschule im Haus der Volkskunst ist besonders hervorzuheben, ebenso ihr Einsatz bei den folgenden Seminaren, die sie seit vielen Jahren leitet und bei denen sie ganz speziell mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Als Erzieherin bringt sie neben der notwendigen Sachkompetenz auch die soziale Kompetenz und Empathie mit, die für diese Arbeit erforderlich ist. Dabei ist für sie das gemeinsame Musizieren immer auch eine willkommene Möglichkeit Heimatgeschichte und Heimatgefühl zu vermitteln.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Völkerverständigung und die internationale Arbeit, für die das gemeinsame Musizieren und Tanzen eine wunderbare Plattform darstellt. Ihr Hauptanliegen besteht darin, die überlieferten schwäbischen Traditionen nahe zu bringen. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, dass unsere schönen schwäbischen Lieder und Tänze nicht in Vergessenheit geraten, sondern dass die Musik lebendig bleibt und trotz aller Weltoffenheit unsere regionale Identität nicht verloren geht. 

    Die dadurch erworbenen Verdienste werden heute mit der Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege ausgezeichnet.

    Wolfgang Haug 

    Herr Wolfgang Haug, geboren 1942, engagiert sich in vielfältiger Weise seit Jahrzehnten in der Heimatpflege. 

    Seit über 40 Jahren leitet er ehrenamtlich und mit großem Einsatz das Heimatmuseum Echterdingen, aus dem im Jahre 2004 das „Stadtmuseums Leinfelden-Echterdingen - Haus der Heimatgeschichte“ wurde. Wolfgang Haug organisierte - seit dem Jahr 2000 unterstützt von einem Förderverein und dem Stadtarchiv - zahlreiche Ausstellungen und kümmert sich intensiv um die Erweiterung der Sammlung des Museums. Im Rahmen der zahlreichen Sonderausstellungen hat er viele Führungen durchgeführt, speziell für Schulklassen von inner- und außerhalb Leinfelden-Echterdingens. Als Museumsmann ist es ihm wichtig, dass die nachfolgenden Generationen von der eigenen Geschichte etwas erfährt und auch daraus lernt. 

    Seine Heimatliebe zeigt sich auch in vielen Ortsführungen, die er seit über 40 Jahren macht, und in denen er als Kenner von Land und Leuten die historischen Sehenswürdigkeiten Echterdingens zusammen mit Teilen der Heimatgeschichte interessierten Bürgern und Besuchern nahe bringt. 

    Als passionierter Akkordeonspieler hat sich Wolfgang Haug der Volksmusik verschrieben, die er zu vielen Anlässen zu Gehör gibt. Unter anderem auch bei den Auftritten der Kindertanzgruppe der Landjugend, die er vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. Bereits in den 1970er Jahren gründete er einen Arbeitskreis, der sich mit der Echterdinger Tracht und dem Volkstanz befasste, was schließlich in der Gründung des Vereins „Echterdinger Tracht“ gipfelte, dem Wolfgang Haug seit 1985 vorsteht. 

    Herr Haug engagierte sich auch bei der Dokumentation der Kleindenkmale in Leinfelden-Echterdingen als verlässlicher Berater und Auskunftsgeber und war in den vergangenen Jahren Vertrauensmann der Ortsgruppe Echterdingen des Schwäbischen Albvereins. 

    Als Anerkennung für sein großes ehrenamtliches Engagement erhält Herr Wolfgang Haug hierfür heute die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege.

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