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  • Abteilung 8
    22.01.2019
    Archäologische Denkmalpflege - Rettungsgrabungen im Baugebiet beim Neubau eines Pflegeheims in Bad Buchau (Landkreis Biberach)
    Baumaßnahmen und Rettungsgrabung kommen gleichermaßen gut voran
     Bekannte prähistorische Fundstellen im Umfeld der Bauvorhaben, Plan: LAD, A. Kalkowski

    Ende November 2018 begann das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart im Bereich des geplanten Pflegeheims „Haus Irmengardis“ in Bad Buchau eine Rettungsgrabung. Im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag, 22. Januar 2019, stellten Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege sowie die Geschäftsführung des Gesundheitszentrums Federsee den Pressevertretern die Planungen zu den Bauprojekten „Haus Irmengardis“ und „Lina-Hähnle-Haus“ sowie die damit verbundenen archäologischen Arbeiten vor:

    „Die Region um den heutigen Ort Bad Buchau ist eine Gegend, in der Menschen schon seit vielen Jahrtausenden gerne gelebt haben. Im Bereich der Federseeklinik sind mehrere Siedlungen und Bohlenwege bekannt, die bis zu 6000 Jahre alt sind (Abb. 1). Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Aufgabe, prähistorische Siedlungsreste zu schützen und, wo dies nicht möglich ist, auszugraben und zu dokumentieren. Unsere Rettungsgrabung ist in die laufende Baustelle eingebunden und wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Bauherr und den Baufirmen. Wir freuen uns über die gute und konstruktive Zusammenarbeit und die Unterstützung durch den Bauherrn und die Baufirma und bedanken uns für den offenen Austausch vor Ort“, sagte Dr. Renate Ebersbach, Leiterin des Fachgebietes Feuchtbodenarchäologie am LAD, am heutigen Dienstag bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Bad Buchau.

    Walter Hummler, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums, schilderte den Bauverlauf der drei Neubauprojekte: „Wir kommen bei allen drei Projekten sehr gut voran. Für den Gesundheitsstandort Bad Buchau bedeuten die Planungen wegweisende Meilensteine. Wir wollen ein mehr an Lebensqualität und die Weiterentwicklung des Angebots im Gesundheitssektor schaffen. Für die Region sind diese Bauprojekte enorm wichtig. Aus diesem Grund freut es mich, dass die Archäologie die Dringlichkeit versteht und eine zügige Abwicklung anstrebt. Wir sind glücklich darüber, dass wir dazu beitragen können, die prähistorische Bedeutung Bad Buchaus überregional bekannt zu machen. Es ist eine faszinierende Vorstellung dass schon vor 6000 Jahren Menschen am gleichen Ort lebten, an dem heute unsere Reha-Patienten und Hotelgäste von ihren Liegen auf den Park blicken.“ 

    Zur Bedeutung der archäologischen Funde erläuterte Ebersbach: „Im September wurden bei Vorarbeiten zur Baugrube (Kanalumlegung) Reste des bekannten bronzezeitlichen Bohlenweges angetroffen und baubegleitend dokumentiert und geborgen (Abb. 2). In der Baugrube konnten bereits bronzezeitliche Funde und massive Bauelemente, z.B. Pfähle freigelegt und geborgen werden. Diese zeigen Ähnlichkeit mit den Befestigungen der bronzezeitlichen „Siedlung Forschner“ (15./16. Jhd. v. Chr.) im Ried südöstlich von Bad Buchau (Abb. 3). Bisher ist noch unklar, aus welcher Zeit die Hölzer in der Baugrube stammen. Möglicherweise kann hier beobachtet werden, wie ein prähistorischer Bohlenweg über das Moor an die zu erwartende Siedlung auf der Insel angebunden wurde. Die Archäologen arbeiten daran, diese Fragen durch die Rettungsgrabung zu klären.“ 

    Zum aktuellen Zeitpunkt laufen verschiedenste Maßnahmen rund um die eigentlichen Bauprojekte parallel. Walter Hummler erläuterte: „Als Bauherr ist das Gesundheitszentrum Federsee nicht nur für die neuen Gebäude verantwortlich. Erkennbare Summen aus den Millioneninvestitionen gehen auch an den Naturschutz und die Archäologie. Die dazugehörigen Maßnahmen, wie z.B. Renaturierung des Bachlaufs im Kurpark und die Rettungsgrabungen finden neben den Tiefbauarbeiten für die Gebäude gleichzeitig statt. Dass die Projekte während dem laufenden Betrieb von Rehaklinik und Therme umgesetzt werden, ist eine besondere Leistung, die wir gemeinsam mit unseren Kunden meistern“.

    Hintergrund

    In den Mooren Oberschwabens gehören fünf prähistorische Siedlungen zum UNESCO Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, darunter auch die „Siedlung Forschner“. Die ehemalige Insel Bad Buchau war seit der Jungsteinzeit ein beliebter Siedlungsplatz. Das Baugebiet liegt in einem Bereich mit feucht erhaltenen prähistorischen Siedlungsresten. In der näheren Umgebung sind bereits sechs jungsteinzeitliche Siedlungen aus dem 4. Und 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt und teilweise ausgegraben. Mehrere prähistorische Bohlenwege ziehen sich vom Festland zur ehemaligen Insel Bad Buchau, die von der Steinzeit bis in die Eisenzeit datieren. Von Beginn der Planungen an bestand der Verdacht, dass im Bereich des geplanten Neubaus „Haus Irmengardis“ weitere bedeutende prähistorische Reste zutage treten könnten. Deshalb wurden im Vorfeld der Baumaßnahmen archäologische Rettungsgrabungen geplant.
    Bei Vorerkundungen im April 2018 wurden im südlichen Teilbereich der geplanten Baugrube prähistorische Funde und massive, bearbeitete Hölzer gefunden. Im nördlichen Bereich kamen keine archäologischen Funde zutage, dieser Teil konnte deshalb direkt für den weiteren Bau freigegeben werden, während im südlichen Teil eine Rettungsgrabung notwendig wurde. Die bisherigen Geländearbeiten wurden in enger Zusammenarbeit mit der Moorbadklinik, der Stadt Bad Buchau und den beteiligten Baufirmen durchgeführt. Um die Baumaßnahmen innerhalb des Zeitplans voranzubringen, wird die Rettungsgrabung möglichst in den laufenden Baubetrieb integriert. Alle Beteiligten sind bemüht, dieses Bauprojekt möglichst rasch zu verwirklichen und gemeinsam vor Ort optimale Lösungen zu finden.


    Bohlenwegreste im Abwasserkanal, Datierung 1514-1388 v. Chr., Foto: LAD, W. Hohl


    Blick in die Baugrube mit Pfählungen für das Gebäude und prähistorischen Holzresten. Zu erkennen sind rechtwinklig liegende Hölzer und ein massiver, angespitzter Pfahl (Pfeil). Foto: LAD, W. Hohl

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