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  • Abteilung 8
    12.02.2019
    Mittelalterliche Siedlungsspuren gesucht / 3.000 Jahre altes Grab gefunden
    Regierungspräsident Wolfgang Reimer: „Die Funde im Stadtkern von Bad Saulgau sind von erheblichem wissenschaftlichem und historischem Wert“
     Grabungsareal mit mittelalterlichem Keller und Brunnen des 18. Jahrhunderts (Foto: ArchaeoConnect Tübingen)

    ​Bevor das Gebäude Schützenstraße 9 im Stadtkern von Bad Saulgau unmittelbar neben der Pfarrkirche St. Johannes abgebrochen wurde, fand im Jahr 2017 eine bauarchäologische Untersuchung des Kellers statt. Das Gebäude stand zwischen zwei spätmittelalterlichen Häusern. Deshalb war zu erwarten, dass sich in seinem Keller noch Reste eines mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten haben könnten. Trotz jüngerer Umbauten hat sich dieser Verdacht bestätigt – und es kam auch Überraschendes zu Tage.

    „Die Funde sind wissenschaftlich und historisch sehr bedeutend für Bad Saulgau. Es handelt sich um den ältesten Siedlungsnachweis aus dem Bereich der Altstadt“, erläutert Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

    Da sich der geplante Neubau mit seiner Tiefgarage über die bisherigen Keller hinaus in zuletzt unbebautes Gelände erstrecken wird, waren laut Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart vor Baubeginn archäologische Grabungen erforderlich. Diese wurden vom 3. Dezember 2018 bis 21. Januar 2019 von einer Grabungsfirma durchgeführt. Die Baubefunde sind nun dokumentiert und die Funde geborgen, weiterer archäologischer Untersuchungsbedarf besteht nicht mehr.

    Im Zentrum der Untersuchung stand dabei zunächst der spätmittelalterliche Keller, der erst nach dem Abbruch genau dokumentiert werden konnte. Ein Vorgängerbau war wohl einem Brand zum Opfer gefallen, wie große Mengen an Brandschutt nahelegen. Am Keller wurden mit der Zeit mehrfach Umbauten und Erweiterungen vorgenommen. Ein außerhalb des Gebäudes gelegener, aus Backsteinen gemauerter Brunnenschacht war auch vom Keller aus zugänglich. Mittels eines Münzfundes kann er in die Mitte des 18. Jahrhunderts datiert werden, also in die Zeit, in der Saulgau noch zu Vorderösterreich gehörte.

    Während diese Ergebnisse durchaus den Erwartungen entsprachen, kamen kurz vor Grabungsende noch weitere, völlig unerwartete Befunde zutage: Inmitten von vermutlich zeitgleichen Siedlungsspuren wurde eine Brandbestattung der sogenannten „Urnenfelderkultur“ entdeckt. Das rund dreitausend Jahre alte Grab stammt aus einer Zeit, in der es üblich war, die Toten mit ihrem Schmuck und anderen Beigaben zu verbrennen und die Überreste in Keramikgefäßen zu bestatten.

    Zwar war die Urne durch einen Leitungsgraben schon teilweise zerstört worden, doch enthielt sie neben dem Leichenbrand noch Reste weiterer kleiner Gefäße sowie Bronzeschmuck und geringe Spuren von Gold. Genauere Aussagen dazu werden sich nach sorgfältigen Untersuchungen in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege treffen lassen.


    Brandgrab der Urnenfelderzeit, Urne mit kleinem Beigefäß.
    Bildnachweis: ArchaeoConnect Tübingen

    Hintergrundinformationen


    Bereits im Jahr 1921 waren in knapp 500 Meter Entfernung schon einmal zwei Gräber und Siedlungsspuren aus dieser Zeit entdeckt worden. Bei dem Neufund handelt es sich aber um den ältesten Siedlungsnachweis aus dem Bereich der Bad Saulgauer Altstadt, dem damit ein erheblicher wissenschaftlicher Wert zukommt.

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