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  • Abteilung 3
    11.02.2020
    50. Weinsberger Obstbautag / Übertragung per Livestream | Referatsleiter Bernhard Ritz: „Weinsberger Obstbautag – Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis nun seit 50 Jahren„
    Ministerialdirektorin Grit Puchan: „Der Klimawandel und die Umsetzung des Eckpunktepapiers stellen uns in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können“

    ​Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel: „Für eine realistische Einschätzung des Gefährdungspotentials von Pflanzenschutzmitteln, sind fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse unerlässlich“

    Das Regierungspräsidium Stuttgart und die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg veranstalteten heute, 11. Februar 2020, in der Hildthalle in Weinsberg den 50. Weinsberger Obstbautag.

    Bernhard Ritz, Leiter des Referats „Pflanzliche und tierische Erzeugung“ am Regierungspräsidium Stuttgart, begrüßte die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bereich Obstbau sowie Interessierte: „Der Weinsberger Obstbautag ist eine wichtige Plattform – neue Erkenntnisse und Entwicklungen im Obstbau aus der Wissenschaft, der Forschung und den Versuchsanstalten treffen hier auf die Praxis, dies war auch die Zielsetzung vor 50 Jahren für die Gründung des Weinsberger Obstbautages“, sagte Ritz. Mit zwischenzeitlich über 300 Vorträgen auf den Obstbautagen sei man dieser Zielsetzung stets treu geblieben.

    Nach Grußworten des Weinsberger Bürgermeisters Stefan Thoma und Friedhelm Weckert, Vizepräsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau, stellte Ministerialdirektorin Grit Puchan vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg die aktuellen Entwicklungen und Rahmenbedingungen im Obstbau vor. Zwei wichtige Themen seien dabei die Bewältigung des Klimawandels und die Umsetzung des sogenannten Eckpunktepapiers. „Der Klimawandel stellt eine große Herausforderung für die Landwirtschaft und den Obstbau dar. Extreme Wetterlagen, wie Dürre und Hitzeperioden, Spätfröste, Hagel und Starkniederschlagsereignisse treten immer häufiger auf. Hinzu kommen gerade beim Obst heftige Preis- und Einkommensschwankungen der letzten Jahre. Von daher rückt das Thema Risikovorsorge immer mehr in den Mittelpunkt. Es ist deshalb an der Zeit, die Ad-hoc-Hilfen der letzten Jahre durch ein langfristig angelegtes Risikomanagementsystem zu ersetzen. Den Anfang macht die Landesregierung mit einem seit Mitte Dezember 2019 gestarteten Pilotprojekt, in dem Obst- und Weinbaubetrieben eine Förderung von Versicherungen gegen die Risiken Starkfrost, Sturm oder Starkregen aus Landesmitteln angeboten wird“, erklärte die Ministerialdirektorin im Landwirtschaftsministerium Grit Puchan.

    Eine weitere wichtige Aufgabe für die Landwirtschaft und den Obstbau sei die Umsetzung des Eckpunktepapiers der Landesregierung als Weiterentwicklung der Initiative ‚Rettet die Bienen‘. Die Eckpunkte erfüllen nicht nur das Anliegen des Volksbegehrens, die Artenvielfalt zu stärken, sie tragen auch dazu bei, die konventionelle und ökologische Landwirtschaft einschließlich des Obstbaus im Land zukunftssicher zu erhalten. „Ein zentraler Eckpunkt ist die Pflanzenschutzmittelreduktion. Nicht der Einzelbetrieb steht im Fokus der Pflanzenschutzmittelreduktion, sondern sämtliche Flächen im Land, das öffentliche Grün, die privaten Flächen im Haus- und Kleingarten sowie die gesamte Landwirtschaft. Wichtig ist am Ende, dass gute Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt realisiert werden, die gesellschaftlich akzeptiert und von der Landwirtschaft auch umgesetzt werden können“, sagte Grit Puchan.

    Themen und Vorträge auf dem 50. Weinsberger Obstbautag

    Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird aktuell in der Gesellschaft und der Politik kontrovers diskutiert. Beim diesjährigen Weinsberger Obstbautag wurde dieses Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln von den Expertinnen und Experten beleuchtet:

    „Ist da wirklich Gift im Obst? Verbraucher und Erzeuger im dialogischen Zwiespalt“.
    Dazu sprach Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Laut Hensel betrachten die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher – speziell jener in Deutschland – Pflanzenschutzmittel als etwas Negatives. Pflanzenschutzmittel würden als etwas Beunruhigendes angesehen. Ihre Rückstände – auch wenn die gesetzlich zulässigen Höchstmengen eingehalten werden – gelten als Gesundheitsgefahr. „Diese Einschätzung der Verbraucher steht im eklatanten Widerspruch zu den tatsächlichen Gesundheitsrisiken, denen Verbraucher hierzulande ausgesetzt sind, beispielsweise einer mangelhaften Lebensmittelhygiene in der eigenen Küche“, erklärte Hensel. Diese mangelnde Reflexion führe nicht nur zu durchaus diskussionswürdigen Meinungen, sondern sogar schlicht zu Irrtümern, so Hensel. Zum Beispiel würden Rückstände in Lebensmitteln per se als illegal angesehen. Mit Hilfe einer ganzen Reihe an Maßnahmen und Formaten komme das BfR seiner gesetzlichen Aufgabe nach, die Verbraucher auf rein wissenschaftlicher Basis über Risiken zu unterrichten.

    Dr. Franz Rueß von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (LVWO) und Dr. Ingo Nikusch als ehemaliger übergebietlicher Pflanzenschutzberater aus Offenburg gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Rückblick über 50 Jahre Anbau, Sorten und Pflanzenschutz im Obstbau. Dabei ging Rueß auf Themen ein wie das Marktgeschehen vor dem Hintergrund der Vergrößerung der Europäischen Union, die Entwicklung der Lagertechnik, des Kulturschutzes und der Erntetechnik, aber auch auf die Verbesserung des Apfelsortiments sowie die Verbesserungen im Anbau von Stein- und Beerenobst. Dr. Nikusch berichtete rückblickend über die Einführung des integrierten Pflanzenschutzes in Baden-Württemberg, woran er selbst maßgeblich beteiligt war.

    Andrea Hartmann vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee (KOB) in Bavendorf berichtete über das Projekt „Potenziale und Praxisprogramm zur Erhöhung der ökologischen Vielfalt in Erwerbsobstanlagen und Streuobstwiesen“ welches Teil eines großen Verbundprojektes ist, das in sechs deutschen Obstbauregionen über eine Laufzeit von sechs Jahren durchgeführt wird. Ziel ist die Erhöhung der Biodiversität in Erwerbsobstanlagen. „Diese haben in der Regel lange Standzeiten, von etwa 15 bis 25 Jahren, und stellen daher ein Habitat für verschiedene Tier- und Pflanzengruppen dar, welche sich an die jeweilige Bewirtschaftungsform angepasst haben. Diese Arten sollen mit dem Projekt und seinen verschiedenen Maßnahmen erhalten und gefördert werden“, führte Hartmann aus. Das Projekt wurde am 31. Januar 2020 in Weinsberg bei der ökologischen Obstbautagung mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

    Bernhard Kitt ist mit einigen Betriebsflächen des Obsthofes Kitt in Überlingen ein Teil dieses Projektes und stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die praktische Umsetzung in seinem Betrieb vor. Er führt seinen Betrieb im Vollerwerb in der fünften Generation mit den Schwerpunkten Kernobst und Erdbeeren, einer Direktvermarktung und einer Baumschule.
    Thorsten Espey von der LVWO stellte Versuchsergebnisse aus dem Arbeitsbereich Steinobst vor und erörterte vor den Praktikern Erfahrungen und Perspektiven zu Anbaustrategien und Sorten bei Kirschen und Zwetschgen. „Der Anbau von Süßkirschen und Zwetschen steht heute im Spannungsfeld zwischen hohen Qualitätsanforderungen, hoher Anfälligkeit für Krankheiten und Schaderreger und steigenden Produktionskosten. Diesen Herausforderungen muss der Obstproduzent mit einer Abstimmung der Sorten- und Unterlagenwahl sowie einer Optimierung der Produktionsverfahren begegnen“, so Espey.

    In seinem Vortrag „Rückstandsarme Apfelproduktion beziehungsweise reduzierter Pflanzenschutzmitteleinsatz“ berichtete Dr. Christian Scheer, Fachbereichsleiter Pflanzenschutz am KOB, über seine Versuchsarbeit und Projekte. Die Versuche befassen sich unter anderem mit den Themen Pflanzenschutzmittelrückstände im Erntegut, Reduzierung von Wirkstoffen für eine Qualitätsproduktion, zukünftig beschränkter und verbotener Einsatz von Insektiziden und Glyphosat. „Zielstellung hierbei ist bei Betrachtung der Wirtschaftlichkeit, der Qualität und der Quantität soweit wie möglich den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren beziehungsweise diesen mit chemisch-mineralischen Substanzen durchzuführen“, erklärte der Pflanzenschutzexperte.

    Hintergrundinformation:
    Der Weinsberger Obstbautag wird bereits seit dem Jahr 1971 für Praktikerinnen und Praktiker aus dem Erwerbsobstbau durchgeführt und findet dieses Jahr zum 50. Mal statt. Die Organisation und Durchführung liegt in den Händen des Regierungspräsidiums Stuttgart und der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO). Die LVWO ist eine Landesanstalt des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

    Das Programm kann dem anhängenden Flyer entnommen werden. Der Weinsberger Obstbautag kann dieses Jahr wieder als Livestream verfolgt werden.

    Flyer Weinsberger Obstbautag (PDF, 558 KB)

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