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  • Abteilung 9
    21.07.2020
    Ergebnisse aus den Einschulungsuntersuchungen (ESU) zur Sprachentwicklung von Kindern im Alter von 4 und 5 Jahren
    Minister Manne Lucha: „Erfassung der Sprachentwicklung der Kinder ist bei den Einschulungsuntersuchungen sehr wichtig“

    Regierungspräsident Wolfgang Reimer: „Erfreulicherweise ist in den vergangenen Jahren der Anteil der Kinder mit altersentsprechender Sprachentwicklung gestiegen“

    ​LGA-Leiterin Dr. Karlin Stark: „Kinder mit intensivem Sprachförderbedarf erhalten die Möglichkeit für gezielte Unterstützung frühzeitig vor Schulbeginn“

    Im menschlichen Miteinander ist die Sprache das wichtigste Mittel zur Verständigung. Durch Sprache erschließen sich Kinder die Welt: Sie treten so in Kontakt mit anderen Menschen, bauen Beziehungen auf und eignen sich Wissen an. Mit einem gelingenden Spracherwerb werden also wichtige Grundlagen für die Teilhabe eines Kindes in der Gemeinschaft und den gelingenden Start in die Schule geschaffen.

    „In der Einschulungsuntersuchung in Baden-Württemberg wird daher besonders viel Wert auf die Erfassung der Sprachentwicklung der Kinder gelegt. Liegen keine ausreichenden sprachlichen Kompetenzen vor, sind Schwierigkeiten in der Schule leider programmiert“, erklärte der Minister für Soziales und Integration, Manne Lucha, heute (21. Juli) in Stuttgart. Der nun veröffentlichte Bericht des Landesgesundheitsamtes (LGA) Baden-Württemberg zur Sprachstanderhebung in der ESU beschreibt den sprachlichen Entwicklungsstand der 4- und 5-Jährigen in Baden-Württemberg. Grundlage sind die Ergebnisse der Untersuchungen in den Untersuchungsjahren 2009/2010 bis 2017/2018.

    „Der Anteil an Kindern mit einem intensiven Sprachförderbedarf nimmt sowohl bei ausschließlich Deutsch sprechenden Kindern als auch bei mehr- und anderssprachigen Kindern mit steigendem Sozialstatus der Eltern ab. Erfreulicherweise hat in den vergangenen Jahren der Anteil der Kinder mit altersentsprechender Sprachentwicklung zugenommen“, erklärte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer, in dessen Behörde das Landesgesundheitsamt angesiedelt ist.

    Der Anteil der Kinder mit altersentsprechender Sprachentwicklung ist über die Jahre von 54 Prozent im Jahr 2010 auf 62 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass zuletzt etwa jedes dritte Kind (30 Prozent) einen intensiven Sprachförderbedarf bescheinigt bekommen hat –  Jungen (33 Prozent) etwas häufiger als Mädchen (28 Prozent). Erwartungsgemäß liegen die Quoten für intensiven Sprachförderbedarf bei mehrsprachigen und anderssprachigen Kindern (Deutsch und andere Sprachen 47 Prozent; andere Sprachen 76 Prozent) deutlich höher als für nur Deutsch sprechende Kinder (14 Prozent).

    Betrachtet man die Daten im Zeitverlauf fällt auf, dass in den Jahren 2017 und 2018 bei den Kindern, die ausschließlich andere Familiensprachen sprechen, ein Anstieg der Kinder mit intensivem Förderbedarf im Vergleich zu den Jahren zuvor zu beobachten ist. Ein Grund für den Anstieg könnte sein, dass in diesen Jahren mehr Kinder gesehen wurden, die kürzlich zugezogen sind, als in den Jahren davor – aufgrund der Zuwanderungswellen in den Jahren 2015 und 2016.

    „Die Überprüfung der sprachlichen Kompetenzen der Kinder bei der ESU erfolgt seit 2009 in einem zweistufigen Verfahren“, erklärt die LGA-Leiterin Dr. Karlin Stark. Werde bei der ESU ein intensiver Sprachförderbedarf festgestellt, so sei vorgesehen, dass das Kind an einer Sprachfördermaßnahme in der Kindertageseinrichtung teilnehme, so Stark. „Ziel einer solchen Maßnahme ist die Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit. Da in Baden-Württemberg – anders als in den meisten anderen Bundesländern – die ESU im vorletzten Kindergartenjahr stattfindet, bleibt bei Bedarf ausreichend Zeit für die Förderung der Kinder vor Schulbeginn“, betonte die LGA-Leiterin.

    Der „Sprachstandbericht Baden-Württemberg 2010 bis 2018“ ist online beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg abrufbar.

    Hintergrundinformationen:

    Die Einschulungsuntersuchung in Baden-Württemberg
    Die Einschulungsuntersuchungen (ESU) werden bei allen Kindern in Baden-Württemberg durchgeführt mit dem Ziel, die Chance auf einen guten Schulstart für alle Kinder zu verbessern. Die ESU dient der Früherkennung von Entwicklungsverzögerungen und gesundheitlichen Einschränkungen, die einen Schulbesuch erschweren können.

    In Baden-Württemberg findet die ESU im vorletzten Kindergartenjahr statt, sodass bei Bedarf genug Zeit für die Förderung der Kinder vor Schulbeginn bleibt. Durchgeführt wird die ESU von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Gesundheitsämter im Land. Pro Jahr werden in Baden-Württemberg rund 100.000 Kinder im Alter von 4 und 5 Jahren bei der ESU untersucht. Die bei der ESU erhobenen Daten werden am Ende jeden Untersuchungsjahres an das Landesgesundheitsamt übermittelt. Dort werden diese ausgewertet und im Gesundheitsatlas Baden-Württemberg der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

    Die Überprüfung der sprachlichen Kompetenzen der Kinder im Rahmen der ESU erfolgt seit 2009 in einem zweistufigen Verfahren. In der sogenannten Basisuntersuchung wird zuerst bei allen Kindern ein Sprachscreening mit dem Heidelberger Auditiven Screening in der Einschulungsuntersuchung (HASE) und den Beobachtungen zur Spontansprache durchgeführt. Kinder mit einem auffälligen Sprachscreening werden in einem zweiten Schritt einer erweiterte Sprachstanddiagnostik mit dem Sprach-Entwicklungs-Test für drei- bis fünfjährige Kinder (SETK 3-5) zugeführt. Die Ergebnisse werden in der Gesamtbewertung der Sprache unter Berücksichtigung aller dem Gesundheitsamt vorliegenden Unterlagen zusammengefasst. Hinzu kommt die Überprüfung der Aussprache im Rahmen einer Artikulationsprüfung.

    Da die ESU jedes Jahr bei einem kompletten Jahrgang durchgeführt wird, eignen sich die Daten im besonderen Maße um Entwicklungen der Kindergesundheit über die Zeit, regionale Unterschiede und Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen aufzuzeigen. Damit stellen die Daten eine gute Basis für die Identifizierung von Handlungsbedarfen für Präventions- und Förderprogramme dar.

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