Landarztquote

Rund 34 Prozent der baden-württembergischen Bevölkerung lebt im ländlichen Raum. Ziel der Landesregierung ist es, die Lebensverhältnisse in den Ballungs-, Verdichtungsräumen sowie im ländlichen Raum vergleichbar zu gestalten und so das Leben und Wohnen im ländlichen Raum attraktiv zu halten. Dabei spielen Daseinsvorsorge und Infrastruktur eine große Rolle. Zur notwendigen Infrastruktur gehört unter anderem eine flächendeckende ambulante medizinische Versorgung. Viele junge Ärztinnen und Ärzte zieht es jedoch in Städte und Ballungsgebiete. Dies führt auf dem Land teils zu erheblichen Nachwuchsproblemen – vor allem im hausärztlichen Bereich. Um Versorgungsengpässen im ländlichen Raum zu begegnen, hat der baden-württembergische Landtag im Februar 2021 das sogenannte Landarztgesetz verabschiedet. Damit können jährlich bis zu 75 Studienplätze der Humanmedizin an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden, die sich im Gegenzug nach dem Studium und der Facharztweiterbildung für mindestens zehn Jahre als Landärztin oder Landarzt verpflichten.

Zuständig für die Organisation dieser sogenannten Landarztquote ist das RPS-Referat 95. Beim ersten Durchgang der Landarztquote im Frühjahr 2021 gingen innerhalb weniger Tage knapp 450 Bewerbungen ein, sodass wir eine ausgesprochen anspruchsvolle Auswahl in einem zweistufigen Bewerbungs- und Auswahlverfahren vornehmen konnten, an deren Ende 75 neue Medizinstudierende standen.

Somit steht dem Land mit dem neuen Instrument der Landarztquote ein weiterer Baustein zur Verfügung, der die Gesundheitsversorgung aller Menschen in Baden-Württemberg auch in Zukunft sichern wird. Im März 2022 startet der zweite Durchgang der Landarztquote.

Seit einigen Jahren zeichnet sich in Baden-Württemberg eine stagnierende Entwicklung in der hausärztlichen bzw. allgemeinmedizinischen Versorgung ab, vor allem in den ländlichen Regionen des Landes. Ohne Gegenmaßnahmen wird sich dieser Trend nach heutigem Stand fortsetzen. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen bieten viele ländliche Regionen für Zuziehende wenige Anreize oder attraktive Angebote. Junge Ärztinnen und Ärzte zieht es daher eher in die Stadt. Zum anderen wollen viele der einsteigenden Ärztinnen und Ärzte andere Arbeitsstrukturen als ihre älteren Kollegen, wie etwa mehr Zeit für die Familie und mehr Teamarbeit. Außerdem gibt es in ländlichen Räumen vergleichsweise viele Einzelpraxen. Das unternehmerische Risiko der Übernahme einer Einzelpraxis möchten viele nicht eingehen.

Zusätzlich spielt der demografische Wandel eine große Rolle bei der hausärztlichen Versorgung: Mit zunehmendem Lebensalter und einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt auch die durchschnittliche Zahl der Behandlungsfälle der Patientinnen und Patienten zu. Kombiniert mit der stagnierenden oder nur gering ansteigenden Zahl der Fachärztinnen und -ärzten in der Allgemeinmedizin entsteht dadurch eine deutlich höhere Belastung der derzeit tätigen Ärztinnen und Ärzte in ländlichen und schlechter versorgten Regionen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg prognostiziert mittel- bis langfristig einen gravierenden Nachbesetzungsbedarf im ländlichen Raum, d. h. es fehlen Nachfolgerinnen und Nachfolger für Hausärzte, die in naher Zukunft in den Ruhestand gehen. Die Landesregierung hat dies erkannt und ergreift daher Maßnahmen, um diesem Landärztemangel entgegen zu wirken und in Zukunft Hausärztinnen und -ärzte für die Versorgung im ländlichen Raum zu gewinnen und zu binden.

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