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Referat 33 (Pflanzliche und tierische Erzeugung) des Regierungspräsidium Tübingen
Bienenweide in Schrebergarten, Quelle: Remigius Binder, Regierungspräsidium Tübingen

Ein Interview mit dem Bienenfachberater Remigius Binder

Herr Binder, was macht ein Fachberater für Bienen? Können Sie uns das einmal erläutern?

In erster Linie kümmere ich mich um die Aus- und Fortbildung von Imkerinnen und Imkern in meinem Dienstbezirk. Diese betreiben die Imkerei ja zumeist als Hobby und sind sehr froh, ihr Wissen laufend aktualisieren und auf den neuesten Stand bringen zu können. Auf Einladung halte ich Vorträge auf Vereinsversammlungen oder demonstriere bestimmte Methoden an den Bienenvölkern der Vereine. Darüber hinaus biete ich Kurse an, in denen beispielsweise die Varroa-Bekämpfung vertieft wird oder es werden an mehreren Terminen über das Bienenjahr verteilt die aktuell anstehenden Arbeiten gezeigt und erläutert. Darüber hinaus führe ich Einzelberatungen bei speziellen Fragen oder bei Problemen durch.
Bei den Treffen der Bienenschutzausschüsse der Landkreise nehme ich auf Einladung ebenfalls teil und nicht zuletzt wird von Behörden immer wieder eine Stellungnahme von mir verlangt, wenn Bienenhäuser im Außenbereich errichtet werden sollen.

Wie viele Imker gibt es denn im Regierungsbezirk Tübingen?

Nach den Statistiken der Imkerverbände beschäftigen sich rund 4.000 Menschen in unserem Regierungsbezirk mit Bienen. In über 40 Imkervereinen treffen sie sich regelmäßig zum Meinungs- und Informationsaustausch. Seit einigen Jahren ist das Interesse an der Imkerei erfreulicherweise wieder angestiegen. Und so nimmt der Anteil der Imker und Imkerinnen zu – nur bei der Zahl der Bienenvölker ist dieser Trend nicht erkennbar, denn durchschnittlich betreut ein Imker nur noch sieben Völker und damit deutlich weniger als noch vor 20 Jahren.

Blühstreifen in der Ackerflur, Quelle: Regierungspräsidium Tübingen

Womit sind die Imker jetzt im Juli/August besonders beschäftigt?

Immer wieder überraschte Reaktionen werden geäußert, wenn ich erkläre, dass im Juli bereits das neue Bienenjahr beginnt. Nach der Ernte des Blütenhonigs im Mai oder Anfang Juni werden jetzt im Sommer die Honigwaben ein letztes Mal geschleudert. Danach muss in den Bienenvölkern für Ersatz des geernteten Honigs gesorgt werden. Die Völker werden mit Zuckerwasser gefüttert, das die Bienen dann als Wintervorrat in ihren Waben einlagern. Eine weitere und nicht weniger wichtige Aufgabe ist es, die Bienen gegen die Varroa-Milbe zu schützen.

In den letzten Jahren konnte man überall von der Varroa-Milbe lesen. Wie sieht aktuell der Befall im Regierungsbezirk aus und was kann man dagegen tun?

Die Varroa-Milbe wurde um 1975 herum nach Deutschland verschleppt und hat sich inzwischen über ganz Europa ausgebreitet. Sie stammt ursprünglich aus Asien und unter den Bienenvölkern dort richtet die Milbe keinen allzu großen Schaden an. Bei unseren Bienen ist das ganz anders, denn bisher haben sie noch keine Abwehrstrategie gegen die Milbe entwickelt und ohne Eingriffe des Imkers würden die meisten Bienenvölker nach wenigen Jahren absterben. Zur Bekämpfung der Milben gibt es mehrere Verfahren und Produkte. Von der Bienenfachberatung in Baden-Württemberg wird ein Konzept empfohlen, das auf der Anwendung von organischen Säuren (Ameisen- und Oxalsäure) basiert und so weder Rückstände im Honig noch Resistenzen bei den Milben zu befürchten sind. Allerdings hängt der Behandlungserfolg stark von der Witterung ab und war deshalb im vergangenen kühl-feuchten Sommer oft unbefriedigend. Verbleiben aber zu viele Milben im Bienenvolk, dann erkranken die Bienen und sie überleben den Winter nicht.

Wie sieht es insgesamt mit der Situation der Bienen – in Hinblick auf Gesundheit, Wachstumszahlen oder Ertrag – im Regierungsbezirk aus?

Neben dem Kampf gegen die Varroa-Milbe sind die Imker ganz allgemein in Sorge um die Lebensbedingungen für Honigbienen und andere Insekten. Es betrifft zum einen das Nahrungsangebot, das sich durch Veränderungen in der Landwirtschaft meist verringert hat und zum anderen sehen die Imker bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, auch wenn diese geprüft und zugelassen sind, Gefahren für ihre Schützlinge. Aus Bienensicht ist die Klimaveränderung (noch) kein Problem, denn sie lieben wärmere Temperaturen bei denen sie ohne Einschränkung zu Sammelflügen starten können. Bei extremer Trockenheit versiegen die Nektarquellen allerdings ebenso wie bei zu kühlen Temperaturen und führen zu Schwankungen beim Honigertrag. Nach zwei schlechten Jahren konnten in diesem Frühjahr die Honigkannen meist wieder gut befüllt werden.

Blühstreifen in der Ackerflur, Quelle: Regierungspräsidium Tübingen

Was kann jeder Einzelne für die Bienen tun und wohin können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger wenden, die sich überlegen, selbst Imker zu werden?

Zur Unterstützung der Bienen sind hier meiner Meinung nach Garten- und Baumwiesenliebhaber besonders gefordert. Bestimmt lässt sich in jedem Garten eine Ecke oder gar ein Beet zur Aussaat von insektenfreundlichen Blühmischungen finden, denn gerade jetzt im Hochsommer freuen sich Bienen über jede Blüte, die Nektar und Pollen spendet. Etwas aufwendiger ist die Pflege einer Baumwiese, wenn der Unterwuchs ebenfalls zum Blühen gebracht werden soll. Wenn diese seltener gemäht und das Gras dann noch zusammen gerecht wird, kann sich in wenigen Jahren aus einer grünen Öde ebenfalls ein blühendes Insektenreich entwickeln. Wer jedoch selbst mit der Bienenhaltung beginnen möchte, sollte sich frühzeitig zu einem Anfängerkurs bei einem Imkerverein in der Nähe seines Wohnorts anmelden. Neben der Theorie steht hier vor allem die Vermittlung von praktischen Kenntnissen am lebenden Bienenvolk im Vordergrund. Das Lernen in der Gruppe macht Spaß und sollte eine Biene einmal stechen, dann lässt sich der Schmerz sicher leichter ertragen.

Allerletzte Frage: Wann haben Sie mit der Imkerei angefangen und welches ist Ihr Lieblingshonig?

Obwohl ich seit fast 30 Jahren eigene Bienenvölker betreue, gibt es immer noch Neues zu entdecken, denn kein Bienenjahr gleicht dem anderen. Als Imker habe ich beim Schleudern der Waben ja alle Honigsorten in der Hand und nehme die ein oder andere Kostprobe, doch als Brotaufstrich liebe die leuchtend gelbe Farbe und den intensiven Geschmack von Löwenzahnhonig.

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Thema Bienen

Remigius Binder

Regierungspräsidium Tübingen

Referat 33

Remigius Binder
Telefon 07071 757-3490
E-Mail remigius.binder@rpt.bwl.de

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